„Ich fühle mich hilflos“: Stimmen unserer britischen Freunde zum Brexit

Brexit Erasmus EU

Kennengelernt haben wir uns in Frankreich, zusammengewachsen sind wir über Wein und dreihundert verschiedene Arten von Käse: Erasmus bringt Studenten aus ganz Europa zusammen, wo man dann an Flussufern oder in klebrigen Schabracken sitzt und bei einem Eimer Sangria (Barcelona), einer Maß Bier (München) oder einer Dose Heineken (Paris; man hat schließlich nicht jeden Abend Geld für Châteauneuf-du-Pape!)  fremde Universitätssysteme zerlegt und sich über den Akzent des Anderen lustig macht. Haufenweise Papiere, eines nutzloser als das andere, unzählige Gänge durch die Vorhölle der Bürokratie und am Ende ganz viel Alkohol und neue Freunde: Das ist Erasmus. Das ist Europa. Und das war verdammt schön.

 

Wie sieht man in Großbritannien in die Zukunft?

 

Doch auch der Traum Erasmus könnte mit dem Ergebnis des Referendums zerplatzen: Großbritannien hat für einen Ausstieg aus der EU gestimmt und driftet weg von Europa. Die Unis fürchten schwerwiegende Folgen für die Mobilität von Studierenden, Programme wie Erasmus sind schließlich in erster Linie dem Austausch von Wissen gewidmet (und dann erst dem Austausch von Körperflüssigkeiten). Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, spricht laut tagesspiegel von „einem schmerzhaften Einschnitt für die europäischen Hochschulen“. Denn unter den Gegnern des Brexit war vor allem unsere Generation: Menschen mit Weitblick und Reiselust, Menschen, die die Vielfalt in unserer Welt umarmen statt die Faust der Angst zu erheben. Was fühlen meine britischen Erasmus-Freunde nach dem Referendum?

  • Brexit Umfrage Erasmus Studenten Freunde

    Sam

    Als ich die Ergebnisse hörte, war ich verwirrt und fühlte mich verloren. Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, europäisch zu sein, und nachdem ich das letzte Jahr in Frankreich gelebt habe, fühle ich mich der EU noch mehr verbunden. Der Gedanke, dass Studenten in Zukunft vielleicht Visa beantragen müssen, um im Ausland zu studieren, macht mich fertig – und ich denke, das ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die Mehrheit der jungen Leute hat für einen Verbleib in der EU gestimmt, was den Bruch zwischen den Generationen deutlich macht. Ich sehe schon den Zerfall der UK – wenn man bedenkt, dass Nordirland und Schottland für einen Verbleib in der EU gestimmt haben – und die Proteste auf den überwältigend europafreundlichen Straßen Londons. Die EU scheint als Sündenbock für Probleme unserer Regierung missbraucht worden sein, wie Kürzungen im Gesundheitswesen oder ihr Umgang mit der Flüchtlingskrise und illegalen Immigranten. Die ganze Sache macht mich einfach nur traurig und ich fürchte, dass Jüngere nicht mehr die gleichen Chancen haben werden, wie ich sie als Teil der EU hatte.

    Oh, und Farage trägt beschissene Anzüge.

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