Tausendmal versucht – tausendmal gescheitert

Motivation Wald

Warum nimmt man sich eigentlich immer tausend Sachen vor, um sie dann doch allesamt wieder nur aufzuschieben? Ich kann ja nur für mich sprechen, aber es ist tatsächlich so, dass umso mehr ich mir vornehme, umso weniger ich schaffe. Am meisten wundert mich dann, dass ich am Ende vor lauter „süßem“ Nichtstun einfach nur unendlich gelangweilt und frustriert bin. In der Bundesrepublik Deutschland leiden laut Schätzungen von Gesundheitsexperten 13 Miollionen Arbeitnehmer an Burnout. Zum gegenteiligen Krankheitsbild, dem Bore-Out, gibt es bisher kaum repräsentative Zahlen. Die einen haben Burnout, die anderen Boreout. Ich habe Faulheit und überhöhte Ansprüche an mich und mein Leben. Wie klappt das denn nun mit dieser Motivation, von der alle immer reden?

 

Du und Deine Baustellen

In der Regel läuft das bei mir so: Ich nehme mir nicht ein, zwei oder drei Dinge für die nächste Zeit vor, sondern immer gleich das ganze Programm. Immer wieder gelange ich an einen Punkt, an dem ich selbst der Meinung bin, mein Leben läuft gerade ganz, ganz mies und ich muss jetzt unbedingt was tun. Da wäre das Studium, 7. Semester, und die bald anstehende Bachelorarbeit. Da muss man doch was tun! Ich muss ein Thema finden, und einen Prof, bei dem ich schreiben kann und will. Und dann habe ich in letzter Zeit auch noch ein paar Kilo zugelegt, die schleunigst wieder runter sollten, damit ich wieder in meine Lieblingsjeans passe. Überhaupt lebe ich echt ungesund, rauche, litere Red Bull und Alkohol derzeit in Mengen, die die meisten Leute wahrscheinlich töten würde, mache gar keinen Sport mehr und esse momentan am liebsten Pizza und Burger. Ach ja, Job habe ich auch keinen und noch nicht mal eine Idee, was ich denn in ein paar Monaten nach der Uni machen soll. Urlaub wäre auch mal wieder toll. Aber das muss dann schon echt was Tolles sein, irgendwas bei dem die Leute sagen „Boah, echt? Da wollte ich auch immer schon mal hin!“, sonst zählt es ja nicht als richtiger Urlaub, oder?

 

Der Plan und dies fiese Realität

Also nehme ich mir vor, diese Woche einfach gleich mal alles zu schaffen. Ich muss ja lediglich bei der Uni anrufen, ein bisschen Sport machen, ein bisschen weniger schlemmen, viel weniger rauchen und saufen. Kann ja nicht so schwer sein. Das mit dem Job geht man am Besten ganz nüchtern an, schließlich werden so viele Arbeitnehmer gesucht wie nie zuvor, die Arbeitslosenquote steht bei einem Langzeittief, also wird man mich schon irgendwo gebrauchen können.
Die Realität sieht dann doch wieder ganz anders aus. Ich schlafe viel zu lang, Yoga vertage ich auf den Abend und bei der Uni erreicht man doch eh nie jemanden, also versuche ich es am Besten erst gar nicht. Das mit dem gesunden Essen klappt bis zum nächsten Bäcker auch echt gut und die zwei, drei Kippchen rauche ich ganz schuldbewusst. Die Sache mit dem Job sollte sich jedoch einfach gestalten, für was gibt es denn gefühlt 436 Jobportale? Blöderweise verstehe ich die Hälfte der Stellenausschreibungen trotz sechs Fachsemestern nicht und für die andere Hälfte bin ich aufgrund eines mangelnden Masterabschlusses, Auslandsjobs und jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht qualifiziert genug.
Wie frustrierend! Also bleibt einem doch wieder nichts anderes übrig, als den Tag auf der Couch inklusive Chips, Energydrink (tagsüber) oder Wein (ab 16 Uhr sollte das klargehen) und Binge Watching der aktuellen Lieblingsserie zu verbringen. Und natürlich damit, sich selbst zu zerfleischen und darüber nachzudenken, wie unnütz die eigene Existenz doch ist, nachdem man ja eh nie irgendwas schafft. Weil man ein Versager ist, der im Gegensatz zu all den Vollzeit arbeitenden, kletternden, surfenden und Halbmarathon laufenden Facebook Freunden, einfach zu nichts zu gebrauchen ist.

 

Wie kommt man da raus?

Was können all die geplagten Seelen unter uns jetzt also tun? Ich habe mich auf Antwortsuche im Internet begeben und erst mal etwas über Motivation im Allgemeinen gelernt. Da gibt es also die Motivation, die von Außen kommt – extrinsische Motivation -, die beim Menschen wie eine Droge wirkt, deren Dosis ständig erhöht werden muss, die man aber auch kaum beeinflussen kann. Also so etwas wie Boni im Job. Wer seinen Job allerdings eh schon scheiße findet, der findet ihn für einen Bonus von 5.000 Euro langfristig auch nicht besser.

Besser wäre also innere Motivation, nennt sich auch intrinsische Motivation. Wo bekommt man die her? Zuerst sollte man klare Ziele definieren, inklusive Zeitangabe. Also so etwas wie: „Bis 28.02. nehme ich 5 Kilogramm ab“, oder „bis Ende des Jahres bekomme ich entweder eine Beförderung, oder ich kündige“. Zack, schon hat man ein klares Ziel vor Augen. Im nächsten Schritt geht es um die Visualisierung, also darum sich vorzustellen, wie toll man sich fühlen wird, wenn man sein Ziel erreicht hat. Um dauerhaft bei der Sache zu bleiben, gibt es meinen zweitliebsten Tipp – belohne Dich selbst. Das sollte kein Problem sein.

Hier aber kommt mein absoluter Lieblingstipp: „Schalten Sie auch mal ab“. Wenn mal wieder gar nichts hilft, wenn man nur vor der Aufgabe rumsitzt, egal ob im Job, im Studium oder im Privatleben – einfach aufhören. Das hört sich wieder ein bisschen nach Aufschieberitis an, nach Prokastination, hilft aber gewaltig. Die Arbeit wird sich nämlich auch dann nicht von selbst machen, wenn man stundenlang auf seinen PC, seine Uninotizen oder seine private To-Do-Liste starrt. Also aufhören, abschalten und am Besten gleich wieder belohnen. Das hilft immer. Und man muss ja auch nicht gleich alles auf ein Mal schaffen, man muss nicht alle seine Baustellen an einem Tag angehen. Sobald man selbst etwas Druck rausnimmt, gehen die Dinge plötzlich viel leichter von der Hand. Ich hab’s versucht, es wirkt. Und jetzt: Abschalten.

Autorin: Ich bin die nicht ganz so typische BWL-Studentin, die eigentlich viel lieber den ganzen Tag nur Schreiben will, gerne mal ein Bierchen zu viel trinkt und ständig nach 'nem neuen Job sucht. Ich fühle mich ständig missverstanden und fühl mir nirgends so richtig daheim. Auf dem bayrischen Dorf aufgewachsen, über Köln nach München und trotzdem irgendwie heimatlos. Grandiose Voraussetzungen für einen Schreiberling!