Orbiting: Ghosting, nur asozialer

Orbiting: Voyeurismus über Social Media. Bild: Unsplash

Das Phänomen des „Ghostings“ dürfte den meisten schon mal untergekommen sein – passiert ist es hoffentlich weniger. Es beschreibt den vollkommenen Kontaktabbruch einer zwischenmenschlichen Beziehung, sei es eine Freundschaft oder eine Partnerschaft. Ghosting kommt für Opfer unerwartet und ohne Ankündigung. Und auch wenn der Begriff vor allem im Zeitalter von Sozialen Medien erst so richtig bekannt wurde, war es doch schon lange vorher möglich, jemanden zu ghosten. Orbiting hingegen, ein Phänomen, das erstmals Journalistin Anna Iovine in ihrem Lifestyle-Blog repeller.com als solches benannte, ist erst seit Facebook, Instagram und Co. möglich und leider nochmal eine Spur perfider.

Was ist Orbiting?

Iovine beschreibt in besagtem Artikel das „Orbiting“ anhand eines Beispiels aus dem eigenen Leben. Über Tinder lernte sie Tyler kennen, der echte Name wurde geändert, mit dem sie sich kurze Zeit auch später im echten Leben auf ein Date traf. Sie tauschten Facebook-, Instagram-, und Snapchat-Accounts aus, um in Kontakt zu bleiben. Nur leider klappte das mit dem „in Kontakt bleiben“ nach dem zweiten Date nicht mehr so, wie Iovine es sich vorgestellt hatte. Tyler antwortete nicht mehr auf ihre Textnachrichten, weshalb sie dachte, dass es vorbei sei – klassisches Ghosting eben. Doch es hielt den vermeintlichen Liebhaber nicht davon ab, ihre Instagram- und Snapchat-Stories anzuschauen – oftmals als einer der ersten Nutzer, als warte er nur darauf. 

Ein paar Wochen später reichte es Iovine und sie beendete die Freundschaft auf Facebook und Snapchat. Nur Instagram blieb nach wie vor ein Problem.  

Iovine vertraute sich ihrem Umfeld an und erzählte von der Situation mit Tyler. Eine Freundin, Kara, beschrieb die Verhaltensweise als „keeping you in their orbit“ und legte so das Fundament für die Begriffsfindung. Und Iovine war bei weitem nicht allein. Vanessa, eine andere Freundin, hatte bereits ähnliches erlebt – noch eine Spur härter. Nicht nur stalkte ihr vermeintlicher Liebhaber regelrecht ihre Stories, sondern reagierte sogar noch mit einem Emoji oder einem kurzen „haha“ darauf. 

Doch auch Männer seien betroffen, schreibt Iovine in ihrem Blog. Philip Ellis, ein Autor aus England, wurde ebenfalls zum Opfer dieser Verhaltensweise. „Ich kenne Orbiting sehr gut“, erklärt er in einer Mail an Iovine. „Männer scheinen das zu machen, wenn sie sich ihre Optionen offenhalten wollen.“

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.