Fütterer is(s)t anders: Warum wir Katzen streicheln und Schweine essen

Hund und Katze

In dieser Kolumne geht es um die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elinas Urlaubsvertretung Rahel nimmt euch mit auf eine kulinarische Reise durch die Welt der Kuhmilchalternativen.

„Lama, Lama, Lama“, schreit Ella und rennt mit ihren kurzen Beinen voraus in Richtung Alpakagehege. Es ist Freitag. Ella hat eine Rotznase und darf nicht in die Kita. Hygienevorschriften. Mama und Papa müssen aber trotzdem arbeiten und so habe ich die Kleine heute Vormittag übernommen.

Drinnen ist es furchtbar langweilig. Deshalb haben wir uns dicke Jacken angezogen und sind in den Tierpark gefahren. Es ist relativ voll für einen Wochentag. Überall junge Mütter oder Väter mit ihren Kindern. Zipfelmützen und Thermoskannen soweit das Auge reicht. Es ist eben doch schon Herbst. Ella steht mittlerweile staunend vor den Alpakas und greift mit ihren kleinen Händen durch den Zaun. „Nein, Süße, die können wir nicht streicheln.“ Die Kleine zieht eine Schnute und ich greife in die Tasche, um ihr etwas Tierfutter in die Handfläche zu legen. Begeistert schnappt sie die braunen Flocken und hält sie durch den Zaun. Geduldig warten wir darauf, dass eins der weißen Tiere die Futterquelle entdeckt und keine zwei Minuten später leckt ein neugieriges Alpaka über Ellas Hand. Sie quietscht und strahlt übers ganze Gesicht.

In der Zwischenzeit hat sich ein Vater mit Kinderwagen zu uns gesellt. Mit der einen Hand deutet er ins Gehege, mit der anderen schiebt er seinen Sohn, der genüsslich an einer Salami kaut. Neben dem Wagen trottet ein Labrador, der sich mehr für die Wurst als für die Tiere im Gehege interessiert. Auch mir steigt der Geruch nach Räuchersalami und Plastikverpackung in die Nase.

Mir wird schlecht.

Irgendwie ist die Situation absurd.

Wir stehen hier in einem Tierpark. Füttern und beobachten Ponys, Esel und Kaninchen. Zwischen den vielen Kindern laufen einige Hunde hin und her und vorne am Eingang werden Bratwürste und Bratkartoffeln mit Speck verkauft. Die einen Tiere werden beobachtet, die anderen geliebt und die dritten gegessen. Wie kann das sein? Und wie entscheiden wir, welche Tiere wir essen und welche wir kuscheln? Könnte es nicht auch anders sein? Was wäre, wenn unsere Vorfahren auf die Idee gekommen wären, dass Hunde doch eigentlich ganz gut schmecken und Ferkel viel zu niedlich sind, um sie zu essen?

Ich bin irritiert und beobachte Ella, die mit dem gesamten Oberkörper am Zaun klebt und die Nase des Alpakas krault. Möglicherweise liege ich falsch, aber ich bezweifle, dass sie sich bei den Hängebauchschweinen oder Schafen anders verhalten würde. Dennoch stellt sie keinerlei Verknüpfung zwischen diesen Tieren und der Bratwurst auf ihrem Teller her. Als hätten beide nichts miteinander zu tun.  

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.