Eine Idee Liebe: Meine Frau? Nie! Warum Frauen beim Fremdgehen seltener auffallen

Warum können Frauen ihre Seitensprünge besser vertuschen?. Bild: Unsplash

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Männer gehen fremd, Männer sind triebgesteuert und Männer sind auch diejenigen, denen in Beziehungen irgendwann langweilig wird. So bringt es uns zumindest der Volksmund bei. Aber stimmt das überhaupt? Und war das Märchen von dem promiskuitiven Ehemann und der betrogenen Hausfrau je wahr? Ein Ausflug in die verschwiegenen Untiefen der weiblichen Sexualität.

Ein kleines Dorf. Feuerwehrfest. Man kennt das. Eigentlich wäre allein dieses Event mal einen Text wert. Naja, vielleicht ein anderes Mal.

Ich sitze auf einer der zahlreichen Bierbänke, klammere mich an meinem Radler fest und beiße mir aufgrund des um mich herum stattfindenden Gespräches auf die Unterlippe. Neben mir sitzen einige Bekannte meiner Mutter – alles Frauen – und lästern über ihre Ehemänner, Partner und Freunde. Wenn ich solchen Gesprächen lausche, wundert es mich, dass Menschen überhaupt noch heiraten.

„Habt ihr schon gehört? Der Heinrich ist der Gisela fremdgegangen! So ein Idiot!“ „Nein! Echt?“ „Ja! Hab ich von der Hiltrud gehört und die weiß das von dem Otto, weil der Heinrich dem das erzählt hat!“ Meine Hände krallen sich nun so sehr ins Glas, dass meine Knochen weiß unter meiner Haut hervortreten. Ich atme flach durch die Nase. Twitter ist nichts gegen 6 mittelalte Frauen mit Langeweile. „Männer! Ich glaub’s ja nicht. Einer Frau würde sowas nicht passieren!“

Ich werde hellhörig. „Ach, ist das so?“ Die älteste Dame der Runde dreht sich zu mir um: „Na klar. Frauen haben zu viel zu verlieren. Stell mal vor das kommt raus. Da kannst du aber was erleben. Mann weg, Haus weg, Kinder weg, Ansehen weg. Das überlebst du doch nicht.“ Die Erkenntnis ist mir neu.

Sind Frauen tatsächlich immer noch so abhängig von ihren Partnern? Was steckt wirklich hinter weiblicher (Un)Treue?

Um das zu verstehen, sollte man sich nicht nur mit dem Konzept von Treue beschäftigen, sondern vor allem damit, wie unterschiedlich weibliche und männliche Lust in der Gesellschaft betrachtet werden. Denn wie Mann und Frau (wenn wir mal bei den binären Geschlechtsidentitäten bleiben) Lust erleben, ist keinesfalls ausschließlich ihre eigene Entscheidung, sondern wird durch die Gesellschaft geprägt. Ein richtig spannendes Thema, wenn man es mal im Laufe der Zeit betrachtet.

Das Lust-Paradox

Geschichtlich gesehen konnten sich die führenden Köpfe der Moral noch nie darauf einigen, wie sie die weibliche Sexualität einzuschätzen hätten und auch heute noch wird Frauen je nach Kulturkreis eine ganz unterschiedliche Menge an Lust zugestanden.

In der Antike unterlag man beispielsweise der Annahme, dass die Gebärmutter der Frau mit ihrem Hirn verknüpft sei. Hat die Frau zu viel Lust auf Sex, so ist ihre Gebärmutter krank und hat ihr Hirn befallen. Logisch, oder? Auch zu Zeiten der Hexenverbrennungen machten ähnliche Theorien die Runde. Eine Klitoris hätten nämlich nur Hexen. „Bei einem Hexenprozess im Jahre 1593 entdeckte der untersuchende Scherge (ein verheirateter Mann) offensichtlich zum ersten Mal eine Klitoris und identifizierte sie als ein Teufelsmal, sicherer Beweis für die Schuld der Angeklagten.“ Die weibliche Anatomie ist aber auch kompliziert!

Auch in der Philosophie war die Frau als sexuelles Wesen lange ein Mysterium. So hatte bereits Jean-Jaques Rousseau um 1750 panische Angst vor der Lust der Frau. Er ging zwar davon aus, dass eine Beziehung auch auf sexueller Anziehung beruhen sollte, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass man(n) auf der Hut sein müsse. Die Lust der Frau solle von Beginn an kontrolliert werden, da diese sonst den Mann tyrannisiere. Sie würde dazu führen, dass der Mann unüberlegte Entscheidungen treffe und sich irrational verhalte. Die Lust des Mannes sei demnach zivilisiert, während die Lust der Frau animalisch daherkomme. Ganz schön viel Macht, die dem weiblichen Geschlecht zugesprochen wird.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.