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Genre Guide: Was ist eigentlich Rock?

E-Bass und Drums werden bis aufs Äußerste malträtiert. Die E-Gitarre heult laut auf und versetzt alle in Ekstase. Willkommen im Land des Rock.

Wenn der Beat in unseren Ohren dröhnt, sich Gänsehaut ankündigt und unsere Füße anfangen zu zappeln, dann möchten wir sie am liebsten auf ewig hören – diese Musik. Aber was hören wir da eigentlich? Unser Genre Guide hilft dir weiter. Alle zwei Wochen erklären wir dir einen anderen Musikstil. Dieses Mal gibt es Rock auf die Ohren.

Die Snare und die Tomtoms werden bis aufs Äußerste malträtiert, der E-Bass brummt verlässlich im Hintergrund. Über allem steht die E-Gitarre: Sie prescht angriffslustig nach vorn, heult laut auf und versetzt nicht nur denjenigen in Ekstase, der sie spielt, sondern auch die Zuhörer. Willkommen im Land des Rock.

Rock: die Definition

Das klassische Line-up einer Rockband besteht in der Regel aus einem Drummer, einem E-Bass-Spieler, einem Gitarristen und einem Sänger. Bei vielen Bands ist es jedoch üblich, dass es einen sogenannten Leadgitarristen und einen Rhythmusgitarristen gibt. Letztgenannter übernimmt in der Regel das Akkordspiel, um Rhythmus und Melodie eines Songs zu unterstützen, während der Leadgitarrist anspruchsvollere Parts übernimmt, etwa Soli und Licks (kurze Instrumentalpassagen). Der Sänger einer Rockband kann „nur“ singen, es ist aber auch nicht unüblich, dass er zugleich ein Instrument spielt – häufig ist dies die Rhythmusgitarre.

Die meisten Rocksongs weisen einen 4/4-Takt auf und bedienen sich der Verse-Chorus-Form. Dabei wechseln sich der Verse und der Chorus (Refrain) ab, während jedoch auf Letztgenanntem der Fokus liegt und er nicht selten, vor allem gegen Ende des Songs, mehrmals wiederholt wird. Außerdem existiert im Rock noch die sogenannte Bridge (Brücke). Die Bridge ist eine Art überleitendes Zwischenspiel. Sie weicht in puncto Melodie und Geschwindigkeit, manchmal sogar in puncto Genre, vom Rest des Songs ab. Musiker bauen sie vor allem deshalb in ihre Stücke ein, um den Song stilistisch ein wenig aufzulockern und einer „Ermüdungserscheinung“ beim Hörer vorzubeugen (siehe zum Beispiel Billy Joels Song A Room of Our Own in unserer Playlist, bei dem die Bridge kurz nach 01:25 einsetzt).

Besonders hervorzuheben ist im Bereich des Rock noch das sogenannte Riff. Beim Riff handelt es sich um eine prägnante musikalische Figur, die häufig wiederholt wird (Ostinato). Ein Riff verleiht einem Rocksong einen hohen Wiedererkennungswert, sodass er „im Ohr bleibt“. Das Riff ist auf kein Instrument festgelegt, wird im Rock in der Regel aber von der Gitarre oder dem E-Bass vorgetragen. Typische Beispiele für prägnante Riffs sind in den Songs Another One Bites the Dust von Queen und Back in Black von AC/DC (beide 1980) zu finden.

Verwandt und verschwägert

Die Tochter von: Country

Beste Freundin: Blues

Hassliebe: Metal

Die kleine Cousine von: Rhythm’n’Blues

Können sich nicht ausstehen: Dance-Pop

Verwechslungsgefahr mit: Beat Music

Rock: der Ursprung

Die Wurzeln des Rock liegen im Country und Rhythm‘n‘Blues. Es mag zwar nicht DIE Geburtsstunde des Rock geben, aber doch einen recht konkreten Moment, der für die Entwicklung des Genres ganz entscheidend war. Am 05. Juli 1954 hatte Elvis Presley eine seiner ersten Aufnahmesessions bei Sun Records in Memphis, Tennessee. Während einer Pause spielten er und seine Kollegen ein wenig mit ihren Instrumenten herum, was Sun-Records-Chef Sam Philipps durch die geöffnete Türe aus der Ferne hörte. Philips wusste sofort: „Das ist der Sound, nach dem ich gesucht habe!“ Auf seine Frage, was sie da denn täten, erhielt Philipps die Antwort „We don‘t know“. Seine Reaktion: „Well, back up, try to find a place to start, and do it again“.

