LGBT: Wie sich Täter mit „Trans Panic“ zu Opfern stilisieren

trans panic

James Dixon plädiert vor einem New Yorker Gericht auf nicht schuldig. Vor wenigen Tagen wurde sein Fall entschieden. Aus Mord wurde Totschlag. Aus einem Täter ein Opfer. Seine Begründung „Trans Panic“, ein Affekt, der seine Tat rechtfertigt und damit auch mildert. Die Verwirrung über die geschlechtliche Identität einer Person führt zum Ausrasten einer anderen. Dieser Fall treibt unsere Konzepte von Männlichkeit, von Rechtmäßigkeit, von Ehre auf die Spitze, führt uns vor, was für groteske Bilder nach wie vor in manchen Köpfen herrschen.

Denn James Dixon gesteht, dass er die Transsexuelle Islan Nettles bewusstlos geschlagen hat. Tage später stirbt sie an den Folgen. Aber schuldig? Nein, das ist er nicht: „Ich laufe nicht herum und verprügle Homosexuelle. Mir ist egal, was sie tun. Ich möchte nur nicht verarscht werden. Mein Stolz steht auf dem Spiel.“ Eine Woche zuvor fühlte er sich von einer anderen Transgender vorgeführt, weil er sie – eine Transgender – attraktiv fand. Diese Kränkung war wohl so schlimm, dass er noch sieben Tage später bei einer vollkommen anderen Person austickte. Das Gericht verstand seine Reaktion, legitimierte sie durch ihr Urteil.

 

Pure Selbstverteidigung – sagen die Täter

 

Trans Panic und Homosexual Panic sind in 49 US-Staaten nach wie vor als Verteidigung erlaubt, einzig Kalifornien erklärte diesen Affekt 2014 als nicht zulässige Begründung. Die Angeklagten plädieren dabei auf unschuldig, weil die sexuelle Orientierung und Gender Identity des Opfers den Verlust ihrer Selbstkontrolle scheinbar nicht nur erklärt, sondern sogar entschuldigt. Pure Selbstverteidigung – sagen die Täter.

Für den U.S. Marine Joseph Scott Pemberton geht es nicht nur um eine Frage des Stolzes. Weil er sich von der Transfrau getäuscht fühlte, wurde für den Amerikaner aus einem einvernehmlichen Geschlechtsakt eine Vergewaltigung. Er erdrosselte die Transgender Jennifer Laude.

Wird aus Geschlechtsverkehr eine Vergewaltigung, wenn der andere nicht alles über einen weiß? Kann man deswegen in Panik geraten, so sehr den Verstand verlieren, dass man die andere Person tötet? Wird die Ehre beschmutzt, wenn man Sex mit jemandem hat, zu dem man sich in seinen Vorstellungen nicht hingezogen fühlt, es in der Realität aber tat?

 

Warum Alphamännchen unantastbar sind? Weil halt.

 

Diese Fälle sind nur Beispiele dafür, wie die Angst vor Sexualitäten außerhalb der Heteronormativität Mord, Körperverletzungen und Diskriminierungen rechtfertigen. Was als Panikreaktion, als Kontrollverlust erklärt wird, ist im Endeffekt nur eine Ausrede für gekränkten Stolz, ein weiteres Sinnbild für eine Gesellschaft in der Alphamännchen unantastbar sind. So wie Staatschefs von Satire ausgeschlossen werden dürfen. Eben weil halt.

Doch nicht nur in weit entfernten U.S.-amerikanischen Gerichten existiert die Angst von Männern von Homosexuellen oder Transsexuellen begehrt zu werden. Auch in Deutschland gibt es genügend Formen der Diskriminierung und Gewalt gegen Personen aus der LGBT-Community. [Ironie an] Aber keine Sorge, ihr armen, sexualisierten und damit degradierten Männer, es gibt noch Hoffnung auf Änderung. Immerhin hatte man mal ein ähnliches Problem mit den Frauen, und die sind heute ja – zum Glück – vor allem untergeordnete Sexualobjekte.

So war der österreichische Philosoph Otto Weininger noch Anfang des 20. Jahrhunderts der Meinung, Frauen hätten ihre Lust nicht unter Kontrolle, wären quasi ständig auf der Suche nach Befriedigung. So wie Transsexuelle heute. Damals hat man das dann fein als Erklärung dafür verwendet, warum das andere Geschlecht weniger intelligent sei und nicht zur Generierung eigener Ideen im Stande. Heute rechtfertigt das eben sämtliche Formen der Selbstverteidigung, die dann eben auch mal proaktiv stattfinden. [Ironie aus]

 

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Bildquelle: Dhery Moelz unter CC.0 Lizenz

Autorin: Vulnerarbility is scary, but pure. In it you can find bravery. - Raquel Franco