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„Sei frech und wild und wunderbar“ – Bewahre das Kind in dir!

Wenn Kinder das Licht der Welt erblicken, liegt ein langer Weg des Lernens vor ihnen. Manchmal können aber auch wir etwas von ihnen lernen.

Von Judith Strieder

Als ich letzte Woche mit einem Freund, der bereits Vater ist, in meiner Küche saß, berichtete er mit strahlenden Augen: „Ich kann so viel von ihm lernen. Er kann so viel, was ich nicht kann. Er lernt gerade laufen und steht jedes Mal wieder auf und fällt wieder hin und steht verdammt nochmal wieder auf. Da kann ich mir echt eine Scheibe von abschneiden“. Recht hat er: An der unendlichen Phantasie, dem Lebensmut, dem Ehrgeiz etwas zu lernen und zu entdecken und den ungebremsten, ehrlichen Emotionen der Kleinsten unserer Welt sollten wir uns hin und wieder ein Beispiel nehmen. „In der Kreativitätsforschung geht man davon aus, dass die Kreativität im Alter von fünf Jahren am größten ist“, so Autorin und Kunsttherapeutin Dr. med. Silke Heimes in ihrem Buch Schreib es dir von der Seele.

Zudem ist es sicher nicht gesund, Gefühle zu unterdrücken, so wie wir Erwachsenen es uns angewöhnt haben: „Gestehen wir uns diese Emotionen jedoch nicht zu, sondern lassen sie durch unsere ‚Denke‘ blockieren, führt das zu inneren Anspannungen, die sich in Zornausbrüchen oder aber in körperlichen und seelischen Krankheiten äußern können“, so Arzt und erfolgreicher Ratgeberautor Dr. med. Daniel Dufour.

Je erwachsener wir werden, desto verkopfter werden wir. Die „Eat Pray Love“-Autorin Elizabeth Gilbert stellte kürzlich in einem Interview mit der Ma Vie fest: „Es gab noch nie einen Vierjährigen, der eine Schachtel Lego öffnet und sagt: „Ich bin total blockiert. Ich weiß gar nicht, was ich tun soll.“

 

Sei wie Amélie Poulain!

 

Wir schmieren uns Glitzerschminke ins Gesicht, verhalten uns betrunken wie kleine Kinder und freuen uns, oder? Es tut gut, mal dem Alltag zu entkommen und den Kopf auszuschalten. Und so lange das nicht unser ausschließlicher Lebensinhalt ist, schaden wir damit auch niemandem. Es geht nicht immer darum, über die Stränge zu schlagen. Bereits im Kleinen können wir uns durch eine kindliche Betrachtungsweise den Alltag versüßen:

Lerne Kinder zu beobachten und lerne von ihnen. Baue Papierflieger, freu dich über tanzende Regentropfen, dein Lieblingslied im Supermarkt. Wenn dir danach ist, dann weine, schreie. Dreh dich in deinem Lieblingskleid vor deinem Spiegel und fühl dich wie die schönste Prinzessin. Lache laut vor Lebenslust und sei verdammt noch mal nicht immer so erwachsen, so vernünftig, so wie es sinngemäß Joseph Beuys in seinem Gedicht „Wie man ein Künstler ist“ beschreibt.

Amélie Poulain aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ ist ebenso ein gutes Beispiel – sie hat es nicht verlernt: „Dafür hat sie einen besonderen Sinn für die kleinen Freuden des Lebens. Sie taucht gerne ihre Hand ganz tief in einen Getreidesack, knackt die Kruste von Crème brûlée mit der Spitze eines Teelöffels und lässt Steinchen springen auf dem Kanal Saint Martin.“

 

Vergnügt kindlich statt albern kindisch

 

Es geht nicht darum, ein verantwortungsloses Leben zu führen und sich daneben zu benehmen. Natürlich ist es Fakt, dass man als Volljähriger andere Pflichten zu erfüllen hat als mit unter zwölf Jahren. Trotzdem tut es der psychischen Gesundheit wahnsinnig gut, sich an der richtigen Stelle nicht allzu sehr darum zu bemühen, immer alles richtig zu machen. Die großartige Kinderbuchautorin Astrid Lindgren brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.“

 

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Bildquelle: Giulio Mola unter CC BY 2.0

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