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Dem Mixen sein EM-Rückblick in Illustrationen: „Bier gab’s auch, ja“

Der „Mixen“ erzählt im Interview von seinen EM-Highlights und zeigt all seine Illustrationen.

Wir haben Angstgegner besiegt, das HU! gelernt und Ronaldo Freudentränen weinen sehen: Mit dem überraschenden Triumph der Portugiesen ging gestern Abend eine der absurdesten Europameisterschaften aller Zeiten zu Ende – eine EM, die von Beginn an von einer seltsam unenthusiastischen Stimmung, qualitativ eher mauem Fußball und überraschenden Außenseitermannschaften geprägt war.

Dabei begann es für die deutsche Nationalmannschaft doch eigentlich recht vielversprechend: Souverän meisterten die deutschen Jungs die Gruppenphase, hatten auch in den K.O.-Spielen keine größeren Probleme und besiegten im Viertelfinale sogar ihren Erzfeind Italien. Nichts stand ihm mehr im Weg, dem triumphalen Siegeszug einer scheinbar konkurrenzlosen, deutschen Mannschaft – doch am Ende scheiterte es leider an deutschen Händen, die da eben einfach nicht hingehören (Boateng, Schweini, Jogi Löw).

Am Ende war es ausgerechnet Cristiano Ronaldo, der den Pokal stolz in die Höhe recken durfte – noch nie zuvor hatte man den portugiesischen Kapitän so außer sich gesehen (und das will was heißen). Doch es war offensichtlich, dass CR7 einfach nicht mehr wusste wohin, mit all seiner unbändigen Freude. Tatsächlich hatte der Abend für ihn mit einer Dramatik begonnen, die ihm wohl auch sein größter Todfeind nicht wünschen würde: Wegen einer Knieverletzung musste der Real-Star schon nach 20 Minuten vom Platz. Dass die Portugiesen den Pokal auch ohne ihren Schlüsselspieler nach Hause holten, mag zunächst überraschen – erscheint bei einer Gesamtbetrachtung dieses EM-Verlaufs aber nicht weiter verwunderlich. Denn es war eben das Turnier der Ergebnisse, die niemand erwartet hatte: Besiegte Angstgegner, überraschend starke Außenseiter.

Wenn wir an die EM 2016 denken, werden uns kaum fußballerische Meisterleistungen in Erinnerung bleiben. Vielmehr sind da Nordiren, die ihren Will Grigg wie einen Weltmeister feiern, obwohl er kein einziges Mal auf dem Feld steht; oder Isländer, die allen Zuschauern im Stadion mit ihrem „HU!“ auf einen Schlag Gänsehaut bereiten – das sind die Momente, die sich wohl für immer in unser Gedächtnis eingebrannt haben.

 

Dem Mixen seine persönlichen EM-Highlights

 

Auch dem Münchner Künstler Michael „Mixen“ Wiethaus sind die „kleinen“ Mannschaften dieses Jahr besonders ans Herz gewachsen. Das Skate-Urgestein ist Multi-Talent. Er doziert an der Ifog Akademie und schmeißt unter anderem noch den Skateshop SHRN schmeißt. Und während der vergangenen vier Wochen illustrierte er seine liebsten EM-Momente. Das bekannte Fußballmagazin „Pickles“ featured ihn bereits und auch wir sind ein bisschen angetan von Mixens authentischen Zeichnungen. Im Interview erzählt uns der eingefleischte Fußballfan (der es als Vollblutlöwe durchaus gewohnt ist, mit Leid umzugehen) von seinen persönlichen Highlights dieser EM, wie lange er für seine Illustrationen braucht und was ihm an seinen Motiven besonders wichtig ist:

Wie dürfen wir uns dich während der EM vorstellen? Allein im stillen Kämmerlein mit Block und Bleistift und einem Bierchen auf dem Schreibtisch?

Die meisten Spiele hab‘ ich tatsächlich zuhause verfolgt. Vereinzelt war ich aber auch in Bars unterwegs, oder einfach mal einen kompletten EM-Tag im Stadion an der Schleißheimer Straße (Münchens bekannteste Fußballkneipe, d. Red.). Bier gab’s auch, ja, aber nicht am Schreibtisch. Die wenigsten Illus sind direkt beim Spiel entstanden, das habe ich anfangs probiert, aber fand ich dann zu stressig. Ich will die Spiele ja auch sehen und Spaß haben.

Wie entsteht dann im Detail eine Illustration von der Idee bis zur Fertigstellung?

Ich suche mir eine prägnante Situation aus dem Umfeld des Spiels oder direkt aus dem Spiel, und suche dann auf verschiedenen Kanälen ein passendes Bild dazu. Dann zeichne ich das Bild mit einem Stift auf Papier ab, scanne es ein, bearbeite es ein bisschen am Rechner, Screenshot gemacht – und fertig.

Wieviel Zeit brauchst du für eine deiner EM-Illustrationen?

Weil ich schon eine ganze Weile so illustriere und schon ziemlich geübt bin, brauche ich mittlerweile nur noch circa zehn Minuten pro Illustration.

Was ist dir bei deinen Motiven besonders wichtig?

Die Situation muss einfach passen. Das sind dann Momente, die mir nach dem Spiel im Kopf geblieben sind, oder dann durch die Medien publik geworden sind. Wie bei Herrn Löw zum Beispiel.

Gab es Spiele, bei denen du wegen seiner vielen großen Momente ein Buch voll Illustrationen füllen hättest können?

Im Prinzip könnte man das bei jedem Spiel machen, finde ich. Egal ob über die Vorberichterstattung, eine überraschende Aufstellung, Fans, ausrastende Trainer, einen Fallrückzieher oder ein böses Foul – bei jedem Spiel sind viele Illustrationen möglich, denn eigentlich passiert immer irgendwas.

Hast du eine Lieblingsillustration?

Puh… Schwere Frage! Der Balljunge und der Manuel Neuer an der Mittellinie. Es sind mittlerweile so viele… (lacht)

 

Was waren aus Fansicht die Highlights der Europameisterschaft?

Für mich waren die kleinen Mannschaften, die sonst nie bei der EM dabei sind, das Highlight. Das sind zum Teil alles gestandene Profis in den größten Ligen der Welt, aber wie die bei jedem Tor ausgerastet sind, und wie die Fans sich und das Team gefeiert haben, war schon ganz groß. Und natürlich der portugiesische Junge, der den weinenden französischen Fan tröstet. Das ist tatsächlich für mich die Szene des Turniers.

Was hältst du als Fußballfan eigentlich grundsätzlich vom Hype um die Nationalmannschaft? Public Viewing, Flaggen auf Backen, Deutschland-Hawaiiketten und so?

Da habe ich eigentlich gar nichts dagegen, außer man verwendet das für irgendeine rassistische Scheiße. Ich persönlich ziehe ein Trikot an und gut is‘.

Im Fußballalltag bist du ein leiderprobter Fan der Münchner Löwen. Wäre es für dich vorstellbar die Illustrationen auch über die Vereinssaison fortzuführen?

Habe ich mir auch schon überlegt, ja. Ich spiele mit dem Gedanken das auf meinen Fußball-Alltag zu übertragen. Das wären dann mein Verein, die Bundesliga, Europa-Cup und die Premier League. Ich könnte mir aber auch so ‘ne Art Panini-Album mit Portraits vorstellen. Mal sehen, wo das noch hinführt.

 

Hier die epischsten EM-Momente vom Mixen – von Anfang bis Ende:

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