Stille Nacht, kalte Nacht: Wie Kältebusse helfen

Im Winter ohne festen Wohnsitz zu sein, ist besonders bitter(kalt). Bild: Pexels

Es ist November und damit kann es niemand mehr leugnen: Der Winter ist da. Selbst ich, die normalerweise am liebsten barfuß durch die Wohnung läuft, trage mittlerweile dicke Socken und überbrücke den Tag mit zu viel Ingwertee. Wärmt von innen.

So ganz allgemein ist der Winter ja sowieso keine besonders schöne Jahreszeit. Draußen wird es zu früh dunkel und zu spät hell. Die Hälfte meiner Freunde essen Vitamin-D wie Smarties oder gehen plötzlich auf die Sonnenbank. Mein Kleiderschrank minimiert sich aufgrund meines Lagenlooks häufig mit doppelter Geschwindigkeit und ich habe plötzlich Lust auf sowas wie heiße Eintöpfe. Morgens muss man früher raus, weil das Auto zugefroren ist und die Zahl auf meinem Schrittzähler schreit mich an, ich solle mich doch mal wieder mehr bewegen. Nix da. Ist verdammt kalt draußen. Ich bleib drin und geh höchstens mal zum Kühlschrank.

Ihr merkt schon, ich gehöre zu einer Bevölkerungsgruppe, die privilegiert genug ist, die Heizung im Winter auf 5 zu drehen und den Wasserkocher auch zum 20. Mal für meinen – ach so hübsch verpackten – Früchtetee anzuschmeißen. Doch einige unserer Mitbürger*innen haben diese Chance nicht. Und um die soll es heute gehen.

Allein im Winter 2020 sind mindestens 23 Menschen in Deutschland auf der Straße erfroren. Die Dunkelziffer wird signifikant höher geschätzt. Wie viele Menschen an den Folgen von Unterkühlung schwer erkranken und an Erfrierungen an Fingern, Zehen oder Ohren leiden, wurde nicht genau erfasst.

Klar ist nur, die Lage ist dramatisch.

In den meisten Städten gibt es zwar Notunterkünfte, die während der kalten Monate aufgesucht werden können, doch so leicht ist es für viele dann auch wieder nicht. Häufig sind die Menschen sowohl psychisch als auch körperlich zu schwach. Und auch auf der organisatorischen Ebene gibt es einige Hürden. Zum einen sind viele dieser Zufluchtsorte nicht barrierefrei oder erlauben keine Haustiere, welche aber oft einen hohen emotionalen Wert für die Obdachlosen haben. Zum anderen müssen sich die Menschen in den meisten Unterkünften registrieren, was bereits einige Geflüchtete oder Nicht-EU-Bürger*innen abschreckt. Darüber hinaus sind viele Notunterkünfte oft nicht zentral gelegen, sodass allein der Weg dorthin zur Tortur werden kann. Was also tun, wenn man obdachlos ist, friert und nirgendwo hinkann?

An dieser Stelle setzen seit einigen Jahren die Kältebusse an, welche ab dem 1. November in Deutschlands Großstädten unterwegs sind.  

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.