Liebeserklärung an: Die Gorillaz

Frau hält sich Gorillaz-LP vors Gesicht

Es sind die kleinen Dinge, die uns den Alltag versüßen. Wir alle kennen diese kleinen Muntermacher, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder die guten Tage noch schöner werden lassen! Unsere Liebeserklärung bietet diesen Glücksmomenten eine Bühne.

Liebe Gorillaz,

als ich euer Debüt-Album damals vor 20 Jahren in die Finger bekam, war ich elf Jahre alt. Ich habe das Album damals im Spanien-Urlaub im Hotelzimmer immer wieder durchgehört. Mit meinem Discman, wahlweise mit Kopfhörern oder den Lautsprechern, die ich normalerweise an meinen Computer anschloss, sie aber für solche Zwecke auch gern entfremdete. Man konnte den Bass so herrlich weit aufdrehen, dass er alles andere fast schon übertonte, was mir damals unheimlich gefiel.

Ungeachtet der spanischen Sonne und meiner akustischen Vorlieben: Euer Debüt-Album, das ihr einfach nach euch selbst benannt habt, sollte etwas Besonderes werden. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen aus klassisch-kommerzieller Sicht: Auf dem Album fehlen, mit Ausnahme von „Clint Eastwood“, die Hits. Trotzdem stieß es in zahlreichen europäischen Ländern in die Top Ten vor, heimste Gold- und Platin-Auszeichnungen ein. Selbst in den USA, wo es „nur“ auf Rang 14 kam, besitzt es heute Platin-Status. Das sollte im Grunde auch für all eure kommenden Alben gelten: Kaum Songs mit Chart-Potenzial, aber eben mit dem Album selbst immer doch ziemlich weit vorn. Das spricht für die Bandbreite eurer Musik, für deren Begeisterungspotenzial als Gesamtheit.

Zum anderen ist euer Debütalbum, ist eure Musik überhaupt, etwas Besonderes, weil sie sich derart vielen verschiedenen Genres bedient. Von so etwas bin ich, das gebe ich zu, nicht unbedingt ein großer Fan. Denn so etwas kann leicht danebengehen, nach dem altbekannten Motto „Zu viele Köche verderben den Brei“. Im Grunde wie ein Salat, bei dem man es so gut gemeint hat, dass man von allem eben ein kleines Bisschen reingetan hat, sich letzten Endes aber alle Zutaten zu etwas zusammenfügen, dem es an einer geschmacklichen Basis mangelt. Ergo: Man weiß nicht genau, was das Ganze eigentlich sein soll.

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.