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Genre Guide: Was ist eigentlich Gangsta-Rap?

Bling-bling, ching-ching, bang-bang.

Wenn der Beat in unseren Ohren dröhnt, sich Gänsehaut ankündigt und unsere Füße anfangen zu zappeln, dann möchten wir sie am liebsten auf ewig hören – diese Musik. Aber was hören wir da eigentlich? Unser Genre Guide hilft dir weiter. Alle zwei Wochen erklären wir dir einen anderen Musikstil. Dieses Mal gibt es Gangsta-Rap auf die Ohren.

Bling-bling, ching-ching, bang-bang. Goldkettchen, ganz viel Geld und noch mehr Knarren. Wenn der Gangsta-Rap eine Sache nicht kennt, dann ist es Bescheidenheit. Wenn das Chrom am Auto glänzt, der Whirpool klischeehaft voller hübscher Frauen ist und der Champagner in Strömen fließt, dann ist er zufrieden, der Gangsta-Rap. Aber: Ist dieses Gespann aus Opulenz und Dekadenz das einzige, was dieses Subgenre des Rap ausmacht?

Gangsta-Rap: die Definition

Da Gangsta-Rap formal im Grunde den gleichen Dingen unterliegt wie Rap und Hip-Hop, wollen wir hier vor allen Dingen auf den inhaltlichen Aspekt eingehen. Denn dahingehend unterscheidet sich das Genre von anderen Subgenres am stärksten. Gangsta-Rap ist dadurch gekennzeichnet, dass er sich mit Thematiken auseinandersetzt, die in Ghettos und Problembezirken US-amerikanischer Großstädte eine Rolle spielen. Das sind vor allen Dingen Kriminalität (Schießereien, Schlägereien, Vandalismus, Mord), Handel mit Drogen, übermäßiger Genuss von Alkohol, Sexualität (Sexsucht, Homophobie, Vergewaltigungen) und Missachtung von Gesetzen bzw. bewusste Provokation der Polizei (Fuck Tha Police). Der Gangsta-Rap ist daher eine muskalische Kunstform, die auf soziale Missstände hinweist.

Darüber hinaus sind Zurschaustellung und Narzissmus wichtige Themen im Gangsta-Rap. Dies bezieht sich zum einen auf materielle Dinge, wie zum Beispiel Autos, Häuser, Schmuck, Kleidung und Waffen. Zum anderen bezieht es sich auch auf die Zurschaustellung des eigenen Körpers bzw. des Körpers von Frauen, die der Gangsta-Rapper bzw. sein lyrisches Ich als „seine Frauen“ ansieht. Gangsta-Rap, vereinfacht ausgedrückt, „spread[s] the mythology of Black Manhood: living the ‚Thug Life‘, being ‚dirty rich‘, dominating other men and objectifying women“. Ein Gangsta-Rapper akzentuiert, dass er „es“ geschafft hat, schwelgt in seinem Reichtum und präsentiert diesen unverblümt. Braggadocio (Prahlerei) in seiner materiellsten Form.

Gangsta-Rap ist dadurch etwas Widersprüchliches, denn er benennt die Geschehnisse in US-amerikanischen Ghettos, glorifiziert sie aber auch zugleich, da der besungene Reichtum durch eben diese Handlungen (Drogenhandel, Diebstahl, Mord) erreicht wurde. Kritiker bezeichnen Gangsta-Rap daher als eine leicht spöttische Zurschaustellung moralisch verwerflicher Werte. Rapper selbst halten dem häufig entgegen, dass sie in ihren Songs schlichtweg den tatsächlichen Alltag in Problembezirken wiedergeben und dabei ein lyrisches Ich annehmen, dessen Gedanken sie nicht unbedingt gutheißen.

Verwandt und verschwägert

Der Sohn von: R’n’B

Bester Freund: Hip-Hop

Hassliebe: Rap

Der kleine Cousin von: Funk

Können sich nicht ausstehen: Folk

Verwechslungsgefahr mit: Hip-Hop

Gangsta-Rap: der Ursprung

Als (kommerzieller) Durchbruch des Gangsta-Rap wird das Album Straight Outta Compton von N.W.A angesehen, welches 1988 auf den Markt kam. Für viele gilt es heute als eines der wichtigsten und einflussreichsten Alben des Rap. Auf progressive Weise schildert die Rap-Kombo auf der Platte ihr Thug Life, welches aus Alkohol, Sex, Partys und Schießereien mit der Polizei besteht.

Dennoch liegen die tatsächlichen Wurzeln des Gangsta-Rap noch ein paar Jahre zurück. 1985 erschien der Song „P.S.K. What Does It Mean“ des Rappers Schooly D. Dieser Song gilt als „Blaupause für diejenigen Songs des Gangsta Rap, die heute als Meilensteine des Genres angesehen werden“. Das P.S.K. steht für Park Side Killers – der Name der Gang, mit welcher Schooly D damals in Philadelphia auf den Straßen unterwegs war. So heißt es in dem Song unter anderem: „Turned around, see the fly young lady, pull to the curb and park my Mercedes. Said ‚Fly lady, now you’re looking real nice. Sweeter than honey, sugar and spice.‘ Told her my name was MC Schooly D, all about making that cash money.“

Anfang der 1990er breitete sich Gangsta-Rap weiter aus, sowohl die Hip-Hop-Szene an der Westküste als auch die Szene an der Ostküste der USA nahmen seine Elemente verstärkt in sich auf. Zu den wichtigsten Interpreten, die teilweise auch heute noch zu einflussreichen Hip-Hop-Künstlern zählen, schwangen sich vor allem Ice-T, Snoop Dogg, Dr. Dre, Xzibit, Notorious B.I.G., 2Pac, Puff Daddy und Ludacris auf. Dies gelang vor allem dadurch, dass Gangsta-Rap zunehmend mit tanzbaren Beats und Samples vermischt wurde, was ihn näher in Richtung Pop und Dance rücken ließ. Typische Beispiele hierfür sind Mo Money Mo Problems von Notorious B.I.G. (1997) und Uzi (Pinky Ring) von Wu-Tang Clan (2001).

Gangsta-Rap: heute

Nachdem der Gangsta-Rap in den 2000ern dank Interpreten wie 50 Cent seinen kommerziellen Zenit erreichte, scheint sich das Bild aktuell zu wandeln. Der „klassische“ Gangsta-Rap existiert zwar noch. Doch gehen momentan nicht wenige Hip-Hop-Künstler dazu über, das stereotypische Bild des schwarzen Rappers aufzubrechen – so zum Beispiel Frank Ocean und Drake. Durch eine derart offene und sozial weitsichtige Perspektive scheint sich das Bild zu wandeln, und zwar vom hedonistischen und sexistischen Rapper zum „Gangster mit dem Tagebuch“.

Gangsta-Rap: auf die Ohren, fertig los

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Rupert ist ein Illustrator und Designer aus München. Er arbeitet seit seinem Designstudium als freischaffender Illustrator und Designer, national und international hauptsächlich in der Musikbranche und im Editorial Bereich. Mehr findet ihr unter: www.rupertgruber.com.

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Bildquelle: Rupert Gruber

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