Orbiting: Voyeurismus über Social Media. Bild: Unsplash

Warum orbitet man überhaupt?

Taylor Lorenz ist Social-Media-Journalistin bei „The Daily Beast“ und setzt sich unter anderem damit auseinander, wie Instagram moderne Beziehungen beeinflusst. Sie sieht dahinter eine berechnende Handlung. „Man möchte nicht mit jemandem komplett abbrechen. Solche Menschen möchten (vielleicht) DMs schreiben, aber nicht mehr echten Leben Kontakt suchen.“ Weiter mutmaßt Lorenz, dass es sich bei Täter*innen vor allem um Männer handelt. „Ich habe das Gefühl, dass das die Art der entsprechenden Männer ist, Buch über ihre ganzen Frauen zu führen.“ Autor Ellis sieht es ähnlich und beleuchtet noch einen ganz anderen Aspekt. Er glaubt, dass es noch einmal eine Extra-Nuance in der Schwulen-Community gibt, einer deutlich kleineren Gemeinschaft, wo „jeder jeden kennt“. Es ist ähnlich, wie wenn man sich bemüht, zumindest ein bisschen mit Verwandten in Kontakt zu bleiben, damit es beim nächsten Weihnachtsfest nicht in eine unangenehme Situation mündet. 

Dr. Rachel O’Neill, die sich auf den Bereich Beziehungsprobleme spezialisiert hat, zieht einen Bogen zu einem weiteren prominenten Phänomen der Sozialen Medien: FOMO – der „Fear of Missing Out“ (Angst, etwas zu verpassen). „Die Person (Täter*innen, Anm. d. Red.) ist vielleicht noch nicht bereit für eine Beziehung. Dennoch ist da die Sorge, dass sie komplett den Kontakt zu dir verlieren und die Möglichkeit verpassen, mit dir später wieder in Kontakt zu treten. Soziale Medien ermöglichen einen voyeuristischen Blick in die Leben von Menschen, mit denen wir selbst nur die einfachsten Beziehungen haben. Orbiting ermöglicht einen Kontakt, ohne Verpflichtungen aufrecht zu erhalten, und verspricht eine relativ einfache Rückkehr in dein Leben, wenn die Umstände passen – zum Beispiel per Direct Message).“

Was kann man tun?

Die wohl offensichtlichste Variante ist einfach den Blocken-Button zu drücken – danach bleibt natürlich noch zu hoffen, dass Täter*innen nicht mit ein paar Dutzend Fake-Accounts um die Ecke kommen. Deshalb ist es auch zu empfehlen das eigene Profil möglichst auf Privat zu stellen. So hat man immer die Kontrolle darüber, wer was sieht. Wer nicht gleich den Blocken-Button nutzen will, kann auch entsprechende Personen direkt anschreiben. Oftmals ist Täter*innen gar nicht bewusst, dass Nutzer*innen sehen können, wer ihre Story angesehen hat. In ihrem Artikel beschreibt Iovine sogar einen Fall, in dem der Orbiter sich danach schockiert gegeben hat und schließlich das Verhalten einstellte. Es zeigt also: Orbiting kann ganz schön nervenaufreibend sein. Dennoch gibt es Mittel und Wege, es zu umgehen oder zumindest die Wahrscheinlichkeit, Opfer zu werden, deutlich zu verringern. 

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Bildquelle: Erik Lucatero auf Unsplash; CC0-Lizenz