10 Fragen, 10 Antworten: Warum finden wir Körperbehaarung so eklig?

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    Welche Funktionen hat die Körperbehaarung aus soziologischer Sicht?

    Imke Schmincke: Die Körperbehaarung ist ein spannendes Thema für die Soziologie, weil sie sozialen Normen unterliegt und historisch kulturell unterschiedlich gehandhabt wird. Im 19. Jahrhundert zum Beispiel wurden die „Indianer“ in den USA als Menschen mit wenig Körperhaar von den weißen Siedlern problematisiert. Als Legitimation, andere Menschen zu unterdrücken, brauchte es eine Trennung in Menschen und Nicht-Menschen. Da wurde die wenige Körperbehaarung der amerikanischen Ureinwohner als Zeichen dafür genommen, dass etwas bei ihnen nicht stimmen kann. Die Trennung zwischen Natur und Kultur, und damit einhergehend auch die Trennung zwischen Mensch und Tier, wurde unter anderem an so etwas wie Körperbehaarung festgemacht. Die Behaarung wurde Symbol für kulturelle Überlegenheit, auch zwischen Männern und Frauen. Auch für Frauen, die als naturnäher und von ihren Hormonen geleitet definiert wurden, galt, dass Körperbehaarung unter des Haupthaares unweiblich ist. Das ist etwas, was sich im 20. Jahrhundert mit unterschiedlichen Konjunkturen entwickelt hat.

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