Neue Erinnerungskultur: Wem oder was wollen wir ein Denkmal setzen?

Im Zuge des gewaltsamen Todes George Floyds in der US amerikanischen Stadt Minneapolis ist die Diskussion um Symbole und Statuen aus unserer Vergangenheit neu und diesmal besonders emotional entflammt. Manche Denkmäler wurden enthauptet, andere sogar abgerissen und in Flüsse geschmissen. Unsere Welt und ihre Strukturen sind im Aufruhr, wie aber soll es weitergehen?

Anstatt in den allgemeinen Kanon von Schuld, Sühne und Zerstörungslust einzustimmen, könnten wir uns auch alternativ und kreativ der Zukunft zuwenden. Dazu müssen wir uns diese Fragen stellen:
Für wen oder für was würden wir denn eigentlich gerne eine Statue errichten?
Und was genau soll diese Statue ausdrücken und verkörpern, welche Botschaft soll sie übermitteln?

Denkmale: Wenn Werte auf Zeitreise gehen

Eine Statue ist wie eine überdimensionale Flaschenpost an die uns nachfolgenden Generationen. Eine Statue sagt viel über Gesellschaft, Politik und Zeitgeist aus. Und über die Menschen, die hinter ihr stehen.
Allein, wenn wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wer eigentlich eine Statue verdient hätte, müssen wir uns und unser Lebensumfeld selbst reflektieren. Denn eine Statue schickt unsere Werte, Ideen und Gefühle auf eine Zeitreise in das Morgen und Übermorgen unserer Welt.

Genau das dachte sich vermutlich auch der Londoner Künstler Marc Quinn, der vor einigen Wochen die Statue der Black-Lives-Matter-Aktivistin Jen Reid auf jenen Sockel hob, den zuvor ein Sklavenhändler besetzt hatte (ehe er von Aktivisten im Wasser versenkt wurde). Bilder der Statue gingen um die Welt und sorgten für Gänsehaut – obwohl sie bereits von der Stadt wieder entfernt wurde.

Statuen mit Yoga-Tipps

Doch Statuen und Denkmale müssen nicht nur als Erinnerungsstücke gedacht werden. In ihnen steckt einiges mehr. Ein Beispiel für eine moderne Statue mit klarer Botschaft – und Aufforderungscharakter – liefert uns der indische Guru Sadhguru. Im Zusammenspiel mit der von ihm gegründeten Isha-Foundation entwirft und errichtet er Statuen. Sie zeigen Adiyogi, den Menschen, der Yoga nach Indien brachte. Sadhguru will dadurch, nach eigener Aussage, die an der Statue vorbeigehenden Menschen zu einer kurzen und simplen Yoga-Routine inspirieren. Die Übung ist auf der Statue eingraviert. Dies soll den Menschen zu einem Mehr an körperlicher und geistiger Gesundheit verhelfen.

Auch hier sieht man deutlich: Statuen und Denkmale spiegeln Überzeugungen und Ideale. Sie dienen der Inspiration und des Empowerments. Ihr Konzept sollte nur in vielen Fällen überdacht und neuinterpretiert werden.

Und ja, das ist jetzt die Aufgabe jener jungen Menschen, die für eine Welt demonstrieren, in der sie alt werden möchten. An uns ist es jetzt, zu reflektieren, vielleicht auch laut zu werden, Petitionen zu unterschreiben und dafür zu sorgen, dass sich unsere Überzeugungen auf den Straßen zeigen – auch in Form von Statuen und Denkmalen.

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Bildquelle: Foto by Sam Saunders from Bristol – This Should Be Cast In Bronze, CC BY-SA 2.0

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