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Fotos: Eine Liebeserklärung an Detroits Electro-Künstler

Marie Staggat hält in ihren Porträts eindrucksvoll die Electro-Musikszene Detroits fest. Wir haben mit ihr über die Intimität von Fotografie gesprochen.

Von Juliane Becker, Jana Kreutzer und Philipp Pander

In ihrem neuen Buch „313ONELOVE – A Love Affair å Music from Detroit“ lässt die Berliner Fotografin Marie Staggat die musikalische Geschichte Detroits in über 170 eindrucksvollen Portraits aufleben. So finden sich hier etliche der einflussreichsten House- und Techno-Produzenten der Motor City wie Carl Craig, Mike Huckaby, Robert Hood und Moodymann sowie zahlreiche Wegbegleiter des legendären Labels Underground Resistance.

Bei ihren sehr persönlichen Schwarzweißaufnahmen fokussierte sich Staggat auf die wichtigsten „Handwerkszeuge“ der abgelichteten DJs – die Ohren und Hände. Parallel zu den Bildern kommen auch die Künstler selbst in Interviews, mit eigenen Geschichten und Zeichnungen zu Wort. Mit dem Erlös des Buchs unterstützt die Fotografin junge Nachwuchsmusiker in Detroit. Der Bildband ist in den Carhartt WIP Stores sowie auf der Launch-Party für 75 Euro erhältlich.

Zur offiziellen Buchveröffentlichung am 31. März 2016 präsentiert Telekom Electronic Beats die Launch-Party im Tresor, also in dem Club, der 1991 erstmals Jeff Mills und die Underground Resistance Crew nach Berlin holte. Headliner des Abends wird ein Special Guest aus Detroit sein.

Wir haben vorab mit der Künstlerin über die Intimität von Fotografie, Stevie Wonder und ihre Launch-Party, präsentiert von Telekom Electronic Beats, gesprochen.

 

ZEITjUNG: Du hast mit 20 angefangen,  im Nachtleben zu arbeiten. Wie kam’s?

Marie Staggat: Ich habe damals während der Ausbildung zur Fotografin nicht viel Geld verdient und einen Nebenjob gesucht. Dann habe ich mich einfach beim Tresor beworben und wurde genommen. Ich habe mich schon früh für elektronische Musik interessiert und von daher hat das irgendwie ganz gut gepasst. Der Club und die Künstler aus Detroit haben ja seit über 20 Jahren eine enge Beziehung und so kam es, dass ich unbedingt selbst einmal dort hinreisen wollte.

Du kennst dich maximal in der Elektro-Szene aus. Hast du einen Lieblings-Act?

Ich liebe Musik. Von Techno über House, Jazz, Funk, Soul, Klassik. Ich kann mich da gar nicht festlegen. Es gibt so unglaublich viele großartige Musiker, vor allem auch in Detroit. Allgemein würde ich sagen: Ron Trent, Louie Vega, AYBEE, Glenn Underground, Francesco Tristano, … Wenn ich es auf Detroit beziehe: Pirahnahead, DIVINITI, Octave One, Santiago Salazar, Kai Alce, Moodymann, UR, DTM, Mike Agent X Clark, Los Hermanos, Scan 7, Scott Grooves, Patrice Scott… und die 160 anderen Künstler, die ich für das Buch fotografiert habe (lacht).

Welchen Reiz haben Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf dich?

Einen ganz besonderen. Ich finde, dass durch die eingeschränkten Tonwerte nicht so viel ablenkt. Man konzentriert sich irgendwie mehr auf das Wesentliche. Es fühlt sich für mich echt, nah und intim an. Ich liebe Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor allem auch im Zusammenhang mit starken Kontrasten.

Ohren und Hände der DJs sind das Hauptthema der Fotoserie. Weil sie die elementaren Werkzeuge der DJs sind?

Im Bildband findet man nicht nur Bilder von Händen und Ohren. Es gibt auch viele Portraits, Close-Ups oder Gruppenaufnahmen. Die Hände und Ohren fand ich aber besonders interessant festzuhalten. Wie du sagst, sind es ja die elementaren Werkzeuge um Musik zu machen/ produzieren. Herz und Kopf dürfen wir nicht vergessen, aber so weit ist meine Fotografiekunst noch nicht ausgreift. Außerdem bin ich auch ein großer Fan von Händen. Ich finde, sie erzählen ganz viel. Wie ein Bilderbuch mit tollen Geschichten.

Nach welchen Kriterien hast die portraitierten Künstler ausgewählt?

Ich habe mich mit der elektronischen Musikgeschichte Detroits auseinandergesetzt. Über viele Jahre lang. Auch intensive Gespräche mit den Künstlern dort geführt und eine große Liste erstellt und diese dann nach und nach abgearbeitet. Es gibt natürlich noch weitaus mehr als die, die ich im Buch präsentiere, aber für mich war es jetzt ein guter Zeitpunkt, das Buchprojekt zu beenden. Für mich war es wichtig, weitaus mehr Artists zu zeigen als die, die es Oversea geschafft haben, sich einen Namen zu machen. Da gibt es weitaus mehr großartige Musiker, Produzenten und DJs. So findet man in dem Buch die alten Hasen, die seit 30-40 Jahren im Business sind, und auch die jungen, die das Ganze vielleicht noch nicht so lange machen.

