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10 Fragen, 10 Antworten: Warum finden wir Körperbehaarung so eklig?

Kopfhaare in der Dusche: okay. Schamhaare in der Dusche: Armageddon. Aber warum ekeln wir uns eigentlich so sehr vor – nun ja – uns selbst?

Sobald kleine Härchen aus unseren Beinen, Achselhöhlen oder der Intimregion sprießen, kennen die meisten von uns keine Gnade. Rasch wird der Rasierer, Epilierer oder der Kaltwachsstreifen gezückt und den Haaren kurzer Prozess gemacht. Unter dem Aufheulen der Rasiermaschinen und unseren klagenden Schmerzschreien packen wir die Probleme an der Wurzel und reißen sie heraus. Wenn das nur immer so einfach wäre. Aber warum empfinden wir Körperbehaarung eigentlich als eklig? Wieso löst das kleinste Härchen, das nicht zufällig vom Kopf gefallen ist, bei einigen Menschen trockenen Würgreiz aus?

Darüber weiß die Körpersoziologin Dr. Imke Schmincke von der Ludwig-Maximilians-Universität München Bescheid. In einem interessanten Gespräch mit ZEITjUNG erklärt die akademische Rätin, deren Forschungsschwerpunkte weiterhin feministische und kritische gesellschaftliche Theorien umfassen, woher dieser Ekel kommt und wie dieser wahnsinnige Trend, vom Schlüsselbein bis zu den Knöcheln rasiert zu sein, überhaupt entstanden ist. Dass wir uns bei dieser haarigen Angelegenheit den Mund fusselig reden, kommt nicht von ungefähr. Schließlich steckt viel mehr hinter der scheinbar simplen Rasurthematik, als wir uns vorstellen können.

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    Körpersoziologie – Was hat es damit auf sich?

    Imke Schmincke: Die Körpersoziologie hat sich in den letzten 15 Jahren etabliert. Der Körper wird nicht als etwas rein Materielles und Physisches gesehen, wie in der Biologie oder Medizin – im Gegenteil: der Körper wird sozial relevant gemacht. Die Soziologie als Textwissenschaft hat sich erst in den letzten Jahren zunehmend mit Praktiken beschäftigt, also mit dem, was der Körper macht, auch unabhängig von Bewusstsein und Kognition. Zum Beispiel handelt es sich bei Begrüßungen um bestimmte Routinen, die wir sozial gelernt haben und die wir mehr oder weniger automatisch ausführen. Wir müssen ja nicht, wenn wir uns sehen, erst überlegen, wie wir uns dieser Person gegenüber zu verhalten haben. Da hat sich im Körper eine soziale Verhaltensregel sedimentiert. Der Körper ist sozialen Normen ausgesetzt und wird von ihnen beeinflusst. Die Bekannteste ist wahrscheinlich die Schönheitsnorm, die für Frauen relevanter ist als für Männer, weil der Körper entsprechend im Fokus steht, wenn es um Attraktivität und Wahrnehmung als Frau geht.

    Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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