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Wie du mit unangenehmen Gesprächspausen umgehen sollst? Klappe halten!

Gesprächspausen können ganz schön ätzend sein. Müssen sie aber gar nicht. Mein Ratschlag: Einfach mal lächeln und gar nichts sagen.

Gesprächspausen können ganz schön unangenehm sein. Diese peinlich berührte Stille, die plötzlich zwischen zwei Menschen im Raum steht und selbigen erdrückend zu füllen scheint. Vor allem, wenn sich die beiden nicht so gut kennen. Je länger das Schweigen, desto unangenehmer. Also schnell etwas finden, irgendwas, was diese schreckliche Stille füllen kann – oder? Ich sage: Nein. Wenn dir gerade nichts einfällt, halt doch einfach mal die Klappe. Eigentlich ist es so oft angenehmer.

Small Talk ist alltäglich – und belastend

Du stehst auf, fährst deinen Computer herunter. Jacke an, Kopfhörer rein, Feierabend. Gerade stehst du am Aufzug, deine Laune fährt gleich mit ihm hoch. Dann spürst du, wie jemand neben dich tritt. „Na, auch schon Feierabend?“ Es ist dein Arbeitskollege. Der eine, mit dem du schon beim Mittagessen kein Gesprächsthema findest. Der dich in der Kaffeepause immer höflich lächelnd fragt, wie dein Wochenende war. Und mit dem dir jetzt eine quälend lange Aufzugfahrt bevorsteht. Was jetzt?

Anderes Setting, ein paar Stunden später. Du bist mit einer Freundin zum Essen verabredet. Sie bringt noch wen mit. „Eine Freundin, kennst du nicht.“ Soweit, so gut. Du kommst pünktlich, stellst dich brav vor, gibst die Hand. Scheint ja auch ganz nett zu sein. Aber mehr auch irgendwie nicht. Das Essen ist gut, aber morgen müsst ihr früh raus und deshalb macht ihr euch mit der U-Bahn auf den Heimweg. Dann stellt sich heraus: Deine Freundin muss hier raus, du und ihre +1 noch weiterfahren – gemeinsam. Was jetzt?

BWL und Trüffelschwein: Die Untiefen des erzwungenen Gesprächs

Situationen wie diese gibt es unendlich viele. Und genau so viele unangenehme Gesprächspausen, die darauf folgen, gibt es. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon einmal mit peinlich berührtem Lächeln durchlebt. Und sich dabei stolpernd durch die wildesten Gesprächsthemen jongliert, um das Schweigen zu vermeiden. „Also ich hatte ja eben eine super Lasagne, wie war deine Funghi? Gut? Super, das freut mich.“ Freundliches Nicken, betretener Blick in die Dunkelheit des U-Bahn-Schachts. Blick zurück. Blick in den Schacht. Blick zurück. Langsam wirds unangenehm. „Apropos, Funghi: Weißt du, mein Opa hatte ja früher mal ein Trüffelschwein!“ Ungefähr so. Oder man fragt nochmal nach dem Studiengang: „Ach, BWL machst du? Meine Mutter sagt ja immer: Das macht nur, wer nicht weiß, wohin mit sich.“ Ungefähr so. Dieser peinlich berührte Small Talk läuft nie gut. Je länger man ihn ausdehnen muss, desto schlimmer. Mein Appell deshalb: Lasst uns doch einfach mal schweigen. Und die Stille ertragen.

Denn eigentlich geht es doch beiden gleich: Es ist kein Gesprächsstoff da, keine Berührungspunkte. Vielleicht, wenn man sich mal näher kennenlernt. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Während der kurzen Aufzugfahrt oder den nächsten zwei Stationen in der U-Bahn wird man das aber nicht erfahren. Und selbst wenn man nicht miteinander klar kommt, ist das ja eigentlich auch nicht schlimm. Warum also nicht einfach schweigen, anstatt künstliche und meistens ziemlich peinlich verlaufende Gespräche zu erzwingen? Die am Ende sogar oft noch unangenehmer sind als das alternative Schweigen.

Lächeln, schweigen und der Qual ein Ende setzen

In diesen Momenten wünschen sich doch beide weg aus der Situation, warten sehnlich darauf, dass die Aufzugtür aufgeht, die U-Bahn ankommt, oder man auf der Party irgendwie von dem alten Bekannten wegkommt, mit dem man gerade an der Bar steht und jetzt drucksend die Zeit totschlägt. Bis man endlich sein Bier bekommt und zurück zu seinen Freunden kann. Aus der Situation kommt man gerade einfach nicht heraus, das Teleportieren wurde schließlich noch nicht erfunden. Aber: Man könnte einfach mal so mutig sein, die entstandene Gesprächspause auszuhalten. Den anderen kurz anzulächeln und wegzublicken. Und mit dieser einfachen Geste beiden die Verantwortung nehmen, das Gespräch künstlich am Leben halten zu müssen, indem man mit ganz viel Glück den größten Blödsinn erzählt.

Und wenn dann doch nochmal ein Thema vorbeikommt, bevor sich die Wege wieder trennen, umso besser. Dann kann man das Gespräch auch wieder aufnehmen.

Aber bis dahin: Einfach mal die Klappe halten.

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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