Linn Strømsborg: Nie, nie, nie – Vom Frausein ohne Kinderwunsch

Linn Strømsborg

Der Druck der Gesellschaft

Der Roman spricht auf eine warme und herzliche Weise an, wie viele Frauen sich fühlen und welchen Druck die gesellschaftliche Erwartung auf sie ausübt. Und auch wenn diese Fortpflanzungserwartung erfüllt wurde, wird der Druck durch die Vorstellung des „Mutterseins“ nicht gerade weniger:  

Ich dachte dabei an die Erwartungen, die an Mütter und Väter gestellt werden. Eine Mutter soll alles zugleich sein, klug und warm, streng und gerecht, allwissend und stets zur Stelle. Ein Vater hingegen kann morgens zur Arbeit gehen und sich abends ausruhen, er soll nur grillen und Auto fahren und Zeitung lesen und wissen, wo seine Frau die Schokolade versteckt. Natürlich bin ich für geteilte Elternzeit und mag weiche Männer, deshalb hatte ich mir ja Philip ausgesucht, den weichsten und liebsten Mann, den ich kenne. Ich bin für eine Neudefinition der Mutter- und Vaterrolle, aber gleichzeitig bin ich mir sicher, dass ich als Mutter alles selbst machen und irgendwann an Stress und Schlafmangel zerbrechen würde. Ich könnte weder um Hilfe bitten, noch welche annehmen. Ich wäre eine Mutter, die dem Vater unentwegt Vorwürfe macht.

Die Gesellschaft erwartet von dir als Frau, dich zu reproduzieren. Und solltest du aus irgendeinem Grund keine Kinder wollen, bist du suspekt. Diese Entscheidung stellt die Beziehungen der Romanheldin auf eine harte Probe.

Das Buch ist eine wunderschöne und einfühlsame Geschichte darüber, sein Glück zu finden. Über Liebe, Selbstliebe, Freundschaft und Familie. Es ist ehrlich und aufrichtig und ein Lichtblick für alle Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben und es satthaben, sich für ihren Lebensentwurf rechtfertigen zu müssen. Ich empfehle es allen, die sich in die Gefühls- und Gedankenwelt einer Frau, die du oder ich sein könnte, hineinversetzen wollen. Die mit ihr lachen und weinen wollen. In dem Roman „Nie, nie, nie*“ geht es weniger um die Auseinandersetzung mit der Frauen- und Mutterrolle im gesellschaftlichen Kontext, auch wenn dies immer wieder anklingt, sondern vielmehr darum, wie eine Frau sich fühlt und denkt, wenn sie eine Entscheidung fällt, die so wegweisend für ihren Lebensweg und ihre Beziehungen ist. Diesen Weg einzuschlagen erfordert Mut, dient aber einem großen Ziel – glücklich zu sein.

Linn Strømsborg: Nie, nie, nie. Erschienen im DuMont Buchverlag am 12. April 2021, 256 Seiten

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Bildquelle (Foto der Autorin Linn Strømsborg): © Heidi Furre