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Eine Liebeserklärung an: Das Freibad

Sie sind seit Generationen die letzte Rettung in immer heißeren Sommern. Höchste Zeit für eine Liebeserklärung an all die Freibäder in Deutschland, die für schnelle Abkühlung sorgen.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Ganz langsam neigt sich der Sommer nun dem Ende zu und dieses Mal schleicht sich neben dem vertrauten Gefühl, den Sommer schon bei den ersten herbstlichen Regenschauern zu vermissen, klammheimlich auch ein Gefühl der Erleichterung ein. So heiß wie in diesem Jahr war es (fast) noch nie. Wir hatten Temperaturen von über 39°C und machten damit auch den beliebtesten Urlaubszielen Konkurrenz.

Und nun, da sich die Gemüter langsam wieder abkühlen, ist es höchste Zeit, einen Dank an die Institution auszusprechen, die in der brütenden Hitze einen klaren Kopf behalten und uns mit dringend notwendiger Abkühlung versorgt hat. Liebes Freibad, dieser Dank gilt dir und dir allein. Was hätten wir ohne dich getan, als sich die Studentenbutze unter’m Dach langsam aber sicher in einen Kochtopf verwandelt hat? Was wären wir ohne deine Erfrischung gewesen, als ungeschickte, provisorische Papierfächer der Marke Eigenbau die bleierne Wärme in Bewegung setzten und statt kühler Briesen lediglich schale Wärmewalzen erzeugten.

 

Das Wasser zieht uns magnetisch an

 

Im Sommer zieht es uns einfach magnetisch ans Wasser und das Schwimmbad ist einfach die schnellste Möglichkeit, sich seine tägliche Ration Erfrischung zu sichern. Freunde eingepackt und ohne Umweg ins Freibad! Klar, der See ist auch ganz schön und wir sind um unsere Flüsse zu beneiden, aber das Freibad ist doch so nah und manchmal ist es doch auch ganz schön, wenn man im klaren Wasser bis zum Grund schauen kann und nicht bei jedem Schritt überlegt, welche wundersamen Lebewesen wohl in dem Gewässer ihr Leben fristen. Also schiebt sich die menschliche Karawane so zielstrebig in Richtung Freibad wie die Temperatur auf dem Thermometer auf die fünfunddreißig Gradmarke. Bereits am frühen Vormittag umkreisen Badehosen, Bikinis und Badeanzüge den Außenpool oder bevölkern das Nass wie Motten das Licht.

 

Es riecht nach Chlor und Sonnencreme

 

Das ist der Moment, in dem sich der Vorhang hebt für den feuchtfröhlichen Slapstick, der so nur auf der großen Bühne „Freibad“ zur Aufführung gebracht werden kann. Der Chlorgeruch kitzelt ein bisschen in der Nase, während der Nachbar zwei Badetücher weiter auch noch den allerletzten Tropfen Sonnencreme aus seiner Tube quetscht, um seinen porzellanweißen Astralkörper vor den gnadenlosen, alles verbrennenden Sonnenstrahlen zu schützen.

Puterrote Mütter duellieren sich darin, die Schwimmflossen ihrer Kleinen am schnellsten aufzublasen, während die Väter das Revier gegen mögliche Badetuchrivalen verteidigen. Dem kleinen Matze fällt die gerade frisch erworbene Kugel Schokoeis von der Waffel auf die Liegewiese und er pumpt seine Lungen auf, um seinen Verlust lautstark der Umgebung kundzutun. Der verzweifelte Elternteil vermag den Kleinen erst ruhigzustellen, als Ersatz besorgt ist und keinem ist entgangen, dass es nun zwei Kugeln sind – diesmal allerdings im Pappbecher.

 

Der Lack ist zwar schon etwas ab…

 

Liebes Freibad, du bist nicht unbedingt der Inbegriff von Sexyness. Glamour ist dir fremd. Du hast schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel und da ist es ganz normal, dass du nicht mehr ganz frisch aussiehst. Ab und an verströmst du einen Chlorgeruch, der etwas aufdringlich ist und wenn das Wetter allzu gut ist, wird es schon mal etwas eng auf deiner Liegewiese.

Aber du gehörst eben auch schon seit Generationen ganz selbstverständlich dazu. Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten öffentlichen Bäder pro Einwohner in der Welt – und das seit Jahrzehnten. Liebes Freibad, du hast dir deinen Kultstatus hart erarbeitet und so leicht kann dir den keiner wegnehmen.
Du bist der Ort, an dem wir schwimmen gelernt haben. Wir waren kaum größer als einen Meter, als wir stolz am Beckenrand standen und uns mit einem „Seepferdchen“ offiziell die Qualifikation zum Schwimmen zugesprochen wurde. Das Eis als Belohnung empfanden wir damals mehr als angemessen und es hatte den unverwechselbaren Geschmack des Erfolgs. Eis hat seither selten so gut geschmeckt!

 

Von Pommes und weißen Plastikstühlen

 

Liebes Freibad, du bist der einzige Ort, an dem lauwarme Pommes wirklich gut schmecken, weil man nach einer halben Stunde im Wasser das Gefühl hat, den versäumten Sport einer ganzen Woche nachgeholt zu haben. Nackte Haut auf weißen Plastikstühlen, die durch Pollen, Regen und Sonnencreme bei genauerer Betrachtung gar nicht mehr so weiß sind, macht nur im Freibad Spaß.

Aber wie bei allen Dingen, die man gern hat, weiß man sie erst richtig zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Liebes Freibad, reden wir nicht drum rum: Du bist nicht ganz einfach zu unterhalten. Dich zu renovieren ist teuer und vielen Gemeinden liegst du häufig einfach nur auf der Tasche. Dass sich da die ein oder andere Gemeinde lieber ein schickes neues Spaßbad an Land zieht, das sich dann sogar über private Betreiber finanziert, ist doch nur verständlich. Und auch für die Besucher ist es – keine Frage – auch mal ganz nett einen Tag in einer tropischen Badewelt zwischen Plastikpalmen und Rattanliegen zu vertrödeln, aber irgendwann ist auch die letzte Sauna oder Rutsche besucht und erkundet und bald sehnt man sich nach dem Jahrzehnte alten und vertrauten Geruch aus Chlor, Pommes und Eiscreme.

 

Egal ob arm, reich, jung oder alt

 

Es gibt sie nur noch selten in unserer Gesellschaft, diese Orte, an denen die Gesellschaft zusammenkommt, aber das Freibad ist so ein Ort. Egal ob arm oder reich, jung oder alt, im Freibad gelten diese Unterschiede nicht. Jeder ist hier, um Spaß zu haben. Der Sommer neigt sich in Deutschland dem Ende zu und das bedeutet, dass auch die Freibäder langsam den Winterschlaf antreten werden, doch bis dahin gilt Business as usual und an den letzten wirklich heißen Tage werden die Freibäder wie üblich pickepacke voll sein. So ist es seit Jahrzehnten und, liebes Freibad, einen Sommer ohne dich möchte ich wirklich nie erleben müssen!

 

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Bildquelle: Joe Pizzio unter CC0 Lizenz

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