LGBTQIA+ im Heiligen Land: Buntes Israel?

Eine Israel-Flagge weht im Wind. Bild: Unsplash

Rauschende Partys, Regenbogen-Flaggen und sich küssende Menschen: Das sind die Bilder, die man im Kopf hat, wenn man an die vielen Pride-Paraden in der weltoffenen Stadt Tel Aviv denkt. Doch wie sieht die Situation für Mitglieder*innen der LGBTQIA+-Community eigentlich im Rest von Israel aus? Ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem man seine Sexualität scheinbar völlig offen ausleben kann, tatsächlich so offen für Lebensentwürfe, die vom religiös geprägten Bild der Heterosexualität abweichen?

Aktuelle Vorfälle in einer kleinen Stadt innerhalb der Negev-Wüste lassen etwas anderes vermuten: Die LGBTQIA+-Community von Mitzpe Ramon und deren jüngste Auseinandersetzung mit dem konservativen Bürgermeister Roni Marom des Ortes sorgte nämlich landesweit für Schlagzeilen, als wenige Tage vor einer geplanten CSD-Parade ein homophobes Pamphlet von Seiten Maroms veröffentlicht wurde, das von einer angeblichen Verschwörung der Community handelte, die darauf abziele, die israelische Nation, sowie die Religion und die Werte der Familie zu zerstören (Quelle: taz.de).

Durch diese Schrift fühlten sich Gegner*innen der Bewegung dazu motiviert, eine Demonstration für die Familienwerte zu organisieren, bei der sich ungefähr 150 Menschen zusammenfanden, um ihre Überzeugungen in Bezug auf sogenannte „normale Familien“ und ihre Solidarität mit dem Bürgermeister mitzuteilen, der „medialem Terror“ ausgesetzt war. Zu diesem Zeitpunkt fanden tatsächlich in der Facebookgruppe des Ortes heftige Auseinandersetzungen statt, wobei von beiden Seiten hasserfüllte Kommentare ausgetauscht wurden. Dies trug schließlich deutlich zu einer sehr angespannten Stimmung im sonst so ruhigen Ort Mitzpe Ramon bei.

Sprachbegeistertes Bauernkind mit Fernweh und Leidenschaft für Straßenkunst und Videospiele. Zudem Leserin von Büchern aller Art und stets auf der Suche nach der perfekten Formulierung.