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Kirsten Ludwig: „Verschwendete Zeit hat immer einen Sinn“

Ein Gespräch über Musik und den Sinn von verschwendeter Zeit.

Wenn Kirsten Ludwig an das Mikrofon tritt, klingt das so schön, dass man sich am Liebsten mit ihrer Stimme zudecken und ins Bett krabbeln möchte. Ihre Lieder – eine Mischung aus Folk und weichem Pop – zusammen mit ihrer sanften Stimme und akustischen Gitarrenklängen, vermitteln sofort Herbstgefühle. ‚Wasting Time‘ heißt die neue EP, mit der die kanadische Folk-Pop-Sängerin gerade durch Europa tourt. ZEITjUNG hat Kirsten Ludwig und ihren Gitarristen Layten Kramer vor dem Konzert in München getroffen.

ZEITjUNG: Deine neue EP heißt ‚wasting time‘, ist aber eigentlich eher ein Aufruf, sein Leben in die Hand zu nehmen. Kannst du uns ein wenig mehr über die neue EP erzählen?

Kirsten Ludwig: ‚Wasting time‘ ist für mich die perfekte Beschreibung meines damaligen Lebens, ich musste zu der Zeit, als ich die Lieder geschrieben habe, viel Zeit mit meiner Arbeit in der Kundenbetreuung nebenbei ‚verschwenden‘. Das Gefühl, nirgendwo hinzukommen mit dem, was ich tue und nicht zu wissen, wo ich überhaupt im Leben hinmöchte, war für mich zu dieser Zeit sehr prägend, deswegen ‚wasting time‘. Als kleine Erinnerung daran, dass man manchmal das Gefühl hat, seine Zeit zu vergeuden und erst im Nachhinein feststellt, wie wichtige diese Zeit für die persönliche Entwicklung war. Ich glaube fest daran, dass alles aus einem Grund passiert, den man oft erst später erkennt.

Wie lief denn deine musikalische Entwicklung ab?

2014 habe ich meine erste Platte veröffentlicht, 2016 meine erste EP. Danach habe ich mich viel mit der Weiterentwicklung meiner Musik beschäftigt, wollte mir darüber klar werden, was mir die Musik bedeutet und wie ich möchte, dass sie sich anhört. Vor einigen Jahren habe ich einen Plattenvertrag unterzeichnet und mein letztes Album und meine jetzige EP fühlen sich absolut richtig an, so, als wäre meine Musik jetzt da, wo sie sein soll.

Du schreibst deine eigenen Lieder. Wie läuft der Prozess von der Idee bis hin zum fertigen Lied ab?

Das ist immer unterschiedlich. Normalerweise ist der Auslöser eine intensive Emotion, sei es, dass ich meinen Job gerade hasse oder eine Person liebe. Manchmal inspirieren mich Gesprächsfetzen, die ich im Vorbeigehen aufschnappe. All diese Eindrücke verarbeite ich dann in meinen Liedern. Wenn ich Songs schreibe habe ich das Gefühl, mir über mein Leben klar zu sein, mich selbst wie aus einer Art Vogelperspektive zu betrachten. Meine Technik funktioniert nicht nach einem bestimmten Prinzip – ich mache alles gleichzeitig und trenne nicht zwischen Lyriks, Musik und Produktion. Eine Vorstellung davon, wie der Song letztendlich klingen wird, habe ich aber meistens nicht, wenn ich anfange. Es ist immer eine Überraschung, wenn das gemasterte Stück aus der Produktion kommt.

Hast du ein bevorzugtes Instrument, auf dem du deine Lieder schreibst?

Die meisten Songs fangen mit mir und meiner Gitarre an. Ich lebe in Kanada in einem kleinen Apartment, in dem ich nicht viel Lärm machen kann, deswegen ist es am Einfachsten, mich mit meiner Gitarre in eine Ecke zu verkrümeln. Manchmal, wenn ich an einem Ort bin, an dem es ein Klavier gibt, schreibe ich meine Songs auch gerne am Klavier.

Du bist gerade auf Europatour. Welche Städte haben dich besonders fasziniert? Oder auf welche freust du dich am meisten?

Es war alles toll. Wir kommen gerade aus Dresden, das hat uns wirklich gut gefallen. Irgendwas an der Stadt, an ihrer jugendlichen Energie, hat uns verzaubert. Kann auch am Wetter gelegen haben, es war sehr schön sonnig (lacht). Überall gibt es hier so viel geschichtliches zu entdecken. Ich freue mich auch wahnsinnig auf Salzburg. Jedes Ziel hat an und für sich seinen ganz eigenen Zauber. Ich freue mich auf jedes Konzert.

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Bildquelle Titelbild: Edmund Teh

Bilder im Beitrag: ZEITjUNG

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