Nico Semsrott: „Die meisten Lebenskonzepte sind einfach scheiße“

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Es gibt eine Menge Gründe, schlecht drauf zu sein. Und die meisten Menschen reagieren auf die Schlechtheit der Welt mit Verdrängung: Sie betonen, dass „das Leben ja auch so viele schöne Momente bereit halte“, während sie Bücher von Eckart von Hirschhausen lesen und sich im Sonnentor-Laden freudestrahlend die einhundertste Packung überteuerten Glückstee kaufen.

Einer, der sich keinen Illusionen mehr hingibt, ist Nico Semsrott. Der 30-Jährige Hamburger ist Kabarettist, Slam Poet und Demotivationstrainer, verkauft Unglückskekse und redet am liebsten über Depressionen – „an denen kann man sich so gut aufhängen.“ Sein Humor ist so schwarz wie der Kapuzenpulli, den er immer trägt – das hat er auch mit seinem viralen YouTube-Hit mit dem aussagekräftigen Titel „AfD-Wähler sind arm dran. Und schlechte Menschen“ bewiesen. Nichtsdestotrotz scheint Nico erstaunlich gut gelaunt, als wir uns im wirklich sehr kleinen Backstageraum des Münchner Lustspielhauses vor seinem Auftritt dort auf ein knarziges rotes Lacksofa setzen und Vodka trinken.

Autorin: Nach mehreren Jahren des Pseudo-Studierens darf ich mich mit dem atemberaubenden Titel Theaterwissenschaftlerin B.A. schmücken. Ich hab's nicht nur wegen des Geldes gemacht! Ich geh auch so wirklich gerne ins Theater. Was ich sonst noch gerne mache: Mich über Sachen aufregen, die ich sowieso nicht ändern kann, Katzen streicheln, Videospiele spielen, Gin Tonic trinken und Dinge unternehmen, die nur minimale soziale Interaktion erfordern.