Schluss mit Romantik: Wir wollen Bockwurst statt Kaviar!

Küssendes Paar

Von Rebecca Naunheimer

Mit einem dramatischen Heiratsantrag wollte er seine Freundin im Kern erschüttern. Stattdessen erschütterte er das Hausdach ihrer Nachbarn und die Medien weltweit. Im holländischen Ijsselstein verunglückte ein liebestoller Romeo mit seinem gecharterten Kran im Nachbarhaus seiner Angebeteten. Was er laut dem Magazin Stern wollte war, seiner Freundin auf diesem Wege einen Heiratsantrag zu machen. Sechs Wohnungen mussten evakuiert werden. Und Schuld daran ist: diese verdammte Romantik. Mal wieder.

Das Beispiel aus dem Nachbarland ist kein Einzelfall. Auch in Dubai krachte es bei einem ekelhaft überzogenen Heiratsantrag, als seine Freundin dem Antragssteller mit der Schnulzen-Gitarre eines über den Schädel zog. Geschürt wird dieser Romeo-Schwachsinn sicherlich vom Internet. Websites wie Heiratsideen.com raten zu Späßen wie: „Du kannst mit der gesamten Feuerwehr samt heulender Sirenen vor dem Haus der Liebsten vorfahren, auf den Wagen sind Plakate mit der Aufschrift: ‚Name, Du hast mein Herz entbrannt, willst Du mich heiraten?‘ Oder: ‚Wenn deine Partnerin Lehrerin ist, ist es eine süße Idee den Heiratsantrag vor Unterrichtsbeginn mit Kreide auf die Tafel zu schreiben.'“ Und für Sportbegeisterte sei die Lautsprecherdurchsage DER Shit. Ey, bloß nicht, weil Doppelpunkt!

 

 

Weniger ist mehr

 

Angesichts dieser beunruhigenden Vorfälle und der Tatsache, dass sich unsere Facebook-Timelines nach und nach mit  den Hochzeitsfotos befreundeter Paare füllen, ist es höchste Zeit, Romantiker vor sich selbst zu schützen! Denn mehr ist manchmal eben doch weniger. Und weniger ist mehr. Das gilt auch, oder vielleicht sogar insbesondere, für die Liebe. Was am Ende sowieso am meisten zählt, ist doch, dass es echt ist. Ein Bekannter beispielsweise wollte seiner Freundin im Krankenhaus eine rote Rose schenken. Was er ihr stattdessen mitbrachte: eine einzelne rote Tulpe. Eine Blume, die eigentlich nur im Strauß daherkommt. Aber das war okay, weil er echt nicht wusste, wie eine verdammte Rose aussieht.

In einer Zeit, in der das Beste gerade gut genug ist – der beste Job, die coolste Klamotte und der kreativste Heiratsantrag – steckt die große Geste eben manchmal im Kleinen. In der Bockwurst statt dem Kaviar. Der Zimmerpflanze statt der Rose. Der Pommesbude statt dem makrobiotischen Szene-Restaurant. Und dem Humor statt der Romantik. Letztlich sagte auch die Freundin des holländischen Kran-Romeos „Ja“. Vielleicht gerade wegen des katastrophalen Antrags.

 

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Bildquelle: Sascha Kohlmann unter CC BY-SA 2.0