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Julia Bernhard: „Die schrägsten Dialoge schreibt das Leben“

Julia Bernhard zeichnet Comics über große und kleine Missverständnisse und den alltäglichen Wahnsinn.

Jeder, der manchmal Tage hat, an denen das Aufstehen keinen Sinn ergibt, die Gespräche noch viel weniger und an denen sowieso alles irgendwie schief läuft, wird sich in den Werken der Comic-Künstlerin und Illustratorin Julia Bernhard wiederfinden. In lachsrosa Farbe getunkt, zeichnet sie Situationen aus dem Alltag nach. All diese Missverständnisse und Verstimmungen hält die Künstlerin in lustigen, schockierenden und zum Teil tieftraurigen Comics fest. Vor allem geht sie auf die Ungerechtigkeiten ein, mit denen Frauen Tag für Tag konfrontiert sind. Mit ZEITjUNG hat sie über ihre Kunst und die Rolle der sozialen Medien gesprochen.

ZEITjUNG: Was fasziniert dich so an missglückten Gesprächen und Missverständnissen?

Julia Bernhard: Am Faszinierendsten finde ich, dass man Gespräche immer durch einen Filter der eigenen Erfahrungen und Befindlichkeiten hindurch interpretiert und dadurch nie die reine und unverfälschte Nachricht bei dem Empfänger / der Empfängerin ankommt. Als missverstandene Partei in einem solchen Gespräch bildet man sich im Nachhinein oft ein, das Missverständnis sei leicht zu vermeiden gewesen, aber der Störfaktor der eigenen und der fremden Subjektivität lässt sich nie ausklammern. Was da alles schief gehen kann, finde ich einfach herrlich. Das bietet unerschöpfliches Potenzial für Geschichten.

Fühlst du dich – bezogen auf deine Werke – häufig missverstanden?

Nein. Gar nicht. Ich bin keine Vertreterin des Unverstandene-Künstlerinnen-Syndroms. In der Regel arbeite ich mich an universellen Alltagsthemen ab, die viele Menschen und besonders Frauen in der Art schon mal erlebt haben. Da kommt es selten zu Missverständnissen. Natürlich kann es vorkommen, dass sich hier und da mal jemand an einer konkreten Formulierung stört oder einfach nicht meine Meinung teilt, aber das ist Teil des Berufsrisikos. Damit muss ich sportlich umgehen können.

In deinen Illustrationen geht es vor allem um den gesellschaftlichen Druck, der auf jungen Frauen lastet. Möchtest du mit deiner Kunst eine politische Botschaft senden?

Auf Plattformen wie Instagram, die mehrheitlich dazu genutzt werden, ein hyperidealisiertes und dadurch vollkommen unrealistisches  Frauenbild als einzig akzeptable Form des Frauseins zu propagieren, gibt es nur zwei Optionen. Mitmachen und dadurch ein Frauenbild befeuern, das darauf abzielt uns unzufrieden und unglücklich und dadurch optimierungswillig und konsumbereit zu machen oder sich dessen zumindest in Ansätzen zu verweigern und für mehr Realismus einzutreten.

Wenn das als politisches Statement aufgefasst wird, kann ich damit gut umgehen.

Wie möchtest du dieses Statement in deiner Kunst rüberbringen?

Im Grunde genommen möchte ich in meinen Comics Frauen zeigen, wie ich sie auf der Straße und in meinem sozialen Umfeld wahrnehme. Das sind in der Regel keine jungen, schlanken, weißen, statuesken Kindfrauen mit perfekt symmetrischen Gesichtern. Nicht solche, die liebevolle Ehefrauen und Mütter sind, arbeiten gehen, erfolgreich sind, aber von allem nicht zu viel. Nicht solche, die dabei aber trotzdem jederzeit sexuell verfügbar sind und deren Frisur immer sitzt. Die Realität sieht anders aus, und dass das in Ordnung ist, kann man schneller akzeptieren, wenn man sich in den Medien in seiner ganz alltäglichen Unvollkommenheit und Menschlichkeit repräsentiert sieht. Ich will zeigen, dass das Leben komplex ist, ratlos sein in Ordnung ist, die Frisur sowieso nie sitzt, Doppelkinn Realität ist und wir immer, wenn wir am wenigsten damit rechnen, Petersilie zwischen den Zähnen haben.

