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Liebeserklärung an: den Game Boy

Dieses Jahr wirst du 30 Jahre alt, lieber Game Boy. Du bist der Inbegriff mobiler Unterhaltung. Auf zweieinhalb Zoll Bildschirmgröße fand auf dir dank „Tetris“, „Pokémon“ & Co. etwas Magisches statt.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Lieber Game Boy,

eine Schönheit, das musst du zugeben, bist du nicht. „Es sind die inneren Werte, die zählen“, würde ich jetzt gern sagen. Aber auch das trifft bei dir nicht zu. Denn auch technisch warst du 1989, als du das Licht der Welt erblicktest, keine Besonderheit. Dadurch drängt sich die Frage auf: Warum hast du es trotzdem geschafft? Warum hast du es trotzdem geschafft, dich fast 120 Millionen mal zu verkaufen? Warum hast du es trotzdem geschafft, das mobile Spielen salonfähig zu machen?

Nicht schön, aber dafür robust und langlebig

Um das zu verstehen, muss man etwas Grundlegendes über Nintendo wissen. Deren Maxime lautet, dass man die Hardware immer zu einem möglichst günstigen Preis anbieten möchte. Die dafür nötigen Einschnitte versucht man dann irgendwie auszugleichen. In deinem Fall, lieber Game Boy, sind das vor allem zwei Punkte. Hochwertiges Material und Design sucht man bei dir vergebens, dafür bist du aber robust. Du hast selbst Bombenanschläge im Golfkrieg überstanden. Eine Hintergrundbeleuchtung hast du nicht, dafür hielten die Batterien aber verdammt lange durch.

„Tetris“ sei Dank: Selbst Hausfrauen und Intellektuelle spielen mit

Außerdem war es damals clever von Nintendo, dir ein fast süchtig machendes Spiel beizupacken. Sein Name: „Tetris“. Das vom russischen Programmierer Alexei Paschitnow erdachte Spiel besitzt ein ebenso simples wie geniales Spielkonzept. So ziemlich jeder konnte etwas damit anfangen, Blöcke fallen zu lassen und zu verschieben, damit lückenlose Reihen entstehen. Damit holtest du, lieber Game Boy, sogleich Leute ins Boot, die sich niemals in einer Kneipe vor einen Arcade-Automaten gestellt hätten, um auf Highscorejagd zu gehen. Aber im heimischen Wohnzimmer, ganz privat auf diesem kleinen Bildschirm? Liebend gern. Und so spielten dann auch Uni-Professoren, Hausfrauen und andere Menschen mit dir, die bis dahin einen Joystick noch nicht mal mit Handschuhen angefasst hätten.

Einmal angeschaltet und Nintendo hatte mich am Haken

Ich kam mit dir erstmals Ende der 1990er in Berührung. Irgendwann bekam ich dich in deiner ersten überarbeiteten Version, als „Game Boy Pocket“, zum Geburtstag geschenkt. Das war die erste Version von dir, die tatsächlich in die Hosentasche passte, ohne dass es so aussah, als habe man einen Leistentumor. Einmal angeschaltet und Nintendo hatte mich am Haken. Ich entdeckt mit der rosafarbenen Knutschkugel Kirby das „Dreamland“. Ich hechtete mit Donkey Kong durch üppig wuchernde Dschungellandschaften. Und, vielleicht die schönste Erfahrung von allen: Ich zog mit meinem allerersten Pokémon Schiggy los, um Pokémon-Meister zu werden.

Wer spielt, setzt alle Masken ab

Ich bin sicher nicht der einzige, der sich an diese unheimlich merkwürdigen Level in „Super Mario Land“ erinnert. Die Osterinseln? Pyramiden? Taranteln? Das war schräg. Und schwer. Meine Schwester kam damals immer viel weiter als ich. Was mich aber nicht gestört hat, im Gegenteil. Du hast meine Liebe zum Medium Videospiel geweckt, und zwar so sehr, dass ich allein schon Spaß dabei hatte, jemandem zuzusehen, wie er spielt. Bis heute ist das so. Wer spielt, zeigt sein wahres Gesicht. Denn beim Spielen liegen Erfolg und Niederlage nah beieinander. Hierbei zeigt sich, wer Geduld hat und dazu fähig ist, um die Ecke zu denken. Wer dich in der Hand hält und sich an einem Spiel die Zähne ausbeißt, lieber Game Boy, setzt alle Masken ab. Offenbart Wut, Trauer, Verzweiflung, wird manchmal vielleicht sogar zum Tier.

Dein zweiter Frühling

Apropos: 1999, als in Europa die ersten „Pokémon“-Spiele erschienen, erlebtest du nochmal einen zweiten Frühling. Normalerweise beträgt der „Lebenszyklus“ eines Videospielsystems etwa sechs bis sieben Jahre. Wenn man den „Game Boy Color“ mitzählt, hast du gut 14 Jahre durchgehalten. Das ist schon beeindruckend. Denn wer benutzt heute, im Jahre 2019, noch ein Mobiltelefon von 2005? Oder einen Fernseher? Oder einen Computer? Eben. Niemand.

Magie auf zweieinhalb Zoll Bildschirmgröße

Jeder, der heute auf seinem Smartphone so etwas wie „Candy Crush“ spielt, lieber Game Boy, wandelt auf deinen Spuren. Du hast den Weg dafür geebnet, dass es heute „normal“ und gesellschaftlich akzeptiert ist, sich mit Videospielen die Zeit zu vertreiben. Ob im Wartezimmer beim Arzt, im Auto oder auch einfach so zu Hause, wenn man schlichtweg Lust darauf hat.

Dein damals so zweckmäßiges Design besitzt heute ikonischen Status. Du bist zu sehen auf T-Shirts, auf Caps, auf Tragetaschen. Du hast uns damals unheimlich viel Spaß beschert, lieber Game Boy. Mit Super Mario über Stock und Stein, mit Link Prinzessin Zelda befreien, mit Bisasam & Co. Pokémon-Meister werden. Du bist der Inbegriff mobiler Unterhaltung auf zweieinhalb Zoll Bildschirmgröße. Auf diesen zweieinhalb Zoll fand damals etwas Magisches statt, dass uns die Umgebung um uns herum für ein paar Minuten komplett ausblenden ließ. Danke dafür, lieber Game Boy.

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Bildquelle: Unsplash unter CC0-Lizenz

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