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Fernbeziehung: Eine Tragödie in drei Akten

Kann eine Fernbeziehung funktionieren? Unser Kolumnist Matthias Starte findet: Nein! Und vergleicht die Liebe auf Distanz mit einer Tragödie in drei Akten.

Fernbeziehungen sind schrecklich! Immer. Und alles verändernde Liebesgefühle täuschen einen über Vernunft und Logik hinweg. Bereit für große und dramatische Entscheidungen, wirft man sich in den Sattel. Gefühle wie in einem Roman von Nicholas Sparks benebeln unsere Sinne. Wir fühlen uns mutig – und treffen doch nur dumme Entscheidungen.

 

I. Verlieben mit Kompromissen

 

Fernbusse, Mitfahrgelegenheiten und L’Tur-Tickets lassen selbst Ländergrenzen überschreitende Verbindungen wie Hamburg-München in regelmäßig am Wochenende bezwingbare Reichweiten schrumpfen. Die Liebe überwindet alle Hindernisse. Auch das erste Streitgespräch am Telefon. Wie frustrierend, nur auf die Tonlage der Stimme des jeweils Anderen angewiesen zu sein! Streit und Missverständnisse werden durch Skype-Sex abgebaut. Natürlich nur, wenn genügend Bandbreite und AA-Batterien verfügbar sind.

Fernbeziehung ist eine Kompromiss-Maschine. Ein positives Endprodukt gibt es nur mit Guter Miene zum bösen Spiel – und ganz viel Geduld.

 

II. Komprimierte Beziehung

 

Endlich Wochenende. Stundenlang sitzen. Hoffentlich neben einer Steckdose. Statt zu arbeiten oder lesen, schaut man ja doch nur Serien. Jemand hat natürlich ein Baby dabei und die ältere Dame telefoniert zu laut. Letzte Station, das romantische Wochenende zu zweit ist in greifbarer Nähe.

Die Umarmung ist lang und voller Hoffnung. Dennoch irgendwie fremd und ungewohnt. Die Gewöhnungsphase dauert länger als gedacht. Man will so vieles sagen und fühlen. Am besten alles auf einmal nachholen. Stattdessen komprimieren sich Streit, Sorgen und Ängste auf ein Wochenende. Nix hilft. Wenn man nicht redet, gibt es kaum einen Unterschied zu einer Sexbeziehung.

Nach der Rückfahrt kommt die Einsamkeit. Der Frust, der sich in einem einfachen Telefonat über die vergessene Zahnbürste entlädt. Und das kalte Bett, welches man sich nur mit ihren Nacktbildern auf dem Handy teilt.

 

III: Das Ende

 

Ein Wochenende Pause. Die nächste Party allein mit Freunden. Eine Affäre, allein aus dem Grund der Verfügbarkeit. Die Beziehung ist zu Ende. Ein letzter Besuch, der Anstand verlangt das. Zwischen Streit, Tränen und Abschieds-Sex ein kurzes Gefühl der Erleichterung.

Auf der Rückfahrt einsame Gedanken. Einen Ort verlassen, ohne wirklich angekommen zu sein. Das Herz schwer von Kummer und dem Gefühl, versagt zu haben. Mit jedem Meter Richtung Zuhause schrumpft der Ballast. Das ganze Leben neu vor einem. Zurück auf Anfang. In die Arme der Freunde, die einen noch nicht vergessen haben. Wieder Zuhause sein. Sein eigenes Leben führen. Die suche nach dem passenden Gegenstück zu seinem Herzen von vorn beginnen.

 

Matthias Starte ist Autor und Filmemacher. Im Norden geboren, in München Zuhause. Am liebsten isst er Bacon-Cheeseburger, trinkt dazu Spezi und redet mit anderen Vinyl-Snobs über Interviews mit Questlove. Aktuell arbeitet er an seinem Langfilmdebüt und schreibt diese Kolumne über Liebe und Beziehung.

Bildquelle: via pexels unter CC0 Lizenz

Kommentare

  1. Für einen Moment habe ich gedacht, dass ich einen Artikel des „Postillion“ lese. Ich habe 6 Jahre eine beziehung geführt. Habe geführt heißt in diesem fall aber nicht, dass wir uns getrennt haben, sondern dass wir mittlerweile zusammen wohnen. Klar gibt es immer Fälle die so etwas bestätigen aber allgemein zu sagen „das ist zum scheitern verurteilt.“ AUf die gefahrjetzt doch als „ausnahme“ tituliert zu werden, aber allein schon der letzte Teil des Artikels macht mich fast schon wütend. Das klingt für mich nach einem, zugegegeben grausamen, Versuch Fernbeziehungen zu verteufeln. Der beitrag wirkt wie von jemandem geschrieben der davon keine ahnung hat, sondern per Zufallsprinzip diesen Artikel als auftrag bekommen hat.

    Robin Dreier / Antworten
  2. Ich stimme dem Autor in fast keinem Punkt zu. Ja es mag nicht einfach sein aber keinenfalls kann man eine Fernbeziehung von vornherein als schrecklich definieren. Bevor man nicht ausprobiert hat, ob es funktioniert sollte man nicht sagen es ist unmöglich. Natürlich kommt es auf viele verschiedene Faktoren (bspw. die Dauer) an, ob es “ leichter“ oder „schwieriger“ ist, aber wenn es beide wollen und sich Mühe geben ist es auf jeden Fall möglich.
    Mein Freund und ich sehen uns ca alle vier Wochen für 3 oder manchmal auch mehr Tage, aber nie waren wir uns bei einer Begegnung fremd oder haben eine Gewöhnungsphase gebraucht. Fürs Kontakt halten gibt es so viele Möglichkeiten, die Post um sich Briefe oder Überraschungen zu schicken, Skype um sich zu sehen, das Telefon um zu reden oder WhatsApp für die Nachrichten zwischendurch. Und tatsächlich beruhen die einzigen Streitigkeiten auf Missverständnissen, die durch Nachrichten entstehen, aber nicht in der Zeit, die wir gemeinsam verbringen.
    Ich möchte nicht sagen, dass es einfach ist, aber eine Fernbeziehung ist nicht unmöglich!

    Lisa / Antworten
  3. Finde ich schade die Fernbeziehung auf diese Art zu pauschalisieren. Führe seit einem Jahr eine Fernbeziehung und habe noch nie einen Menschen so intensiv wahrgenommen. Wir kennen uns in und auswendig schon allein durch die langen Telefonate. Die Zeit die man zur Verfügung hat nutzt man eben wirklich und gammelt nicht vor dem Fernseher oder hängt am Handy.
    Außerdem habe ich viel Zeit für meine Freunde unter der Woche. Wir haben beide also viele Freiheiten.
    Solange man auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet ist eine Fernbeziehung definitiv nicht aussichtslos

    Anna / Antworten
    • Liebe Anna, ich schließe mich grundsätzlich deiner Meinung unter dem Vorbehalt, dass beide sich Mühe geben und man miteinander redet, redet, redet. Und tatsächlich ein gemeinsames Ziel hat. Ich führe seit 3.5 Jahren eine Fernbeziehung und fühle mich immer mehr einsam und bin in dem Kreislauf gefangen, den der Autor oben beschreibt. Wenn nur einer sich Mühe gibt, auch ein bisschen Alltag herzustellen und zu leben, langt es glaub ich nicht. Immer nur Wochenende und Sonnenschein reicht auf Dauer nicht aus.

      Bohrer Gabi / Antworten

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