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Studie: Wir sind süchtig nach digitaler Aufmerksamkeit

Du haust den geilsten Post aller Zeiten raus und dann: keine Reaktion. Und du bist frustriert. Jetzt beweist eine Studie: Wir sind abhängig von unseren Social-Media-Notifications.

Sie blinken, sie leuchten und sie fliegen in deinen Desktop: Die Benachrichtigungen, auf englisch: Notifications. Sie kommen in Form von kleinen Briefumschlägen, orangefarbenen Fähnchen und „Push Messages“. Digitale Aufmerksamkeit ist das Ziel unser Präsenz in den Social Media. Und wir finden’s geil! Soviel steht fest. Und ist dann ein Post auf Facebook, Instagram oder Twitter doch mal nicht ganz so viral im Freundeskreis, ist das schlecht für’s Ego. Oder? Tief im Inneren kratzt das nämlich gewaltig an unseren Selbstwertgefühl. Jeder halbwegs im Internet aktive Mensch kennt das. Schwarz auf weiß bewiesen hat das jetzt auch der Ford Konsumenten Report 2014.

Stolze 62 Prozent der befragten Erwachsenen geben darin an, sich nach positiven Online-Reaktionen besser zu fühlen. Äh, 62 Prozent? Das ist schon verdammt viel! Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele von uns niemals zugeben würden, wie unzufrieden sie mit ihren zweistelligen Instagram-Followern wirklich sind. Ist das dann also die sogenannte Generation Y? Oder hat das etwas damit zu tun, dass wir, egal was wir tun, immer nur erfolgreich sein wollen?

 

Lieber ein Shitstorm als gar keine Aufmerksamkeit

 

Eigentlich ganz klar, oder? Was wir wollen, ist Aufmerksamkeit und Anerkennung. Während frühere Generationen nach diesen zwei Werten hauptsächlich im Freundeskreis, im Beruf oder beim Partner gesucht haben, haben wir heute die Möglichkeit, ein weiteres Medium zu nutzen: Das schöne neue Internet. Ist ja auch blöd: Du denkst, dein nächster Post wird der richtig geile Oberhammer, und dann … keinen interessiert’s. Und gleichzeitig sieht es jeder. Nicht wie früher in der Kneipe, wenn mal wieder niemand deinen Wahnsinns-Witz zur Kenntnis genommen hat und du dann stattdessen einfach in dein Bier schauen konntest. Oh nein, das Internet vergisst nichts!

Es geht sogar so weit, dass man munkelt, online seien sogar negative Reaktionen besser, als vollkommen ignoriert zu werden. Leuchtet auch irgendwie ein: So ein kleiner Shitstorm hat noch niemandem geschadet. Der Oberhammer kommt aber eigentlich noch: Während neue Benachrichtigungen die Ausschüttung von Dopamin verursachen, löst das Ignorieren von möglichst vielen Benachrichtigungen ein Machtgefühl aus. Also genau das Hormon, das dafür sorgt, dass wir uns so geil fühlen, wird noch gesteigert durch einen unsichtbaren Machthebel, den wir umlegen können. So leicht geht das also 2015.

Aber was soll’s, Menschen wollen gehört werden. Manche mehr, manche weniger. Vielleicht ist es aber auch nur ein neuer Grund, das verdammte Stalken der neuen Flamme deines Ex endlich sein zu lassen. Man kennt das ja, das 20. Bild „gefällt“ uns dann doch aus Versehen. Und schon ist’s geschehen: Ein unverdienter Dopamin-Schub für diese blöde Kuh. Also, „get off the internet“ und rein ins echte Leben – lieber in ein halbvolles Bier schauen als in ein leeres Benachrichtigungsfenster.

 

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Bildquelle: Matthew Wilkinson über CC BY -ND 2.0

Kommentare

  1. Wenn ich jetzt mal die potentielle Zahl derer nehme, die einen Post auf Twitter & Co. lesen können/könnten und diese ins Verhältnis zu dem früheren „Stammtisch bzw. LIVE-Freundeskreis“ setze – wo ist dann der Unterschied, wenn früher 5 Leute meinten „Schön gesprochen.“ zu den heute 50 Leuten? Schlußendlich ist die Zahl zwar höher, aber das Verhältnis wird dabei vielleicht nicht ausreichend betrachtet.

    Ach und klar, Anerkennung – die wollen wir alle, egal in welcher Form. Wir lechzen danach, weil sie uns vermeintlich glücklicher macht. Aber sind es wirklich die 50 Likes unter einem Post, die Glück ausmachen?

    Felix in the Sky / Antworten

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