Adoniskomplex: Auch Männer bleiben vom Körperkult nicht verschont

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Nicht nur in der Pubertät plagen einen Selbstzweifel. Die Medien gaukeln uns vor, wie die perfekte Frau auszusehen hat: Groß, schlank und Kurven an den richtigen Stellen sollte sie haben. Eine voluminöse Mähne wäre auch noch ganz nett – klar, sonst noch Wünsche? Doch da nicht die ganze Welt aus Models und superhübschen Modebloggern bestehen kann, entspricht der Großteil von uns eher weniger diesem Ideal. Dank Make-Up, Kunsthaaren und Push-Ups können die Mädels kinderleicht ein bisschen mogeln, damit man den Bildern, die uns täglich auf Instagram und Facebook über den Weg laufen, wenigstens ein bisschen ähneln kann.

Die Herren der Schöpfung haben es da schon etwas schwerer. Für sie ist es nicht so leicht, mal eben so den riesigen Monsterpickel mit dem neusten Abdeckstift zu vertuschen. Bei dem Thema Body Shaming denken viele sofort an die weibliche Bevölkerung, aber dass viele Männer auch davon betroffen sein könnten, geht immer ein wenig unter. ZEITjUNG wollte es genauer wissen und hat nachgefragt. Die Blogger Sven und Martin sind wahre Männerexperten und beschäftigen sich in ihrem Blog „Männlichkeit-Stärken“ mit Themen, die die Männerwelt beschäftigen. Auch der Körperkult wurde von den beiden aus der männlichen Perspektive genauer unter die Lupe genommen.

 

Tinder, Facebook und Werbeplakaten kreieren einen „Avatar“ des Mannes

 

Sven und Martin offenbaren uns einen Einblick in das Mysterium Mann und sind davon überzeugt, dass viele Männer mit sich selbst unzufrieden sind. Genau wie die Frauen, sind eben auch die Männer Opfer unserer medial geprägten Idealvorstellungen. Die beiden gehen sogar so weit, dass sie der Erfindung des Spiegels die Schuld für unseren Schönheitswahn in die Schuhe schieben: „Erst als der Spiegel in die Welt kam, konnten wir uns mit unseren eigener Abbildung überhaupt auseinandersetzen. Durch diesen wurde es möglich, Vergleiche zu ziehen. Davor war das Gehirn so gepolt: Wir sind Rudeltiere und ich gleiche mich mit der Gruppe ab. Wenn ich mich nicht selber erkennen kann, dann vermute ich, ich bin ein Mann, wie meine Kumpels eben auch. Dadurch, dass ich mich selbst nicht sehen kann, bin ich einfach zufrieden mit mir“ erklärt Sven.

Laut unseren Bloggern führt der Spiegel also zu mehr Unzufriedenheit, aber nicht nur dieser macht uns das Leben schwer: „Wir leben in unserer westlichen Welt in einer Zeit, in welcher sich Menschen in ihre Wohnungen zurückziehen können. Man kann seine Türen abschließen und vollkommen für sich sein. Unser Gehirn ist allerdings auf das Rudelleben ausgerichtet. Dieser Abgleich mit den anderen Mitgliedern aus der Runde findet heutzutage eher medial statt. Auf Werbeplakaten, Social-Media-Plattformen und Tinder finden wir unseren ‚perfekten Typen‘, eine Art Avatar des Mannes. Ähnlich wie die Frauen sind wir Männer auch von dieser medialen Perfektion betroffen. Was ich aus eigener Erfahrung durch etliche Seminare weiß: Wenn Männer einfach mal aus dieser Isolation rauskommen und mehr Zeit mit ihresgleichen verbringen, in einer Umgebung, in welcher das Aussehen vollkommen sekundär ist, verschwindet dieser ganze „Ich mach mich schönund hoffentlich sehe ich gut genug aus-Kram“, verrät uns Martin

 

Gegen Komplexe hilft Nacktbaden

 

 

Das Spielen mit Barbie und Ken zu Kindheitszeiten wird uns nun zum Verhängnis, denn laut unseren Männerexperten prägt uns diese kleine Plastikpuppe mehr, als es uns vielleicht liebt ist: „Barbie und Ken in Kombination mit den Medien setzen den Maßstab unserer Schönheit. Das sind alles visuelle Prägungen und wir brauchen Zeit, um uns von diesen zu lösen. Ein wesentlicher Bestandteil von Männernseminaren ist beispielsweise Nacktheit untereinander. Das ist ein wichtiger Punkt in der Persönlichkeitsentwicklung, dass man seine Makel akzeptiert. Männer müssen sich Situationen stellen, in denen sie sich unwohl fühlen und sobald sie merken, dass sie nicht alleine in dieser unangenehmen Situation sind, gewinnen sie immer mehr an Selbstvertrauen. Es ist ein Prozess, welcher beinhaltet, dass man sich selbst lieben lernt, was wiederum eine Ausstrahlung schafft – welche meiner Meinung nach weit über den erotische, sexy geprägte Avatar unserer Gesellschaft hinaus geht. Man kann diese Schönheit leider nicht medial abbilden, weswegen sie nicht so populär ist.“

Wahre Schönheit kommt eben doch von innen. Also liebe Männer, springt doch einfach mal nach der nächsten durchzechten Partynacht nackt in den See und vielleicht offenbaren sich nach diesem Erlebnis komplett neue Möglichkeiten.Warum diese Erfahrung außerordentlich wichtig ist, erklärt uns Martin: „Man lernt einfach einen natürlicheren Menschen kennen, der unperfekt ist, fernab der Instagram- und Werbewelt. Dadurch entstehen Menschen mit Profil und Charakter und nicht Einheitsprodukte unserer Gesellschaft. Wir müssen einfach lernen, uns selbst zu lieben, das ist mein Weg, um aus diese ganzen Body Shaming-Schlamassel rauszukommen.

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