„Ooh ooooh“ – von ICQ und anderen Plattformen für Nostalgiker*innen

Wenn das Gefühl, beliebt zu sein in den 2000ern ein Geräusch gewesen wäre, dann dieses. Immer wenn ein „Ooh ooooh“ aus den Lautsprecherboxen des PC’s ertönte, rannten wir in Windeseile wieder zurück vor den Bildschirm, setzten uns auf den wackligen Bürostuhl, um nachzusehen, wer uns geschrieben hatte.

Wir sprechen von der Zeit, der meterlangen, gelben LAN-Kabel, die manchmal quer durch das Zimmer gelegt wurden. Die Zeit, in der Internetverbrauch noch übers Festnetz abgerechnet wurde. Und wenn dann die Telefonrechnung ins Haus geflattert kam, gab es öfter mal riesen Ärger für das heimliche Chatten in der Nacht.

ICQ: Ich zeige ihnen Blumen

Statt Instagram-Accounts und QR -Codes hatten wir ganz einfach: Ziffern. Klingt erstmal unromantisch, aber funktionierte tatsächlich fast wie ne Handynummer. Manche kannten ihre neunstellige ICQ– Nummer sogar auswendig. Manche können Sie wahrscheinlich immer noch im Schlaf aufsagen. Statt Bildern gab es Blumen. Grüne Blüten etwa für „online“, rote für „abwesend“. Später konnten Avatare und Fotos mit gigantischen 5 Pixeln eingefügt werden. Es gab die abenteuerlichsten Nicknames und im Status immer ein flotten random Spruch, wie „Unverhofft kommt oft“.

Es war nicht wichtig, was miteinander geschrieben wurde, sondern einfach ob man miteinander chatten konnte und vor allem wie oft. King war, der möglichst häufig „Online“ war. Sprich ans gelbe LAN-Kabel angeknüpft.

MSN-Messenger: Mucke für alle

Auch wenn mobiles Internet noch der Zukunft angehörte, hatten die alten sozialen Plattformen was Musik angeht allerdings schon einiges mehr zu bieten als ihre heutige Konkurrenz.

Beim MSN-Messenger zum Beispiel konnte man sogar die aktuell über den Musikplayer gehörten Songs im Status sichtbar machen. Jeder konnte sich also über deinen Musikgeschmack ein eigenes Bild verschaffen. Die Info, welche Musik jemand hört, muss man heute in einem analogen (seriously?) Gespräch abfragen oder versuchen das Spotify-Profil des*der Gesprächpartners*in auszukundschaften.

War echt nicht so.

Myspace: It’s all about the drama

Die Queen unter den Social Media Urgesteinen Studi-VZ, Facebook und Lokalisten war allerdings MySpace. Hier war es sogar möglich sein eigenes Oberflächendesign mit Hintergrundmusik zu wählen. Die Besucher deiner Seite konnten neben den Eckdaten eingebettete Videos und Bildern auch deine Playlist und deine Freunde einsehen. Quasi ein eigener kleiner Kosmos. Das war der perfekte Spielplatz für Menschen, die ihre extrem individuelle Subkultur zelebrieren oder dem unvermeidlichen Teenie-Highschool-Drama gebührend Aufmerksamkeit zukommen lassen wollten. Hier galt: Mehr ist mehr.

Das Dorfnetzwerk: Leider geil

Last, aber auf keinen Fall least: die soziale Plattform für die eigene Region. Viele von uns wuchsen mit ihr auf. Für die Jüngeren, falls sie es denn bis hier hin geschafft haben: Lange vor Facebook gab es soziale Netzwerke, in denen nicht nur alle Nachbarskinder, sondern die ganze Schule und gefühlt alle Menschen unter 21 Jahren angemeldet waren. Dort konnte man chatten, PMs verschicken und Gästebücher von Freunden zuspammen, lange bevor man von Trollen sprach. Auf diesen Seiten rundeten Bildergalerien vom Glühweinfest in Oberunter-Schnarchhausen oder Veranstaltungshinweise für vergleichbare Events das Angebot ab. Möglichst mit Sonderzeichen gepimpte Nicknames waren Pflicht und übertrugen sich schneller in den analogen Alltag als man „KarlKani_92$$“ hätte schreiben können. Ihr seht, früher war nicht alles besser.

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Bildquelle: Tatiana Bolshakova und Simon Hildrew via flickr.com / CCO-Lizenz

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