Tierethik: Die philosophische Perspektive auf den Umgang mit Tieren

schweine auf einem feld

Was unterscheidet das Tier vom Menschen? Welche Rechte sollten den Tieren zukommen? Auf welcher Grundlage treffen wir im Umgang mit Tieren Entscheidungen? Wenn man auf diese Fragen schon keine zufriedenstellende Antwort findet, sollten wir uns dann nicht zumindest darauf einigen, dass es angesichts der aktuellen konventionellen Tierhaltung sicherlich nicht schaden würde, mehr über das Verhältnis zwischen dem Menschen und anderen fühlenden Lebewesen nachzudenken? Die philosophische Disziplin der Tierethik liefert zu diesem Thema einige interessante Denkanstöße – zu Angelegenheiten, die sonst in der Gesellschaft häufig nicht diskutiert werden.

Schon im 18. Jahrhundert haben sich Philosoph*innen mit der Frage nach dem richtigen Verhältnis zwischen Mensch und Tier beschäftigt. Kant war beispielsweise der Meinung, dass das Quälen von Tieren falsch ist. Jedoch resultiert die Verwerflichkeit dieser Handlung nicht aus einer moralischen Verpflichtung des Menschen gegenüber den Tieren, sondern ist darauf zurückzuführen, dass der*die Tierquäler*in sich an dieses „schlechte“ Verhalten gewöhnen und es schließlich auf andere Menschen übertragen könnte. Tiere zu quälen, lässt den Menschen also in gewisser Weise „verrohen“.

Die philosophische Perspektive auf den Umgang mit dem Tier änderte sich erst im 20. Jahrhundert. Der bekannteste Denker, der sich auf ernsthafte Weise mit dem Thema der Tierrechte auseinandersetzt, ist der flexibel-vegan lebende Philosoph Peter Singer, der seine Philosophie der Tradition des Utilitarismus zuschreibt. Dabei handelt es sich grob gesagt um eine Geisteshaltung, die darauf abzielt, den größten Nutzen für alle Menschen zu generieren und jene Handlungen, die diesen Zweck erfüllen, auch im moralischen Sinne als „gut“ betrachtet. Ihm zufolge steht völlig außer Frage, dass die Tiere in die Debatte um den „größten Nutzen“ miteinbezogen werden müssen. Er begründet diese Haltung damit, dass es grundsätzlich keine Eigenschaft gibt, welche den Mensch von den Tieren unterscheidet und auch einige Menschen nicht in die Kategorien hineinpassen, die in der Geschichte der Philosophie für die Notwendigkeit von universell gültigen Rechten wie der Menschenwürde herangezogen wurden. So sind Säuglinge und einige kranke Menschen nicht eigenständig und auch nicht sprachfähig. Dabei stellt sich die Frage, welches Recht wir uns herausnehmen, wenn wir unsere menschlichen Wichtigkeitskategorien auf andere Lebewesen übertragen. Da wir nicht wissen können, wie ein Tier die Wichtigkeit seines eigenen Lebens intuitiv einschätzt, müssen wir uns auf eine „Ethik des Nichtwissens“ stützen, argumentiert die Philosophin Koorsgaard. Auch der bekannte Philosoph und Autor Richard David Precht plädiert dafür „die Reichweite des Mitgefühls stärker auf Tiere auszuweiten“ und verweist damit auch insbesondere auf das widersprüchliche Verhältnis des Menschen zum Tier, welcher seine Haustiere verhätschelt und Nutztiere dagegen quält und ausbeutet . Er macht darauf aufmerksam, wie die Sensibilität und der Respekt für die Tiere in unserer Gesellschaft – trotz steigender Zahlen der Menschen, die sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise entscheiden – zunehmend verloren geht, da sich die Situation der Tiere in intensiven Mastbetrieben seit den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert.

Sprachbegeistertes Bauernkind mit Fernweh und Leidenschaft für Straßenkunst und Videospiele. Zudem Leserin von Büchern aller Art und stets auf der Suche nach der perfekten Formulierung.