Oscars 2016 Oscars so White Moderation

OscarsSoWhite: Chris Rock zeigt der Academy, wie es zu laufen hat

Hannah Frontzek

„Welcome to the Academy Avards – otherwise known as the White People’s Choice Awards.“ So empfängt der Moderator Chris Rock die Gäste der Oscars 2016.

Es ist mal wieder so weit: Die 88. Oscarverleihung ist zu Ende und mit ihr entfachen sich hitzige Diskussionen rund um die berühmteste Preisverleihung um das Medium Film. Dieses Mal führend ist die Ungleichheitsproblematik. Schon mit der Bekanntgebung der Nominierungen für die Oscars 2016 wurde im Internet erneut die Diskussion um die Situation der afroamerikanischen Schauspieler und Filmemacher losgerissen. Zum zweiten Mal in Folge wurde kein afroamerikanischer Schauspieler in den entsprechenden Kategorien nominiert.

 

Why Is Hollywood So White?Latinos, Native Americans, women, foreigners – Hollywood screws them all.

Posted by AJ+ on Freitag, 26. Februar 2016

 

Damit war es auch wieder an der Zeit, den Hashtag #OscarsSoWhite auszugraben. April Reign führte diesen Hashtag im Januar 2015 ein, ahnungslos, dass diese Bezeichnung den Kopf einer Rassismusdebatte bilden würde. Als engagierte Figur macht die geschäftsführende Herausgeberin von Broadway Black auf die Leistungen der Afroamerikaner auf dem Broadway aufmerksam. In einem Gespräch mit The Daily Dot betont Reign das eigentliche Problem in Hollywood: die Diversität. Dass selbst im Jahr 2016 noch über dieses Thema der Gleichberechtigung der Afroamerikaner nicht nur in Hinsicht auf die Filmszene, sondern in allen möglichen Lebenssituationen gestritten wird, zeigt, wie ungleichgewichtig die Gesellschaft auch heute noch strukturiert ist.

 

Was war nochmal Chancengleichheit?

 

Reigns Meinung nach werden farbigen Menschen nicht die gleichen Chancen gegeben wie weißen. Auch nach unzähligen Hinweisen auf diese Problematik hat die Oscar-Akademie außer leeren Versprechungen und instituionellen Umbrüchen nichts weiter gegen die ungleiche Verteilung der sogenannten „People of Colour“ und „White people“ in die Wege geleitet.

„Talent is everywhere; opportunity isn’t. And talent can’t reach opportunity“, so bringt der britische Schauspieler Idris Elba im Interview mit guardian die Situation der farbigen Künstler auf den Punkt. Der Künstler mit afrikanischem Hintergrund war Favorit für die diesjährigen Oscars, wurde aber nicht nominiert.

 

Die Oscar-Akademie schafft einen „Ausgleich“ zur Ungerechtigkeit

 

Dafür hat die amerikanische Institution eine andere Art des Ausgleichs in die Wege geleitet: Um die Kritiker ein wenig zu besänftigen, werden jedes Jahr Afroamerikaner als Ansager oder Künstler auf die Bühne geholt. Dieser Ersatz für die fehlenden afroamerikanischen Nominierten und Gewinner soll also einen Ausgleich schaffen, den die Leute bestenfalls gar nicht bemerken. Laut einer Analyse der Washington Post, die sich über 30 Jahre der Academy Awards Programme erstreckt, ist der Prozentsatz der eingesetzten farbigen Künstler als Ansager und Künstler stetig höher als der der Gewinner des eigentlich gefeierten Preises, des Oscars.

Das Ironische an der Zusammensetzung der Oscarrepräsentanten und -nominierten dieses Jahr ist, dass der Moderator der Verleihung schwarz ist: der Schauspieler und Komiker Chris Rock. Er selbst entschied sich dazu, das Thema Diversität in Hollywood sarkastisch zu beleuchten und brachte das Publikum mit einem eigentlich sehr ernst zu nehmenden Thema immer wieder zum Lachen.

Und wieder muss sich Hollywood gedacht haben: „Wir haben einen Schwarzen auf der Bühne, das gleicht die fehlenden nominierten Afroamerikaner aus.“ Doch damit hat sich der Protest gegen die rassistischen Einstellungen der Oscar-Akademie nicht gelegt – im Gegenteil: erst recht dadurch wurde das Thema neu entfacht und der Hashtag #OscarsSoWhite erlebt eine neue Welle der Aufmerksamkeit.

Schauspieler, wie Jada Pinkett Smith und Regisseur Spike Lee hatten sogar geplant, die Oscarverleihung zu boykottieren. Das zeigt wiederum, dass das Feuer hier noch lange nicht heruntergebrannt ist.

 

https://www.youtube.com/watch?v=GBadiCVY-tk

https://twitter.com/SWRinfo/status/704260343724376064

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Bildquelle: Youtube / Screenshot