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Hochzeit: Einmal mit allem und ohne Gott, bitte

Eine kirchliche Hochzeit kommt für die Wenigsten noch infrage – stattdessen heiraten wir in Kneipen, auf Bauernhöfen und im Wald. Über eine Tradition, die sich selbst überlebt hat.

Von Anke Waschneck

Früher hat sich doch niemand um unsere Beziehung geschert. Doch je älter man wird, desto genauer beobachten Eltern und Großeltern den Freund oder die Freundin. Könnte das der potenzielle Schwiegersohn oder die Schwiegertochter sein? Und wann ist es denn soweit, wann wird denn mal geheiratet?

Tja, und da stehen wir und müssen uns Gedanken über eine Hochzeit machen. Für einige ist das keine schwere Entscheidung. Manche haben mit der Kirche nichts am Hut, für sie kommt nur eine standesamtliche Hochzeit in Frage. Gläubige Menschen werden sich auf jeden Fall auch vor ihrer Kirchengemeinde das Jawort geben. Doch was machen Personen, die vielleicht an Gott glauben, aber nicht an die Kirche? Geschiedene Paare, für die eine kirchliche Hochzeit nur in Einzelfällen möglich ist? Homosexuelle Paare? Auch sie wünschen sich eine Hochzeit, wie die kirchliche – und dafür gibt es die freie Hochzeit.

 

Kirchlich heißt romantischer

 

Wenn wir an Hochzeit denken, kommt uns meistens nicht ein nüchtern gekleideter Standesbeamter in den Sinn, sondern ein rauschendes Fest mit einer Braut in Weiß, ein Pfarrer, Reden, Brautwalzer… So wird uns die Eheschließung durch Hollywoodfilme, durch alte Fotoalben, durch Brauch und Tradition vermittelt. Egal ob gläubig oder nicht, es ist etwas Besonderes, sich auf diese Weise zu seiner Liebe zu bekennen. Das meint auch der Theologe Gunter Mehler, der freie Trauungen vollzieht, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Es ist ein Unterschied, ob man sich zu Hause auf dem Sofa seiner Liebe versichert – oder man dieses Ja, dieses „Ich liebe dich“, vor hundert Leuten laut ausspricht.“ Für ihn steht nicht die Kirche und Gottes Segen im Vordergrund, sondern die Liebe – und diese braucht keinen kirchlichen Rahmen.

 

Frei statt kirchlich

 

Freie Hochzeiten ermöglichen vielen, denen eine Trauung in der Kirche verwehrt bleibt, ein Fest, das einer kirchlichen Trauung gleichkommt. Leute, die in Scheidung leben, dürfen eigentlich nicht mehr in der Kirche heiraten. Das christliche Verständnis akzeptiert keine zweite oder dritte Trauung. Homosexuellen Paaren wird eine Trauung, die gleichgestellt zu einer heterosexuellen Ehe ist, in der katholischen Kirche in Deutschland ebenfalls verwehrt. Für diese Paare ist die freie Hochzeit die perfekte Alternative. Aber auch Menschen, die mit der Kirche einfach nicht viel zu tun haben, wählen oft lieber eine freie Hochzeit. Pfarrer Stephan Seidelmann aus der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Freimann in München meint im ZEITjUNG-Interview: „Die Paare, die eine freie Hochzeit wünschen, leben immer schon in einer gewissen Distanz zur Kirche“. Einen anderen Fall betont der ehemalige Priester Jochen Jülicher in der Süddeutschen Zeitung: „Manche arbeiten zum Beispiel für die Kirche und können deshalb nicht austreten. Wenn man bei katholischen Altenheimen angestellt ist oder bei der Caritas, kann man bei einem Austritt seinen Job verlieren.“ Diese Leute hätten zum Teil keinen lebendigen Glauben, aber sie dürfen nicht aus der Kirche austreten.

Immer mehr freie Hochzeiten

Jülicher zufolge entscheiden sich immer mehr Menschen für eine freie Hochzeit. Das machen auch die Zahlen deutlich: Die deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte in ihrem Statement 2014/2015, dass die Trauungen in der katholischen Kirche sinken. So fanden 2014 in den deutschen Diözesen zwar insgesamt 44.158 Trauungen statt. Für den Zeitraum der letzten zehn Jahre bedeutet das jedoch einen Rückgang von insgesamt 11 Prozent: Die kirchliche Eheschließung hat viel an Selbstverständlichkeit verloren – der Trend geht klar zu freien Hochzeiten.

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