Liebeserklärung an: Das UNO-Spielen

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Es ist Anfang September, einer dieser Spätsommerabende, an denen es schon gegen 20:30 Uhr fast dunkel ist und die Sonne nicht mehr stark genug, um den Boden bis in die Nacht aufzuheizen. Wir sitzen auf unserer Terrasse, beide bereits in Decken gewickelt. Um uns herum brennen die letzten Mückenkerzen. Mein Freund trinkt Bier, ich ein Glas Wein. Die Bluetooth-Box müht sich mit dem Soundtrack des Abends ab. In einer Gesprächspause steht mein Freund auf, um die Schüssel mit den Erdnüssen nochmal aufzufüllen und kommt zwei Minuten später zurück nach draußen – in der einen Hand die volle Schale, in der anderen eine rote Verpackung. UNO!

Ich fasse es nicht. Die drei gelben Buchstaben schauen mich herausfordernd an und ich muss grinsen. Mit einem Satz nach vorne greife ich mir die Schachtel und verteile die Karten mit Schwung auf dem Tisch. Richtig mischen habe ich nie gelernt, aber so geht es ja auch. „Wir spielen bis zur 10, 2+ darf man aufeinanderlegen, 4+ nicht“, verkünde ich, während ich schon an jeden von uns 7 Karten verteile. Ich decke eine Karte vom Stapel auf und mein Freund fängt an. Völlig routiniert gewinnt er die ersten drei Runden und der Ehrgeiz lodert in mir auf. Verdammt nochmal, ich will gewinnen. Zwischen zwei Spielen nehme ich meine Haare am Hinterkopf zusammen, binde einen Pferdeschwanz und setze mich gerade hin. Mein Freund lacht schallend auf. „Was ist jetzt los? Kampfmodus?“ „Darauf kannst du wetten! Ich verliere nie!“ „Das wollen wir doch mal sehen.“

Wann hatte ich das letzte Mal UNO gespielt? Fünf Jahre ist das sicher her. Seitdem waren Gesellschaftsspiele irgendwie in den Hintergrund gerückt und anderen Dingen gewichen, dem klassischen Netflix & Chill zum Beispiel.

Spielen verbindet

Schade eigentlich, denn wenn ich so an meine Uni-Zeit zurückdenke, dann haben wir verdammt viel UNO gespielt. Ich habe in Heidelberg studiert. Für 6 Semester war die beschauliche Stadt am Neckar mein Zuhause und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich ein gutes Stück meines Herzens auch dort gelassen. Heidelberg als Stadt hat diese wunderschöne Angewohnheit, dass man innerhalb von wenigen Minuten eigentlich überall sein kann. Egal ob auf der Barstraße, den Neckarwiesen oder oben am Schloss. Und so verbrachten wir unsere Sommer häufig in der ganzen Stadt. Nach der Uni (oder wenn das Wetter mal wieder zum vorlesungsfreien Mittwoch rief) schwangen wir uns auf unsere Räder und fuhren mit Radler und Wassermelone bewaffnet die 5 Minuten bis ins Freibad. Dort dauerte es dann häufig keine halbe Stunde, bis wir zu viert im Schneidersitz auf unseren Handtüchern hockten und einer von uns das UNO-Spiel aus seinem Rucksack zog. So saßen wir dann oftmals zusammen, bis wir über die Bäume hinweg die Durchsage des Bademeisters hörten, dass das Schwimmbad in Kürze schließen würde. Sonnenverbrannt und hungrig fuhren wir dann heim, die nassen und klebrigen Karten ordentlich in ihrer roten Verpackung verstaut.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.