Studie: Wie viele Deutsche bereuen es, Kinder zu haben?

Pärchen

Dass ein Kind nicht unbedingt jedes mütterliche Leben bereichert, bewies uns die israelische Soziologin 2015 in ihrer Studie „Regretting Motherhood“. Sie befragte 23 Mütter, ob sie sich noch einmal für ein Kind entscheiden würden – alle verneinten.

In Deutschland hat dieses Ergebnis ein Tabuthema aufgegriffen: Einige wurden ermutigt, zuzugeben, dass sie das Leben als Mutter nicht noch ein zweites Mal wählen würden. Andere waren empört über so viel Egoismus.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Yougov liefert uns jetzt Klarheit, inweit die Ergebnisse von „Regretting Motherhood“ auch auf Deutschland zutreffen: 20 Prozent der deutschen Eltern stimmten der Aussage „Wenn ich mich heute noch einmal entscheiden könnte, würde ich keine Kinder mehr bekommen“ zu.

 

Die Studie beweist: Elternsein wird in Deutschland idealisiert!

 

Insgesamt wurden 1200 Eltern befragt – dabei ging es nicht nur um die Mütter, sondern glücklicherweise auch mal um die Väter – sind ja schließlich beide Eltern! Die Ergebnisse sind verblüffend, denn man mag es kaum glauben, aber 39 Prozent gaben an, dass ihr Kind kein Wunschkind war. Man kann das Leben trotz recht zuverlässiger Verhütungsmittel eben doch nicht so genau takten – manches passiert einfach, auch im Jahre 2016.

 

61 Prozent glauben, dass Kinder ihre berufliche Karriere behindert haben

 

Zusätzlich wurden die äußeren Umstände mit einbezogen, um das leidige Thema Familie und/oder Karriere weiter zu erforschen. Wenig unerwartet meinten 61 Prozent derer, die sich aufgrund der äußerlichen Einschränkungen nicht noch einmal für Kinder entscheiden würden, dass ihre Karriere ohne Kinder wesentlich besser verlaufen wäre – man beachte: Davon waren sogar 20 Prozent Väter. Kein Wunder – denn jeder, der schon einmal einen Einblick in den rauen deutschen Arbeitsalltag bekommen hat, weiß: Kinder und Karriere gehen in Deutschland wenig miteinander einher. Was sich auch deutlich in dieser Studie wiederspiegelt, denn 44 Prozent aller befragten Eltern denken hin und wieder, dass sie sich für ihre Familie aufgeopfert haben und 52 Prozent gaben sogar an, dass ihre persönliche Entfaltung sehr unter den neuen Umständen gelitten habe.

Bemerkenswert ist außerdem, dass auch der Kontostand einen großen Einfluss auf die elterliche Reue nimmt – Mütter oder Väter mit einem Einkommen unter 1500 Euro gaben häufiger an, das Elterndasein nicht noch einmal wählen zu würden. Die Betreuungssituationen der Kinder scheinen ebenfalls verbesserungsbedürftig zu sein, denn diese werden von zwei Dritteln der Befragten (64 Prozent) kritisiert.

 

Karriere oder Familie?

 

Aus der israelischen Studie ging eindeutig hervor, dass die Rolle der Mutter Frauen nicht zwangsläufig zu glücklicheren Menschen macht. Die deutsche Studie legt den Fokus stärker auf die äußerlichen Veränderungen, die mit dem Elternsein einhergehen. Ein nicht unerheblicher Grund, für viele, auf ein Kind zu verzichten – man werfe nur einen Blick auf den demografischen Wandel unserer Gesellschaft.

Dass 99 Prozent aller Eltern ihre Kinder trotz solcher Einstellungen unglaublich lieben, steht außer Frage. Die meisten kommen nur irgendwann an den Punkt, an dem sie sich für oder gegen ein Kind entscheiden müssen. Leider hat eine Entscheidung dafür oftmals einen Karriereeinbruch zur Konsequenz, weswegen die „Was wäre wenn“-Gedanken viele von uns quälen. Allerdings können gleiche Gedanken eben auch bei Kinderlosigkeit entstehen – eine kniffelige Entscheidung also, die da noch auf einige von zukommen wird.

 

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Bildquelle: Drew Hays unter CC0 Lizenz

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