Fütterer is(s)t anders: Als Veganerin im Tropenparadies – ein Erfahrungsbericht

Für viele ein Traum-Urlaubsziel: Die Malediven. Bild: Pexels

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise.

Man hat’s nicht leicht – besonders nicht im Urlaub. Das gilt zumindest häufig für Veganer*innen, was das Thema Essen angeht. Zum Glück gibt es mittlerweile fast überall vegane Optionen und Apps, die einem in Sekunden das nächste vegane Restaurant ausspucken. Aber was macht man, wenn man auf einer Insel der Malediven ist, auf der es weder Supermärkte noch wirklich gute vegane Optionen beim Essensbuffet gibt? Ganz klar: Ansprüche zurückschrauben und erfinderisch werden!

Ob Omelette, Müsli, Joghurt, Waffeln, Pancakes, Crêpes, Toast mit Aufschnitt oder süße Teilchen: Beim Frühstück des 5-Sterne-Hotels auf den Malediven, indem ich momentan mit meiner Family Urlaub mache, bleiben wirklich keine Wünsche offen – hungrig verlässt hier niemand den Frühstückssaal.

Außer vielleicht, man ernährt sich vegan.

Breakfast for Champions – but not for vegans

Ich schreite das 50 Meter lange Luxus-Buffet entlang und meine Enttäuschung wird immer größer: Von all den duftenden Köstlichkeiten würden für mich wahrhaftig nur Cornflakes und Obst übrigbleiben. Das Oatmeal wird hier natürlich in Kuhmilch gekocht und von Pflanzenmilch, veganen Aufstrichen, Tofu & Co. ist weit und breit nichts zu sehen. Geschweige denn Pflanzenjoghurt oder andere Frühstücks-Upgrades. Aber hey, ich befinde mich schließlich auch auf einer Insel mitten im Indischen Ozean. Ich habe ja auch gar nicht erwartet, dass ich hier dasselbe Frühstücksangebot wie in Berlin-Kreuzberg bekomme. Und das wäre auch ziemlich furchtbar. Aber trotzdem: Ein paar Basics wären schon nett. So etwas simples wie Haferflocken zum Beispiel. An der Müsli-Station gibt es zwar vier verschiedene Müslis – aber ein Blick reicht mir, um zu erkennen, dass im Schokomüsli Milchschokolade enthalten ist und auch die Cereals nicht vegan sind. Bleiben noch Cornflakes und Reispuffs. Und Cornflakes mit Wasser zum Frühstück? Bei aller Liebe. Ich habe schon viel mitgemacht, aber darauf habe ich wirklich wenig Lust.

Meine Familie kommt vom Buffet zurück und ich blicke ein wenig neidisch auf ihre vollgeladenen Teller. Zum Glück bin ich gut vorbereitet und habe eine Porridge-Cup-Mischung mitgebracht, die man easy mit Wasser anmischen kann. Das Problem: Einen Heißwasserboiler, an dem man sich selbst Wasser holen kann, gibt es aufgrund von Corona-Hygienemaßnahmen nicht mehr. Also bestelle ich eine Tasse heißes Wasser und mische damit mein Porridge an – aber natürlich nicht, ohne dabei verurteilend vom Kellner beäugt zu werden, als ich die Tasse Wasser auf mein Porridge kippe. Zwar würde ich die Situation wirklich auch lieber eleganter lösen, aber hey, wenigstens bin ich satt geworden.

Fleisch statt Gemüse

Auch die anderen Mahlzeiten sind alles andere als vegan-freundlich. Beim Mittag- und Abendessen wird so viel Fleisch aufgetischt, dass es mich jeden Tag aufs Neue erstaunt. Woher kommen diese ganzen Fleischmassen? Wie schon erwähnt befinden wir uns schließlich auf einer Insel mitten im Indischen Ozean. Die Vorstellung, wie viele Tonnen an Fleisch hier jeden Monat verputzt werden, finde ich schon krass.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.