Bei dem von Elvis und seinen Kollegen improvisierten Stück handelte es sich um den Blues-Song „That‘s All Right (Mama)“ von Arthur Crudup aus dem Jahre 1946. Elvis & Co. spielten ihn jedoch schneller, lasziver und „dreckiger“ als das Original. Auf diese Weise haben sie den Rock vermutlich nicht erfunden, aber nach Meinung nicht weniger „the true beginning of the rock-and-roll revolution“ eingeläutet.

In den darauffolgenden Jahren sollte Rock sich dann auch als eines der prägendsten und kommerziell erfolgreichsten Genres der Popmusik etablieren. Die Jugend eignete sich Rock‘n‘Roll als Instrument des Aufbegehrens an, Rock entwickelte sich „von der Jugendrevolte zum Mainstream“. Prägende frühe Stücke waren dabei mit Sicherheit Songs wie Rock Around the Clock von Bill Haley & His Comets (1954), Whole Lot of Shakin‘ Going On von Jerry Lee Lewis (1957) und Johnny B. Goode von Cuck Berry (1958).

Erfolgreich war und ist Rock vor allen Dingen, weil er sich enorm ausdifferenzierte. So bezog er sich zum Beispiel auf (kurzzeitige) Tanzphänomene wie den Twist, etwa in Form von Chubby Checkers Let‘s Twist Again (1961). Es folgten Subgenres wie der Bluesrock (typische Bands: The Rolling Stones, Eric Clapton, Cream), Psychedelic-Rock (Pink Floyd, Jimi Hendrix, Grateful Dead) und Country-Rock (Johnny Cash, Creedence Clearwater Revival, Eagles). Vereinzelt suchte der Rock auch die Nähe zu Genres bzw. Instrumenten, die auf den ersten Blick kaum mit ihm vereinbar schienen. Das Electric Light Orchestra verband Rock mit dem Klang von Streichinstrumenten, während Chicago einen Jazz-Rock vollführte, in dem die Horn Section eine ganz entscheidende Komponente darstellt. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Fusions-Genres, die eine (mal kurze, mal längere) Hochzeit erlebten. Zu nennen sind hier zum Beispiel Glam-Rock, Garage-Rock, Synth-Rock, Soft-Rock und Grunge.

Rock: heute

Seit Anfang der 2000er-Jahre begannen immer mehr Bands aus dem Bereich des Rock, auf Stilmittel aus vergangenen Dekaden zurückzugreifen. The Strokes lehnen sich an Garage-Rock aus den 1980ern an, ähnlich verhält es sich mit Bands wie Kings of Leon und The White Stripes. Auch elektronische Klänge und Synthesizer halten wieder häufig Einzug im Bereich des Rock, zum Beispiel bei den Neon Trees und den Killers.

Alternative Rock bzw. Indie Rock, der sich deutlich von Punkrock und College-Rock beeinflusst zeigt, ist mittlerweile ebenfalls kommerziell erfolgreich. Für diese Art der Musik stehen unter anderem Billy Talent, Panic! at the Disco und Fall Out Boy. Darüber hinaus ist in jüngster Vergangenheit das Subgenre des Psychedelic-Rock im zeitgemäßen Gewand wieder en vogue, vor allem dank Bands wie den Arctic Monkeys.

Rock: auf die Ohren, fertig, los

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Rupert ist ein Illustrator und Designer aus München. Er arbeitet seit seinem Designstudium als freischaffender Illustrator und Designer, national und international hauptsächlich in der Musikbranche und im Editorial Bereich. Mehr findet ihr unter: www.rupertgruber.com.

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Bildquelle: Rupert Gruber

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