Liebeserklärung an: Joni Mitchell

Joni Mitchell gibt ein Konzert (1974). Bild: Paul C. Babin

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Liebe Joni Mitchell,

manchmal wird wahrer Reichtum durch Sparsamkeit verkörpert. Darin warst du, darin bist du, eine der ganz Großen. Es bedarf nicht viel, damit sich deine musikalische Genialität entfaltet. Einmal auf „Play“ gedrückt, und da sind sie schon: deine Stimme, deine Gitarre. Das reicht.

Jenes deiner Alben, welches als dein Meisterwerk gilt, wird dieses Jahr 50 Jahre alt. „Blue“, welches für das Rolling Stone Magazine als das drittbeste Album aller Zeiten gilt. Ja, richtig gelesen, das Drittbeste von den besten Alben aller Zeiten. Nicht von den besten Alben eines bestimmten Genres oder eines bestimmten Jahrzehnts – nein, die besten Alben von allen, die die Popmusik kennt. Was es umso bedauernswerter macht, dass deine Musik in Europa nie die kommerzielle Anerkennung gefunden hat, die sie verdient. Auch in Nordamerika war sie nie ein ultimativer Bestseller. Klar, auch kein Flop, schließlich besitzt ein Album wie „Court and Spark“ in den USA zweifachen Platin-Status.

Nicht schlingen, sondern genießen

Aber vielleicht macht es deine Musik auch umso liebenswerter und faszinierender, dass sie sich nicht so verkauft wie jene von Michael Jackson, Billy Joel & Co. Wer deine Musik genießen will, der muss sich auch auf sie einlassen. Sie ist kein akustischer Snack, den man mal eben auf dem Weg zur Arbeit herunterschlingt. Sondern ein behutsam vorbereitetes Mahl, das Aufmerksamkeit verlangt und verdient.

Wenn man Liebeskummer hat und sich von dir „Both Sides Now“ anhört, dann fühlt man sich einfach verstanden: “I’ve looked at love from both sides now/From give and take and still somehow/It’s love’s illusions that I recall/I really don’t know love, really don’t know love at all.” Mit deinen Songs versetzt du mir einen zuckersüßen Stich ins Herz, umarmst mich, und gehst dann wieder weg. Erzeugst eine Intimität, wie sie vielleicht einzig Musik erzeugen kann, die aus tiefster Seele kommt.

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.