Fütterer is(s)t anders: Darum ist es okay und gesund, Fleischersatzprodukte zu essen

Zwei Beyond-Meat-Burger-Patties auf dem Grill. Bild: Unsplash

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise.

„Das kann aber auch nicht gesund sein, oder?“. Der Nachbar meiner Eltern macht eine abfällige Kopfbewegung in Richtung meines Tellers. Dass ich auf der Dorf-Grillparty gebasht werden würde, weil ich die krossen Schweinebauch-Grillfackeln aus dem Lagerfeuer ablehne, war mir vorher irgendwie schon klar. Aber dass ich mich jetzt für mein winziges Tofuwürstchen rechtfertigen musste, dass meine Mama extra für mich aus dem Dorf-Bio-Laden besorgt hatte, damit ich auch etwas zum Grillen habe, nervte mich. Ich lächelte müde und zuckte die Schulter. „Und wieso müssen Veganer eigentlich ihre eigenen Würstel haben? Sie wollen ja gar kein Fleisch essen. Dann sollen sie es doch gleich ganz lassen“, schoss er hinterher.

Steak schmeckt halt einfach gut

Für mich war dies eindeutig der Zeitpunkt, mich von der Dorfparty zu verabschieden und den Heimweg anzutreten. Und auf dem Rückweg vorbei an grasenden Kühen und Maisfeldern darüber nachzudenken, warum so viele Fleischesser*innen Probleme damit haben, dass es mittlerweile auch Steaks, Würste oder Cordon Bleus aus Pflanzen gibt.

Viele Menschen entscheiden sich bewusst gegen Fleischkonsum, weil sie Tierleid reduzieren möchten oder ihnen die Umwelt am Herzen liegt. Das bedeutet aber nicht, dass sie den Geschmack von einem saftig-zarten Tenderloin nicht vermissen würden. Besonders am Anfang fällt es schwer, statt Fleisch auf Alternativen wie Tofu, Jackfruit oder Seitan umzusteigen. Dass versucht wird, den Geschmack möglichst getreu zu imitieren, finde ich nicht verwerflich.

Kühe werden nicht als Steak geboren

Wer sagt eigentlich, dass Tiere ein Vorrecht darauf haben, als Wurst, Steak oder Schnitzel verarbeitet zu werden? Es handelt sich schließlich auch nur um eine Methode, Fleisch essbar zu machen – nichts anderen passiert bei Tofugeschnetzeltem und veganer Mortadella. Pflanzlichen Lebensmitteln wird eine Form gegeben, in der man sie convenient und lecker essen kann.

Zugegeben: Es gibt gesündere und weniger gesündere Alternativen. Bei vielen Fleischalternativen ist die Zutatenliste gut und gerne mal sieben Zeilen lang. „Gesund kann das ja nicht mehr sein!“ habe ich schon des Öfteren gehört. Großteil der Inhaltsstoffe machen häufig allerdings Gewürze aus. Andere Inhaltsstoffe wie Pflanzenöle, Stärke oder Geschmacksverstärker müssen hinzugegeben werden, damit der Fleischgeschmack möglichst getreu imitiert wird.
Der typische Fleischgeschmack entsteht durch die Zubereitung, zum Beispiel durch scharfes Anbraten oder Grillen. Wer Naturtofu oder -seitan richtig würzt und zubereitet, wird den Unterschied kaum feststellen.

Vleisch, Tofuwürste und Plant Burger als Einstieg perfekt

Plötzlich weiß jeder, was gesund sein soll und was nicht. Hier mal bei McDonalds nen Cheesy snacken oder da im Restaurant Fleisch bestellen, aber Veganer*innen für ihren Pflanzenburger bevormunden? Ist auf jeden Fall ne Ansage.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.