Eine Liebeserklärung an: Das zweite Frühstück

Liebeserklärung zweites Frühstück Frühstückchen

Morgens halb 10 in Deutschland. Oder wie eine gesamte Nation plötzlich die klischeehaftesten Tätigkeiten unterbricht und sich einen Keks freut (wahlweise auch eine knusprig gebackene Waffelschnitte), weil jetzt nämlich das kommt, was die Knoppers-Werbetexter so liebevoll als Frühstückchen bezeichnen: Das zweite Frühstück, a.k.a. der einzige rote Faden, der sich durch mein Leben zieht.

Was waren das noch Zeiten, als wir damals in der Schule schon 30 Sekunden vor dem Klingeln rausstürmten, und bereits 30 Sekunden später sämtliche Salami-Brote, Nutella-Schnitten oder die von Mama so gut gemeinten Möhrensticks im Ganzen heruntergeschlungen hatten. Und während uns heute gleich ein Erstickungsanfall droht, konnten wir dabei tatsächlich auch noch wie die Faultiere kopfüber an irgendeiner Stange baumeln und einen geschmuggelten Schokobon hinterherschieben. Wir waren so #blessed, wir wussten es nicht einmal.

Spiel, Spaß und Speisebrei

Mit zunehmendem Alter und eindeutig festgelegten pubertären Prioritäten kamen zur eigentlichen Stärkung vor allem die soziale Komponente und der absolut existenzielle Informationsaustausch und Blickwechsel hinzu, wodurch das zweite (und damals sogar noch dritte!) Frühstück ganz klar an Stellenwert gewann. Aber auch heute noch, irgendwann zwischen halb 10 und 11, braucht der Körper dringend einen Snack-Input. In Unizeiten kann das einen schon mal vor komatösen Zuständen in den Vorlesungen bewahren, im Job hilft es, die Gehirnzellen, die meistens zwei Mal pro Tag am Boden landen, wieder einzusammeln. Und wenn man dabei noch auf Gleichgesinnte stößt, dann ist es irgendwie immer noch ein bisschen so wie früher, als das Pausenbrot 3 in 1 war: Spiel, Spaß und Speisebrei.

Weil es immer so selbstverständlich zu meiner Vormittagsroutine dazugehörte, habe ich mir nie weiter Gedanken darüber gemacht. Erst jetzt, in Zeiten gesteigerten Energieverbrauchs, erinnere ich mich wieder an das Große-Pause-Gefühl und mir wird bewusst, warum ich ohne gar nicht mehr leben kann – und weshalb Fragen wie „Äh, hast du nicht gerade erst gefrühstückt?“ einfach mit Nichtachtung bestraft werden müssen. Das zweite Frühstück und ich, wir lieben uns nämlich.

Jeder hat eine zweite Chance verdient

Vielleicht deshalb, weil es im Vergleich zum ersten Frühstück so gut tut. Denn morgens nach dem Aufstehen ist alles irgendwie schneller, gehetzter, weniger fancy. Da bricht man mal gerne Regel Nr. 120 in der Kindererziehung – den Löffel zum Mund und nicht dem Mund zum Löffel – und ist froh, wenn der Kaffee nach einer Stunde wenigstens auf die Grobmotorik wirkt. Der Magen ist noch nicht ganz so aufnahmebereit, die Kommunikation beschränkt sich meist auf Zwiegespräche im eigenen Kopf und der frühe Vogel, tja, der kann mal gerne an seinem ersten Wurm ersticken.

Das zweite Frühstück dagegen klingt eher nach einem chilligen Jack Johnson Song. Maybe we can sleep in, I’ll make you banana pancakes, pretend like it’s the weekend. Es hat die Fähigkeit, den schlechtesten Start in den Tag irgendwie noch zu retten und die Reset-Taste zu drücken. Nach den ersten (mehr oder weniger) produktiven Stunden in der Uni, auf der Arbeit oder im Home Office klopft es uns stolz auf die Schulter und sagt im verführerischen Frühstückchen-Ton: „Jetzt gönn dir doch mal ne Belohnung, du (mehr oder weniger) fleißiges Bienchen.“ Und nach der ersten Nahrungsaufnahme, die so gar nicht nach der Instagram tauglichen Acai-Bowl aussah, darf es jetzt auch mal ein Plunder für die Seele sein.

Ein bisschen gesunder Menschenverstand

Im wahrsten Sinne. Denn damit erlauben wir uns gleichzeitig auch die kleine Pause, die uns mal kurz durchatmen und wieder Mensch sein lässt. Mit sozialen Bedürfnissen, Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, geteilter Heißgetränk- und Nahrungsliebe und dem Wunsch, unsere Gesundheit nicht schon in jungen Jahren unnötig aufs Spiel zu setzen. Der Tag ist ja noch lang genug, und irgendwo ist doch bestimmt auch wissenschaftlich erwiesen, dass sich nach dem zweiten Frühstück und Energie-Kick die lästigen Aufgaben und Termine viel leichter bewältigen lassen.

Abgesehen davon frage ich mich ja ernsthaft, wie man es überhaupt schaffen kann, ohne Zwischenmahlzeit die langen Stunden bis zum Mittagessen zu überbrücken. Gibt es solche Menschen tatsächlich? Sind sie glücklich? Geht es ihnen gut? Oder haben sie sich als Kind womöglich mal beim Toben an einer knusprigen Waffelschnitte verschluckt?

P.S. Dieser Artikel ist weder gesponsored noch hat die Autorin Produkte zum Testen erhalten. Schade eigentlich. Macht aber auch nix.

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz