Linn Strømsborg: Nie, nie, nie – Vom Frausein ohne Kinderwunsch

Linn Strømsborg

Stell dir vor, du stehst mit beiden Beinen im Leben, du bist optimistisch und hast dein Glück in der Liebe gefunden – doch plötzlich gerät alles ins Wanken, weil deine Mitmenschen (Partner, Freunde, Mutter) deine Lebenseinstellung fundamental infrage stellen. Das ist der Romanheldin von Linn Strømsborg passiert. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt. Doch der Reihe nach…  

Eine norwegische Metropole zur heutigen Zeit. Die namenlose Hauptfigur des Romans lebt das Leben einer modernen Großstadtfrau, hat einen Job, der sie erfüllt, und den richtigen Partner an ihrer Seite. Gemeinsam gehen sie gerne auf Konzerte, entdecken miteinander die Welt auf ihren Reisen, gehen mit Freunden aus – was junge Menschen eben alles so machen, wenn sie (noch) keine Kinder haben. Keine Kinder zu haben, diese Entscheidung stand für sie schon seit Jahren fest. Doch mit der Annäherung an die magische Altersgrenze 30 und außerdem in festen Händen kommen von allen Seiten immer (ungefragt) Nachfragen, was denn die Familienplanung mache? Eine Frage, die an Übergriffigkeit kaum zu überbieten ist, wie ich finde. Was geht es denn Arbeitskolleg*innen, Nachbar*innen und auch die eigene Mutter an, wann und ob man sich fortpflanzen will? Über diese Frage entscheiden einzig und allein die Partner*innen. Und in ihrer Partnerschaft war diese Frage geklärt. Dachte sie zumindest, bis ihre beste Freundin Anniken schwanger wird. Von da an zieht sich ihr Partner Philip immer mehr zurück, da für ihn wohl immer noch die Hoffnung bestand, sie würde ihre Meinung vielleicht irgendwann noch ändern. Aber sie will ihre Meinung nicht ändern. Für sie steht fest, dass sie keine Kinder haben will. Nie, nie, nie. Einfach so. Punkt. Und dafür braucht es auch keine „guten“ Gründe, es ist ihre Entscheidung:

Wenn ich mich gegen Kinder entscheide, wird man mir dann immer mit Mitleid und Bedauern begegnen, von der Häme und den Egoismus-Vorwürfen mal ganz zu schweigen? Halten dann alle mein Leben, mein hoffentlich glückliches Leben mit lieben Menschen, Büchern, Spaß, gutem Essen, durchgefeierten Nächten, Festivals, Quizabenden, Kinobesuchen, Joggingrunden und freundschaftlichen Umarmungen für wertlos im Vergleich zu einem Leben, in dem für all das kaum Zeit bleibt, weil man vor allem Mutter und Familienmitglied ist? […] Und sollte ich eines Tages unglücklich sein, hoffe ich, dass ich die Kraft habe, meine Entscheidungen zu überdenken. Sollte ich mir doch irgendwann Kinder wünschen, hoffe ich, dass ich welche bekomme. Ist es dann zu spät, werde ich mich hoffentlich damit abfinden können. Aber vor allem möchte ich mich für meine Entscheidungen nie rechtfertigen müssen – außer vor mir selbst.“  

Autorin Linn Strømsborg, Foto: © Heidi Furre