Fütterer is(s)t anders: Seit wann benutzen Kaninchen Haarspray?

Frauen machen Bilder mit dem Smartphone. Bild: Pexels

In dieser Kolumne geht es um die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elinas Urlaubsvertretung Rahel nimmt euch mit auf eine lehrreiche Reise durch die Welt der veganen Kosmetik.

„Meine Güte, Süße! Wie sehen denn deine Haare aus? Was hast du damit gemacht? Den Boden gefegt?“ Ich sitze vor einem überdimensionalen Spiegel im Sessel des Friseurs meines Vertrauens, während er mit seinen Fingern durch das Stroh auf meinem Kopf streicht. Beschämt schaue ich auf meine Hände. „Was benutzt du denn für ein Shampoo?“ „Ähm, das vom ALDI“, gebe ich kleinlaut zu. Er schlägt die Hände überm Kopf zusammen. „Das tust du nie wieder! Hier, ich schreib dir was auf.“ Mit einer theatralischen Geste zieht er Zettel und Stift aus der Hosentasche und kritzelt einen Markennamen und den Preis auf das Papier. 1,5 Stunden später verlasse ich den Salon mit Haaren wie aus der Wella-Werbung und dem festen Vorsatz ab sofort eine dieser organisierten Frauen zu werden, die auf Seidenkissen schlafen und ihre Haare mit Milch und Honig verwöhnen.

Zuhause angekommen setze ich mich an den PC und suche auf einschlägigen Seiten nach den empfohlenen Produkten. Keine fünf Minuten später finde ich, wonach in gesucht habe und sacke sofort in mir zusammen. Denn neben dem Preis sind auch die Rezensionen niederschmetternd. Für 300ml Shampoo soll ich 45 Euro bezahlen, dazu nochmal eine Haarmaske und Conditioner zum selben Preis. Im Hintergrund höre ich mein Discounterprodukt in der Dusche leise kichern. Davon abgesehen türmen sich die Vorwürfe in den Kommentarspalten. „Meine Haare sind so glatt und weich wie noch nie, aber müsst ihr echt noch an Tieren testen?!“

Ich bin hin- und hergerissen zwischen Hollywood-Mähne und Tierwohl. Ich kann doch schlecht auf Fleisch und Milch verzichten, aber Produkte nutzen, für die ein Tier gequält wurde. Ich bin neugierig und mache mich auf die Suche. Gibt es Unterschiede zwischen veganen und tierversuchsfreien Produkten? Was heißt das dann eigentlich? Und sind die dann genau so gut wie herkömmliche Kosmetika?

Die gute Nachricht vorweg

Viele Unternehmen achten im Jahr 2021 bereits sehr auf die Herstellung, Testung und Zusammensetzung ihrer Produkte. Doch es gibt leider auch immer noch viele, für die Tierwohl ein Fremdwort ist. Hierzu zählen beispielsweise Größen wie Unilever und Nestlé mit ihren verschiedenen Untermarken.

Das Perfide:

Seit 2013 sind Tierversuche in Deutschland offiziell verboten. Dennoch finden viele Unternehmen bis heute noch Möglichkeiten, diese Versuche weiterhin durchzuführen. Das liegt vor allem daran, dass die Testung an Tieren für bestimmte Inhaltsstoffe weiterhin einschränkungsfrei erlaubt ist. Auch können Unternehmen ihre Tierversuche einfach ins nicht-europäische Ausland verlagern und in China sind Tierversuche beispielsweise weiterhin ein entscheidendes Kriterium für die Zulassung eines Produktes. Für Medikamente macht dieses Vorgehen sicher auch Sinn, aber für Kosmetika?

Was kann an Kosmetik denn nicht vegan sein?

Wie gerade schon erklärt, können Produkte an Tieren getestet worden sein. Viele Hersteller schreiben es mittlerweile jedoch auf die Rückseite der Verpackungen, falls dies nicht der Fall sein sollte (USP und so). Das heißt dann aber nicht gleich, dass die Produkte auch vegan sind. Denn in dieser Kosmetik können immer noch tierische Inhaltsstoffe wie beispielsweise Honig, Gelatine, Bienenwachs oder Karmin enthalten sein.

Das Problem besteht derzeit noch häufig darin, dass nicht gleich erkennbar ist, ob ein Produkt vegan ist oder nicht. Denn nur, weil sich kein Vegan-Zeichen auf eurem Lieblingslippenstift befindet, heißt das nicht gleich, dass dieser an Tieren getestet wurde.

Es gibt ein paar Punkte, auf die man achten kann, wenn man mit seiner Kosmetik kein Tierleid unterstützen möchte:

  • Zusatzstoffe wie Aloe Vera, Sheabutter, grüner Tee oder Traubenkernextrakt werden häufig als Substitutionsmittel für tierische Inhaltsstoffe verwendet.
  • Vorsicht vor Namen wie Cochenille, R4, Lanolin/Wollwachs in der Inhaltsangabe. Diese weisen auf tierische Inhaltsstoffe hin.
  • Bei Produkten mit roten Farbstoffen sollten man generell vorsichtig sein, diese sind sehr selten vegan. Sollte dies doch der Fall sein, werden sie meist unter dem Vegan-Label geführt.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.