LGBTQIA+ im Heiligen Land: Buntes Israel?

Eine Israel-Flagge weht im Wind. Bild: Unsplash

Als am folgenden Tag am gleichen Veranstaltungsort die Pride-Parade stattfand, war die Atmosphäre deutlich ruhiger. Die Redner*innen der Versammlung gaben sich besonnen und betonten, dass es sich bei der CSD-Parade um eine unpolitische Veranstaltung handle. Dabei wurde auch dazu aufgerufen, den Protest der Nationalorthodoxen zu respektieren. Inhaltlich ging es außerdem auch um die Wichtigkeit von Pride-Versammlungen für Jugendliche, die suizidgefährdet seien und somit Unterstützung benötigen, sowie um die Bedeutung eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den lokalen Orthodoxen und den Anhänger*innen der LGBTQIA+-Community.

Gesellschaftliche Lage für Mitglieder der LGBTQIA+-Community in Israel

Im Kontext solcher Vorfälle muss jedoch auch gesehen werden, dass sich viele Menschen im Land trotz des vehementen Widerstandes mit der LGBTQIA+-Bewegung solidarisieren. So berichtet beispielsweise ein ehemaliger Offizier der israelischen Armee, dass er anfangs aufgrund seiner sexuellen Orientierung Angst hatte, den Militärdienst anzutreten. Daraufhin bekam er ausgerechnet im Gespräch mit einem Rabbiner Zuspruch. Er verließ die Armee schließlich mit dem Rang eines Offiziers. Ebenso ist anzumerken, dass sich auch in den Palästinensergebieten eine mittlerweile immer größere Bewegung der Solidarität bildet. Und obwohl die Frage nach dem gemeinsamen Zusammenleben der LGBTQIA+-Bewegung und den Nationalorthodoxen nach wie vor das Land spaltet, existieren auch Aspekte einer positiven Entwicklung hin zu mehr Toleranz. Beispielsweise wurde in einem Gerichtsurteil aus dem Jahre 2017, in dem es um die Anerkennung der Elternschaft eines lesbischen Paares ging, der Partnerin der leiblichen Mutter die Anerkennung als Elternteil zugestanden. (Quelle: embassies.gov.il). Im darauffolgenden Jahr besuchten über 250.000 Menschen die Pride Parade in Tel Aviv, was diese zur größten LGBTQIA+-Veranstaltung auf dem asiatischen Kontinent machte. Aktivist*innen verweisen trotz alledem auf den langen Weg, den die Community vor sich habe, da das Ziel einer Gesellschaft, in der Menschen aller sexuellen Orientierungen und Identitäten in Israel Platz haben, noch lange nicht erreicht sei.

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Bildquelle: Taylor Brandon on Unsplash, CC0-Lizenz

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