Warum wählen junge Menschen die AfD?

AfD Landtagswahl

Von Hannah Frontzek und Catharina Prott

Am vergangenen Sonntag brachte die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern viele Bürger in die Wahllokale – 61 Prozent gingen wählen, deutlich mehr als in den letzten Jahren. Zur zweitstärksten Kraft hinter der SPD wurde mit 21 Prozent die AfD gewählt. Die heftig diskutierte Flüchtlingskrise schürte viel Angst und Hass unter den Menschen, die meisten etablierten Parteien stellen sich trotzdem hinter Angela Merkel mit ihrer liberalen Flüchtlingspolitik. Das macht es für die AfD umso leichter, die verzweifelten Bürger aufzufangen und auf ihre Seite zu ziehen. 56.000 ehemalige Nichtwähler konnte die AfD  nun zu den Wahlurnen locken. Laut Spiegel Online votierten sogar 18.000 Wähler, die vor vier Jahren noch die Linke gewählt haben, diesmal für die AfD. Wir erleben 2016 also eine Repolitisierung der Bevölkerung – das ist einerseits ein gutes Zeichen für die Reichweite der Demokratie. Ein sehr rechtslastiges allerdings.

 

„AfD wählen ist so 1933.“

 

Man könnte meinen, wir haben aus den Erlebnissen unserer Großeltern gelernt. Doch so tabu wie dieser Gedanke eines Wiederauflebens der nationalsozialistischen Ansichten nach dem Krieg war, so präsent ist er nun wieder in den Köpfen vieler Menschen und erschreckenderweise auch in vielen der Generation Y. Wir wollten uns nicht mehr zur Verantwortung für den Terror der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs ziehen lassen, in Urlauben waren wir genervt von den rechten Parolen, die uns zugerufen wurden. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen, das klarzustellen und uns von diesen Ansichten zu distanzieren. War wohl nix.

 

Eine rechtspopulistische Partei also wählen, um den anderen eins auszuwischen – ist das jetzt cool?

 

Fragen machen sich in den Gedanken und Diskussionen breit. Wer hat was falsch gemacht? Waren es die Bildungsinstitutionen? Oder die fehlende Aufklärung im Elternhaus? Letzten Endes haben sich viele junge Wähler nun entschieden, aus welchen Gründen auch immer. Der größte Teil der befragten AfD-Wähler, also 66 Prozent, nannte die Unzufriedenheit mit anderen etablierten Parteien als ihren Grund für die Stimmvergabe, weniger aus eigentlicher Überzeugung von der Partei. In Mecklenburg-Vorpommern waren laut Spiegel die 35-60-Jährigen die am stärksten vertretene Altersgruppe bei den Stimmen für die AfD, aber auch 15 Prozent der 18-24-Jährigen machten ihr Kreuzchen bei den Rechtspopulisten.

Wir haben uns gefragt: Warum wählen junge Menschen die AfD? Ein Großteil unserer Generation hat Angst um die Zukunft und sieht die eigene Freiheit und Sicherheit bedroht. Und das alles wegen Flüchtlingen? Die Deutschen haben Angst vor dem Wachstum des Islams und zunehmender Gewalt – also einem Deutschland, das sich verändert. Sind wir ehrlich, es wirkt eher so, als hätten diese fremdenfeindlichen Gedanken und Volksideologien in vielen Köpfen nur geschlummert und wurden jetzt neu zum Leben erweckt oder, wie bei vielen jungen Menschen, überhaupt erst neu entfacht. Da sollten wir uns eher Gedanken um die Einstellungen der eigenen Leute machen als die Schuld den neu ankommenden Flüchtlinge in die Schuhe zu schieben.

 

Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten?

 

Es haben sich bereits einige Jugendorganisationen als der AfD zugehörig gebildet. Eine davon: die „Junge Alternative für Deutschland“. Sie wurde 2013 gegründet und soll nun von der AfD als offizielle Jugendorganisation anerkannt werden. Die Jugendgruppe der AfD gibt es mittlerweile in jedem Bundesland, sie besitzen bereits den Ruf, noch radikaler zu sein als die Mutterpartei. Ein Facebook-Beitrag, der indirekt als Aufruf zur Gewaltbereittschaft verstanden werden könnte, machte darauf aufmerksam, dass Selbstjustiz „die neue Polizei“ sei. Der JA-Bundesvorsitzende Philipp Ritz gab vor dem Spiegel offen zu: „Natürlich provozieren wir bewusst, um junge Menschen zu erreichen“. Ob das allerdings nur noch unter Provokation zu verstehen sei, fragte sich der Soziologe und Experte für Rechtsextremismus Alexander Häusler. Er sieht starke Tendenzen zu rechten Gruppen und Ansichten. Viele der Mitglieder haben rechtsradikalen Hintergrund oder sind parallel für Zeitschriften und andere Institutionen in der rechten Szene tätig.

Immerhin bestimmt unsere Generation die Zukunft mit und wenn wir dann, wie die AfD, den Klimawandel leugnen, was dann? Oder wenn die Elite dank der AfD an Bedeutung verlieren und die Frau wieder an den Herd soll, für was studieren wir dann? Sicher wäre es für viele hilfreich gewesen, sich das Wahlprogramm der AfD anzuschauen und dann noch einmal gründlich zu überdenken, wo das Kreuz gemacht wird. Dafür müsste man aber viel lesen.

 

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Bildquelle: Metropolico.org

Praktikantin: Bei mir geht es in alle Richtungen. Mit meinem Gepäck treibe ich mich irgendwo zwischen München und Dublin herum oder wohin es mich eben sonst so verschlägt. Wenn ich nicht gerade am Bodensee studiere, atme ich die Luft fremder Kulturen und probiere mich an neuen Sprachen. Meine treuen Wegbegleiter sind neben meinen Lieblingsmenschen meine Begeisterung für Architektur und Kinfolk. Kiwis, Fahrräder und Streifenshirts sind auch nicht schlecht. Aber Schreiben ist natürlich meine Number One.