Warum ich aus der katholischen Kirche ausgetreten bin

Warum ich aus der katholischen Kirche ausgetreten bin

In Köln ist die Hotline, die für Kirchenaustritte verantwortlich ist, wegen Überlastung zusammengebrochen. Und nicht etwa wegen technischer Probleme, sondern weil momentan so viele Leute wie nie aus der Kirche austreten möchten. Der hochaktuelle Grund dafür: ein Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke, das am 18. März in vollem Umfang veröffentlicht wird, attestiert dem Erzbistum deutlich mehr Fälle von sexuellem Missbrauch, als man bis jetzt annahm. Darunter auch ein Fall eines Priesters, der vom Kölner Kardinal Woelki 2017 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Der Kardinal muss außerdem viel Kritik einstecken, weil er sich weigert, ein Gutachten aus 2020 zu veröffentlichen.

Wie so viele Kölner hatte auch ich den Moment, in dem ich die Nase voll hatte von der katholischen Kirche. Ich komme aus einem religiösen Haushalt und meine Familie engagiert sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde. In meiner Kindheit war ich jahrelang Ministrantin und habe sogar Gruppenstunden geleitet. Ich habe die Unternehmungen, das Singen und die Gemeinschaft meist sehr genossen, schlechte Erfahrungen habe ich keine gemacht. Warum habe ich mich also nach 20 Jahren Mitgliedschaft dazu entschieden, all dem den Rücken zuzukehren?

Ich bin nicht wegen der Kirchensteuer ausgetreten.

Denn als von meinen Eltern durchgefütterte Studentin muss ich die überhaupt nicht zahlen. Der Gedanke daran, dass ich sie irgendwann einmal zahle und davon vielleicht ein Missbrauchstäter seinen Lohn erhält, ließ mich allerdings schaudern und war auch ein Grund, aufs Amt zu gehen.

Frauen werden in der katholischen Kirche diskriminiert.

Die katholische Kirche basiert auf der ehrenamtlichen und auch der bezahlten Arbeit, die oft von Frauen erledigt wird. Im Gegensatz zu den Männern, werden ihnen aber hohe Ämter und leitende Positionen verweigert. Woelki rechtfertigt das damit, dass die Kirche angeblich nicht befugt sei, Weiheämter auch für Frauen anzubieten. Beleg dafür zieht man aus den Aussagen zweier Päpste, nicht einmal aus der Bibel. Man muss sich nur einmal vorstellen, wenn ein Unternehmen in seinen Richtlinien Frauen den Zugang zur Führungsebene verweigern würde. Es gäbe Klagen, das ganze ginge vor Gericht, denn eine solche Praxis steht nicht im Einklang mit unserem Grundgesetz. In der katholischen Kirche wird das jedoch einfach weiter so praktiziert, es gibt keinen Willen zu Veränderung in dieser statisch-verstaubten Männergesellschaft. Frauen erledigen die niederen Arbeiten, dürfen putzen, die Kinder der Gemeinde betreuen und sogar des Pfarrers Sekretärin werden. Was wollen die denn noch?

Hier geht es zu einem Interview mit einer jungen Frau, die dafür kämpft, Priesterin werden zu können.

Die katholische Kirche schreibt ihren Gläubigen vor, wie sie Sex haben sollen.

Meiner Meinung nach geht das niemanden was an als mich und meine Sexpartner, aber die Kirche hat sogar Richtlinien dafür. Die sind altmodisch und auch unter dem als „modern“ angesehenen Papst Franziskus kaum gelockert worden. So ist Sex ausschließlich in der Ehe gestattet (die natürlich nur zwischen Mann und Frau möglich ist) und Verhütung wie Kondome oder die Pille werden abgelehnt. Denn Sex sollte laut der Kirche zur Weitergabe des Lebens dienen und Spaß dabei ist nur okay, wenn die Möglichkeit einer entstehenden Schwangerschaft nicht ausgeschlossen wird.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie schwachsinnig ich das finde. Dürfen Frauen nach den Wechseljahren nun keinen Verkehr mehr haben? Und Menschen, die von einer Unfruchtbarkeit wissen? An unfruchtbaren Tagen im weiblichen Zyklus? Was ist, wenn Paare adoptieren wollen? Die Kirche tut das Thema mit dahingeworfenen Geboten ab, weigert sich, sich mit Sex an sich überhaupt zu beschäftigen. Ich denke ja, es ist ihnen peinlich. Die Regel „Sex erst in der Ehe“ ist weit weg von der Realität der meisten Menschen. Dass Partnerschaften heute nicht unbedingt auf das traditionelle Familienbild Vater, Mutter, Kind(er) ausgelegt sind, ignoriert die Kirche stur. Und statt sich den Menschen und ihren Vorlieben anzupassen, bleibt die Kirche starr und wird somit zu einem Ort, der immer weniger Menschen eine Anlaufstelle bietet. Da habe ich echt kein Mitleid, wenn der Kirche die Mitglieder davonlaufen.

Immer unterwegs. Momentan wahrscheinlich in den französischen Alpen. Leicht zu begeistern. Ganz besonders für Sport, vegane Leckereien, gute Romane, Yoga und Fremdsprachen.