Was inspiriert dich zu deinen Illustrationen? Woher kommen die Ideen zu dem Gespräch/der Situation, die du darstellen möchtest?

Die schrägsten Dialoge schreibt das Leben. Ich bin ein großer Fan von öffentlichen Verkehrsmitteln. Viele der Gespräche in meinen Comics habe ich in freier Wildbahn erlauscht. Manche Ideen liefern mir auch Freunde, wenn sie mir von ihren Unterhaltungen erzählen und manchmal passiert es mir auch, dass mir nachts ein guter Konter einfällt, den ich irgendwann vor drei Jahren mal gebraucht hätte, der mir aber zu dem Zeitpunkt natürlich nicht eingefallen ist. Das wird dann in Comicform nachgeholt. Zeichnen hilft mir, versöhnlicher durchs Leben zu gehen, weil ich mir während jeder merkwürdigen Unterhaltung denken kann, dass sich im Bestfall vielleicht ein Comic daraus machen lässt.

Du bist sehr erfolgreich auf Instagram. Wie bewertest du die Rolle der Plattform, die einerseits Künstlern wie dir eine Bühne bietet, andererseits aber genau die Schönheitsideale pusht, gegen die du anzeichnest?

Wie fast jede Social Media Plattform hat Instagram sehr erfreuliche Seiten, aber auch ziemlich gruselige Abgründe, in denen im Kern wieder reaktionäre Rollenbilder aus den 50ern reproduziert werden (von Männern und Frauen). Wie man sich im echten Leben optimalerweise mit Leuten umgibt, die einem gut tun, kann man auch auf Instagram Accounts folgen, die einen nicht unglücklich machen und einem suggerieren, nicht gut genug zu sein. In freier Wildbahn kann man leider nicht beeinflussen, welche Art von Frau einem auf Außenwerbung entgegen grinst, aber in den Sozialen Medien kann man sich ganz bewusst zum Beispiel für Lizzo oder Celeste Barber entscheiden. Ein Gegenangebot zur fiktiven Perfektion ist vorhanden. Man muss es nur selbstbewusst in Anspruch nehmen.

Gewinnspiel:

Wir verlosen dreimal ein von Julia Bernhard signiertes Buch „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“. Wie du das preisgekrönte Comicbuch gewinnen kannst, erfährst du unter diesem Instagrampost. Ausgelost wird am 01. Oktober 2019 um 12 Uhr. Viel Glück – mitmachen lohnt sich!

Die detaillierten Teilnahmebedingungen findest du hier.

 

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Gewinnspiel | Julia Bernhard zeichnet Comics über große und kleine Missverständnisse und den alltäglichen Wahnsinn. Auf die Frage woher sie die Inspiration für ihre preisgekröntes Comicbuch nimmt, antwortete sie im Interview: „Die schrägsten Dialoge schreibt das Leben“ – deshalb wollen wir von dir wissen, welche schräge Situation du schon erlebt hast und mit wem du noch heute darüber lachen kannst. Also: Person markieren und sie mit einem Stichwort daran erinnern. Zu gewinnen gibt es dreimal ein signiertes Buch „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“. Ausgelost wird am 01. Oktober – viel Glück! Comics: @juliabernhardcomics #ZEITjUNG #Gewinnspiel #Comics #mitmachen #Buch #quatsch #schräg #blablabla #Comicbuch #Preis #goldwert #vielglück #Situation

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Bildquelle: Julia Bernhard

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