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6 Fragen, 6 Antworten: Wie schaffe ich es, auf Knopfdruck kreativ zu sein?

Ein Gespräch über Kreativität, den Wert von Routine und die größten Hindernisse auf dem Weg zu neuen Ideen.

Ein Buch schreiben, ein Bild malen oder einen eigenen Film drehen. Kreative Einfälle und Inspirationsschübe kennt wohl jeder. Nur sind diese meist nur von kurzer Dauer und sobald man sich ernsthaft daran macht, sie in die Tat umzusetzen, ist der Kopf wie leer gefegt.

Die beiden Musiker Hyung-ki Joo und Aleksey Igudesman haben ein Buch mit dem Titel „Rette die Welt“ über Kreativität geschrieben, in dem sie auf lustige und originelle Art und Weise dem Konzept auf den Grund gehen und hinterfragen; Was genau ist eigentlich Kreativität? ZEITjUNG hat mit Hyung-ki Joo darüber gesprochen, wie man Kreativität im Alltag fördern kann.

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Hyung-ki Joo, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Aleksey?

Das ist eine lange Geschichte. Aleksey und ich kenne uns schon sehr lange. Wir haben uns mit 12 Jahren auf einer Musikschule in England kennengelernt und sind gute Freunde geworden. Wir hatten damals schon sehr ähnliche Ideen und Ideale. Beispielsweise hat es uns beide immer gestört, dass klassische Konzerte überhaupt nicht die Liebe und Leidenschaft widerspiegeln konnten, die eigentlich dahinter steckt. Die Atmosphäre war eher wie bei einem Begräbnis, viel zu ernst, viel zu elitär. Wir haben damals schon gewusst, wir können zwar die Welt nicht verändern, aber dafür uns, und wir können Konzerte machen, auf die wir selbst gerne gehen würden. Seit 2004 haben wir nun unsere Show „kleine Albtraummusik“. Unser gesamter Werdegang war also schon immer von Kreativität geprägt, daher stand das Thema auch schnell fest.

Bildquelle:  igudesmanandjoo

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Warum kann Kreativität die Welt retten?

Es gab mal einen Fall, den wir auch in unserem Buch beschreiben. Ein Team von Studenten sollte neue Inkubationsmaschinen für Babys in Nepal bauen, da diese häufig sterben. Die Studenten sind dort hingeflogen und haben sich die Lage angeschaut. Letztendlich haben sie festgestellt, dass es genug Maschinen gibt: das Problem sind die langen Anfahrtswege von den Häusern der Menschen bis in die Krankenhäuser. Also haben sie eine Art Decke entwickelt, mit der die Babys warm gehalten werden können, bis sie ins Krankenhaus kommen. Kreativität setzt eben oft auch Empathie, ein Mitfühlen voraus. Beispiele wie dieses zeigen, dass Kreativität und neue Ideen tatsächlich die Welt retten können.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Wie würden Sie Kreativität beschreiben?

Da gibt es so viele Ebenen, die metaphorische, die realistische, die praktische und so weiter. Genau beschreiben kann ich es nicht. Ich würde sagen, Kreativität ist wie ein Spiel. Das Wichtigste ist eigentlich nur, zu wissen, dass man nicht gut sein muss. Es gibt so viele Leute, die sagen; „ich kann nicht kreativ sein, ich bin kein Künstler und so weiter.“ Das ist Quatsch. Wenn meine kleine Tochter ein Haus zeichnet, ist es für sie ein kreativer Prozess und es ist sehr wichtig. Man denkt immer, man muss originell sein, um kreativ zu sein. Dabei definieren wir alleine die Welt, wir alleine bestimmen, was ein Kunstwerk ist, und was nicht. Man muss nicht die Bratkartoffel neu erfinden, um kreativ zu sein.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Sind Selbstzweifel das größte Hindernis für die Kreativität?

Ich glaube schon. Das Problem ist die Gesellschaft, in der wir leben. Man ist so darauf bedacht, bloß keine Fehler zu machen. Das an sich ist der größte Fehler. Angst vor dem Scheitern hindert uns daran, zu erforschen. Das Wichtigste ist es, den ersten Schritt zu machen, egal, wie er letztendlich ausfällt. Hauptsache, man bewegt sich.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Welche Rolle spielt die Routine in dem kreativen Prozess?

Routine ist ein schwieriger Begriff, eigentlich bedeutet er nämlich, etwas täglich zu machen. Wir versuchen in unserem Buch, dieses Konzept ein wenig flexibler zu gestalten. So lange man eine gewisse Regelmäßigkeit in seine Kreativität bringt, ist man schon auf einem guten Weg. Die meisten Menschen leben tagtäglich mit so viel Druck und To-Do-Listen und kommen überhaupt nicht dazu, wirklich zu leben. Wenn man jeden Tag nur einen bewussten Atemzug macht, hat man schon eine Mini-Meditation eingebaut. Solche Konzepte können dabei helfen, einfach anzufangen. Bei Kreativität ist es dasselbe. Lieber jeden Tag ein paar kurze Momente investieren, als es gleich sein zu lassen, weil man glaubt, nicht die Zeit dafür zu haben.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Wie geht man am Besten vor, wenn man auf Knopfdruck kreativ sein muss?

Zunächst einmal muss man sich von dem ganzen Wissen befreien und in den sogenannten Anfängerzustand zurückkehren. Experte in irgendetwas zu sein, wirkt wahnsinnig einschränkend. Da ist der Stolz und die Erfahrung, die einen daran hindern, kreativ zu sein. Grundsätzlich glaube ich trotzdem nicht, dass man Kreativität aus dem Nichts erzwingen kann. Man kann sich aber immer wieder inspirieren lassen und auf die eigenen Ideen vertrauen. Und eigentlich ist die Kreativität auch nur wie ein Muskel. Wenn man sie häufig anwendet und auch eine kreative Art zu denken im Alltag pflegt, fällt es einem leichter, auf Knopfdruck kreativ zu sein.

Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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Beitragsbild: Unsplash unter CC0 Lizenz

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