#writeforparis: Wie lebt ihr nach den Anschlägen in Paris weiter?

Estelle Paris Umfrage Marilou

Protokoll: Estelle Adeline

Paris ändert alles, heißt es. Die einen meinen damit ihr zukünftiges politisches Engagement, die anderen ihre Sicht auf die Welt und wieder andere die Konsequenzen für die Flüchtlingspolitik. Was machen die Anschläge und die tägliche Auseinandersetzung mit dem Terror mit den Leuten, die direkt damit konfrontiert sind? Wie geht das Leben in Paris weiter? Wir haben junge Leute, die in Paris leben, gefragt, was sich für sie geändert hat und ob man der Angst eine Chance geben darf.

 

CAMILLE, 24.

„Freitag der 13. Ich habe in der früh noch gespaßt, was heute wohl Schlimmes passieren würde. Das Lachen ist mir abends ganz schön vergangen. Explosion, Schießerei, Tote. Offizielle Ausgangssperre. Ich bin nach Hause, wirr, erschrocken, machtlos. Die Straßen waren schlagartig leer. Bis vier Uhr nachts habe ich vor dem Fernseher gesessen und auf meinen Freund gewartet, der seinen Arbeitsplatz aus Sicherheitsgründen nicht verlassen durfte. Paris schläft nie, aber diese Nacht aus anderen Gründen. Seit dem Anschlag bin ich kaum mehr ausgegangen. Anstatt ins Restaurant zu gehen, bestellen wir essen, und Freunde treffen wir zu Hause. Es ist eine Mischung aus Respekt vor den Opfern und Angst, dass noch etwas passiert.

Als ich am Samstag mit einer Kerze zum Bataclan bin, um den Opfern zu gedenken, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Wir waren Hunderte. Und trotzdem war es so still. Ich konnte das Rasseln einer rostigen Fahrradkette von einem Passanten hören, der 300 Meter weit weg war. Wir wussten alle: Es hätten auch uns treffen können.

Die Grenzen zu schließen ist keine einfache Entscheidung. Damit beschützt man einerseits andere Länder vor den Attentätern, und schützt sich vor Neuen. Und doch macht es gleichzeitig die Kluften in Europa noch größer. Was zählt, ist fest an eines zu glauben: Wir sind viel mehr an der Zahl als diese kranken Terroristen. Wir müssen zusammen arbeiten. Einander Halt geben. Mut zusprechen. Und vor allem die Augen öffnen. An andere denken. Es sind nicht nur in Paris Menschen gestorben. Jedes Leben zählt, egal aus welchem Land. Mit oder ohne bekannter Hashtags.“