Eine Liebeserklärung an: Das Heimkommen

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Wieder Kind sein

 

In all diesen Momenten ist man gefühlsmäßig wieder daheim, aber wenn heimkommen ganz wörtlich sieht, ist es wohl der Moment, in dem man über die Schwelle in die Wohnung geht. Man macht die Tür auf und alles sieht im Großen und Ganzen wieder so aus, wie es immer war. Und dadurch ist alles auch mehr oder weniger so, wie es immer war. In der Stadt, in der man studiert, ist man eine erwachsene Person, zuhause ist man das Kind. Eigentlich klappt das mit dem Erwachsensein auch ganz gut, man kümmert sich um seinen eigenen Haushalt, man geht einkaufen, geht zu Behörden, regelt den Unikram, alles kein Problem. Aber wenn man heimkommt, fragt man sich, wie man das sonst nur macht. Man verfällt automatisch wieder in das Kindsein zurück. Es ist ja auch noch nicht so lange her, dass man ein pubertierender Teenager war. Und die Eltern erinnern sich noch sehr gut an diese Zeit, auch wenn man selbst die vielleicht gerne verdrängt. Und da sie sich so gut erinnern, behandeln sie einen auch wie einen Teenager. Das hat den Vorteil, dass man sich auf einmal wieder um nichts wirklich kümmern muss. Kochen, aufräumen, das macht jemand anders für einen. Heimkommen ist dann auch ein bisschen wie Urlaub machen, auch wenn es nur für ein Wochenende ist. Auf einmal fühlt man sich wieder frei von allen Verpflichtungen. Ganz besonders, weil man ja oft genau dann heimfährt, wenn man gerade nicht so viel Stress hat, in den Semesterferien zum Beispiel. Das allein wäre ja schon Entspannung pur, aber gegen so ein bisschen bemuttert werden zusätzlich lässt sich auch nichts einwenden.

 

Und gleichzeitig erwachsen sein

 

Das Tolle am Heimkommen ist also, dass man wieder alle Vorteile von früher genießt. Aber was ist mit den ganzen pubertären Zickereien, müssten die dann eigentlich nicht auch wieder kommen? Eben nicht, weil man sich dann doch wieder wie der Erwachsene verhält, der man außerhalb von Zuhause auch eigentlich ist. Man merkt, dass die eigenen Eltern auch nur ganz normale Menschen sind, mit denen man wunderbare Gespräche führen kann.

Zuhause kann man sich also irgendwie aussuchen, ob man gerade vernünftig sein will, oder doch lieber noch Kind. Während man noch studiert, ist man noch jung genug, dass das völlig problemlos funktioniert. Es ist ja auch nur ein paar Jahre her, dass man wirklich erst Kind war. Und gleichzeitig wird man zuhause auch wieder daran erinnert, wer man mal war und auch immer noch ist. Heimkommen ist dann wie eine Reise zu seinem früheren Ich. Im Studium kann man sich eine ganz neue Persönlichkeit erschaffen haben. Das kleine verträumte Mädchen von zuhause kann im Studium die extrovertierte Partygängerin sein. Und wenn man heimkommt und wieder zum kleinen Mädchen wird, dann merkt man vielleicht erst, dass sich beides gar nicht ausschließt, sondern dass man einfach beides ist.

 

Immer wieder aufs Neue

 

Trotz allem weiß man von Anfang an, dass das alles nur ein Zustand auf Zeit ist. Man muss wieder zurück zum Studium, aber auch danach wird man mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wieder zuhause bei den Eltern einziehen. Das ist so gesehen dann ein bisschen schade, aber dafür kann man sich jedes Mal wieder aufs Heimkommen freuen.

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Bildquelle: Unsplash/I’m Priscilla unter cc0 Lizenz