Fütterer is(s)t anders: Drei Veganer*innen-Klischees – und was ich über sie denke

Zwei Menschen in Ponchos vor einem Berg

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Ich gebe zu: Auch ich hatte sie. Klischeebehaftete Vorurteile gegenüber Menschen, die auf tierische Produkte in ihrer Ernährung verzichten. Meist waren es Dinge, die ich irgendwo mal gehört habe oder aus welchen Gründen auch immer mit veganer Ernährung in Verbindung gebracht hatte. So etwas wie: vegan gleich öko. Für mich, die sich bis dahin weder mit Tofu, noch wirklich mit unserer Umwelt beschäftigt hatte, war vegan darum natürlich erstmal abschreckend. Wenn ich mich vegan ernähre, muss ich also gleichzeitig zur Umweltaktivistin mutieren und meine Yogapants gegen einen Jutesack eintauschen? Nein danke! Als ich der veganen Ernährung dann doch noch eine Chance gegeben habe, habe ich aber gemerkt: Viele meiner Vorurteile stimmten gar nicht. Hier kommen einige Stereotypen über Veganer*innen – und was ich heute über sie denke.

Moralprediger*innen

„Wie erkennt man einen Veganer? Er wird es dir schon sagen.“ Veganer*innen sind belehrende Pseudobesserwissende, die meinen, die anderen bekehren zu müssen. Puh, dieses Vorurteil ist hartnäckig. Zurecht! Denn ich kann verstehen, dass es auf viele extrem abschreckend sein muss, dieser Spezies zu begegnen. Belehrt werden oder darauf aufmerksam gemacht zu werden, wie groß der CO2-Impact seines Steaks ist, will schließlich niemand. In so einer Situationen reagiert jede*r mit Abwehr. Aber mal ehrlich: Wie viele dogmatische Veganer*innen hast du bisher wirklich getroffen? Ich habe schon sehr viele Veganer*innen kennengelernt – und es war nie jemand dabei, der andere belehrt oder mit dem Finger auf ihr Essen gezeigt hat.

Sich aus seiner Abwehrhaltung gegenüber Moralaposteln aber komplett vor der Thematik zu verschließen, ist sicherlich auch der falsche Weg. Ich bin damals mit vielen Veganer*innen in die Diskussion gegangen. Schließlich war ich mehr als skeptisch, was diesen veganen Schabernack angeht. Bedeutet Diskussion aber gleichzeitig Moralpredigt? Finde ich nicht. Okay, Diskussionen über vegane Ernährung können emotional aufgeladen sein. Schließlich geht es um Werte, Gewohnheiten und Vorstellungen – und niemand möchte gerne hören, dass es sich vielleicht lohnt, diese zu überdenken. Ich habe in den Diskussionen also erstmal laut gegen alle Argumente für eine vegane Ernährung protestiert. Dann aber habe ich zugehört, selbst recherchiert und mir meine Meinung gebildet. Und festgestellt: Viele der Argumente haben wirklich Hand und Fuß. Es lohnt sich, sich mit veganer Ernährung auseinanderzusetzen. Ich habe mir zwanzig Jahre lang keine Gedanken darüber gemacht, da mich schlicht und einfach niemand darauf aufmerksam gemacht hat. Heute bin ich froh über die Menschen, die mir den Anstoß gegeben haben, darüber nachzudenken. Auch, wenn manche sie wohl als Moralprediger abgestempelt hätten.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.