Lösen Kühe unser Plastik-Problem?

Kühe

Seit Jahren wird versucht, den Verbrauch von Plastik in Deutschland sowie der Europäischen Union zu reduzieren. So ist beispielsweise seit dem 3. Juli 2021 in der EU die Herstellung von Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik verboten. Weitere Plastikartikel wurden ganz aus dem europäischen Raum verbannt.

Auch wenn die Versuche, Plastik zu reduzieren, löblich sein mögen, zeichnet sich global ein deutlich düstereres Bild ab. Allein China soll Prognosen zufolge ab 2025 jährlich rund 18 Millionen Tonnen Plastik schlecht entsorgen – mehr als doppelt so viel wie noch 2010. Eine Prognose, die zeigt, dass man sich nicht allein auf den globalen Nachhaltigkeitsgedanken verlassen darf. Aus diesem Grund suchen Forscher*innen schon lange nach Möglichkeiten Plastik abzubauen, so auch ein Team aus Wien an der Universität für Bodenkultur. Sie fanden heraus, dass Kühe möglicherweise der Schlüssel sein könnten, um das immer größer werdende Problem des Plastikmülls global zu lösen. 

In einem der vier Kuhmägen befinden sich Mikroben, die sogar Plastik abbauen können. Das klingt erst mal absurd, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Schließlich befindet sich im alltäglichen Essen der Kühe – Gras, Stroh und Mineralfutter – bereits pflanzliches Polyester, welches in seiner Struktur herkömmlichen Plastikstoffen ziemlich ähnelt. „Im Pansen-Reticulum lebt eine riesige mikrobielle Gemeinschaft, die für die Verdauung der Nahrung in den Tieren verantwortlich ist“, erklärt Dr. Doris Ribitsch von der Universität für Bodenkultur in Wien in einer Pressemitteilung.

„Daher vermuten wir, dass einige biologische Aktivitäten auch für die Polyester-Hydrolyse genutzt werden könnten, eine Art chemische Reaktion, die zur Zersetzung führt.“ 

Dr. Doris Ribitsch

Ribitsch und ihre Kolleg*innen untersuchten drei Arten von Polyester. Darunter Polyethylenterephthalat, kurz PET, ein synthetisches Polymer, welches häufig in Textilien und Verpackungen verwendet wird. Bei den anderen handelt es sich um einen biologisch abbaubaren Kunststoff, der häufig in kompostierbaren Plastiktüten verwendet wird (Polybutylendipat-Terephthalat, PBAT) und ein biobasiertes Material (Polythylenfuranoat), welches aus erneuerbaren Ressourcen hergestellt wird. 

Das Experiment war ein großer Erfolg. Alle drei Kunststoffe konnten von den Mikroorganismen aus Kuhmägen abgebaut werden. Obwohl die Arbeit nur im Labormaßstab durchgeführt wurde, gibt sich Ribitsch zuversichtlich: „Aufgrund der großen Menge an Pansen, die jeden Tag in Schlachthöfen anfällt, wäre eine Hochskalierung leicht vorstellbar.“ Jedoch gibt sie zu bedenken, dass solche Forschungen kostenintensiv sein können, da Laborausrüstung teuer ist und solche Studien zu Mikroorganismen Vorstudien erfordern. Das Team von der Universität für Bodenkultur steht als noch recht am Anfang. Optimistisch sind sie dennoch. Mikrobielle Gemeinschaften als potenzielle umweltfreundliche Ressource einzusetzen ist noch wenig erforscht und verspricht eine Menge Potential für die Zukunft. 

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Bildquelle: Lomig auf Unsplash; CC0-Lizenz

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.