Wie erreichst du diese abgebildete Intimität mit den Künstlern? 

Ich würde sagen durch Vertrauen. Fotografieren ist etwas ganz Intimes. Es bedarf viel Arbeit und Geduld. Detroiter sind misstrauisch. Vor allem, wenn dann wieder jemand aus Europa kommt und irgendeine der vielen Storys über Detroit bringen will. Ich bin ein sehr offener Mensch, ich nehme mir Zeit und stelle mich auf mein Model ein. Vielleicht war das oft von Vorteil und hat mir ein paar Türen geöffnet. Außerdem pflege ich meine Beziehungen auch sehr intensiv. Und wenn dann der eine zum anderen sagt „Die ist ok, mach mal das Bild mit ihr“, dann bricht das auf jeden Fall auch schon die erste Hemmschwelle.

Welche Bedeutung hat Techno mittlerweile für dich?

Immer noch eine ganz besondere. Ich sehe Musik allerdings jetzt mit etwas anderen Augen. Vielleicht, weil ich so oft in die Mutterstadt des Technos gereist bin und all diese Künstler kennengelernt habe, mit ihnen im Studio und auf Jam Sessions war und wirklich die besten Partys meines Lebens dort drüben gefeiert habe. Ich höre definitiv viel intensiver und beschäftige mich mehr mit der Entstehungsweise der Musik.

Warum hast du dir ausgerechnet Detroit für dein Projekt ausgesucht?

Als ich 2010 das erste Mal nach Detroit geflogen bin, habe ich ja gar kein wirkliches Projekt im Kopf gehabt. Ich wusste schon, dass ich die Künstler dort fotografieren wollte, da ich mich von Anfang an mit meiner Fotografie auf Musiker und Artists spezialisiert habe. Aber dass da am Ende ein Buch bei rauskommt, hätte ich auch nicht gedacht. Ich habe mich einfach in die Stadt verliebt, von der ersten Sekunde an, und deshalb bin ich immer wieder und wieder rüber geflogen. So hat sich das Projekt über die Jahre entwickelt und nun ist es nicht mehr lang und ich halte mein erstes eigenes Buch in den Händen.

Mit dem Projekt unterstützt du musikalische Förderprojekte in Detroit. Du scheinst eine enge Verbundenheit zur Stadt und vor allem ihrer Musikszene zu haben. 

Ja, das auf jeden Fall. Es haben sich über die Jahre wirklich sehr enge Freundschaften entwickelt. Ich habe fast so etwas wie eine zweite Familie dort. Und ich möchte gerne all diese Liebe und Unterstützung, die ich dort erfahren habe, zurückgeben. Außerdem ist Detroit eine sehr kreative und inspirierende Stadt, mit wahnsinnig vielen Talenten und leider haben vor allem mit Kids, nicht so viele Möglichkeiten haben, diese vielleicht verborgenen Talente auszuschöpfen. Deshalb geht der komplette Erlös des Buches dort hin zurück.

Gab es einen besonderen Moment während der Aufnahmen – welchem Künstler konntest du durch das Foto besonders nah kommen? 

Ich hatte eigentlich bei jedem Trip nach Detroit unvergessliche Momente. Das schönste Gefühl ist aber zu sehen, wie stolz die Künstler sind und wie sehr sie sich auf dieses Buch freuen. Diese Anerkennung zu bekommen, die sie einfach verdienen. Diese Vorfreude, das Glitzern und auch die Tränen in ihren Augen zu sehen, das ist das schönste Gefühl und die größte Bestätigung, die man bekommen kann. Und dadurch fühlt man sich ihnen ganz besonders nah.

Mit welchem Künstler würdest du gerne künftig mal zusammen arbeiten? 

Puh, das ist eine schwere Frage. Kate Moss vielleicht? Aber die ist nicht Techno. Ich glaube, Stevie Wonder zu fotografieren, wäre ein kleiner Traum. Ich denke, das ist Portraitieren auf einem ganz anderen Niveau und man muss mehr mit bestimmten Sinnen arbeiten als normalerweise.

Auf was für ein Feuerwerk dürfen wir uns bei der Launch-Party von Telekom Electronic Beats am 31.3. im Tresor freuen?

Ich glaube, das Event wird großartig. Ich freue mich riesig darauf. Vor allem auf Timeline. Die Jungs von Underground Resistance spielen das erste Mal in Berlin und somit ist es noch einmal etwas ganz Besonderes für mich. Es werden viele nette Leute kommen, auch ein paar Künstler aus Detroit und wir werden einen tollen Abend mit Musik, Buch und Drinks verbringen.

Hier seht ihr einige Eindrücke aus dem Bildband 313ONELOVE: 

 

 

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Bildquelle: Telekom Electronic Beats

 

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