Warum Junggesellenabschiede nur kolossal schiefgehen können

Junggesellenabschied Bachelorette Party Hochzeit

2009 kam ein Film in die Kinos, der das Dasein aller zukünftigen Trauzeugen und ihrer weiblichen Pendants für immer verändern würde. Wir alle lachten sehr über die Schicksalsschläge der Männerclique bzw. des „Wolfsrudels“ Phil, Stu, Alan und Doug (wer mit dem Namen nichts anfangen kann: Das ist der Bräutigam. Also der Typ, der für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist). „Hangover“ war ein Kassenschlager und ist bis heute eine Benchmark, an der sich Junggesellenabschiede zu messen haben. Thanks for nothing, Warner Bros.

16% der Deutschen halten die Ehe für ein überholtes Konzept (Statista, 2016). Meinen Bekanntenkreis scheint das wenig zu stören. Geheiratet wird trotzdem an allen Ecken und Enden. Und das Thema greift um sich. Diverse Blogs verstehen sich als digitaler Wedding Planner, erklären den Wonnemonat Mai nach wie vor zum beliebtesten und schönsten Zeitpunkt zum Heiraten. Vor dem finalen Ja-Wort wünschen sich Braut und Bräutigam in spe noch einen letzten wilden Abend mit ihrer Clique. Weil danach genau was passiert? Werden tatsächlich die Fesseln angelegt? Wird mit der Eheschließung automatisch das Haustürschloss ausgewechselt? Was soll’s! Traditionen werden im Rahmen von Hochzeiten ja bekanntlich großgeschrieben und auf gar keinen Fall hinterfragt. Ehren wir also die Tradition des Feierns und Trinkens und planen einen Junggesellenabschied.

 

Ja, ich will… noch einmal richtig eskalieren

 

Die erste Herausforderung besteht selbstverständlich darin, eine geeignete Gruppe zu finden. Natürlich sollen alle guten Freunde der Hauptperson anwesend sein. Meiner Mutter wurde nach eigenen Aussagen so eine „schwachsinnige Veranstaltung“ niemals zu Teil. Überhaupt scheint das überschwängliche Entlassen der Frau aus dem Junggesellinnenstand ein Phänomen der jüngsten Neuzeit. Allein die Nutzerunfreundlichkeit des Begriffs „Junggesellinnenabschied“ lässt an der Daseinsberechtigung des dahinterstehenden Events zweifeln. Profis lassen sich die Schwierigkeiten allein im Umgang mit diesem Begriff jedoch nicht anmerken und verwenden die Insider-Abkürzung „JGA“.

Zurück zur Teilnehmerzahl: Mein Vater erinnert sich, mit zwei Kumpels drei Tage vor dem Standesamt in die beste Kneipe am Platz eingekehrt zu sein. Ganz sicher, ob der Bruder seiner zukünftigen Gattin ebenfalls dabei war, ist er sich nicht mehr, aber im Großen und Ganzen könne man dieses Zusammentreffen wohl als seinen JGA kennzeichnen. Drei Leute! Klingt machbar!

 

Denken Sie groß

 

Zeitsprung: 30 Jahre später! Deichkinds „Denken Sie groß“ ist das Credo der Stunde und macht auch vor diesem Thema nicht Halt. Schlag die Lokalität um die Ecke vor und man ist nicht nur den Job als Trauzeugin los, sondern vermutlich auch noch die beste Freundin. Teilnehmerzahlen im einstelligen Bereich sind eine Beleidigung und wenn sich die Veranstaltung auf einen Abend beschränkt lässt das eindeutig auf mangelndes Interesse am Verlauf der zukünftigen Ehe schließen. Und an alle Männer: Mit dem einfachen Besuch eines hochkarätigen Stripclubs ist es übrigens auch nicht mehr getan. Wenn dieser allerdings mindestens 24 Autostunden entfernt liegt und mit einem gut durchstrukturierten Roadtrip einhergeht, nimmt die Sache langsam Gestalt an.

Der Trendfaktor von kostümierten Horden, die jedes Wochenende die großstädtischen Fußgängerzonen fluten und versuchen, ihre Bauchläden leer zu verkaufen, ist keiner weiteren Worte wert.

Jetzt mal ehrlich: Diese Feier vor der Feier scheint vielen Beteiligten mittlerweile wichtiger, als die eigentliche Zeremonie geworden zu sein. Wer in diesem Artikel eine Anleitung zum Planen der perfekten JGAs zu finden gehofft hatte, wird leider enttäuscht, denn ganz im Ernst: Ihr seid geliefert. Einem baldigen Hochzeitspaar wird man es niemals recht machen können. Und wie auch? Schließlich feiert man nicht nur das Ende einer Ära, sondern gleichzeitig den Beginn einer neuen, einer hoffentlich viel schöneren und längeren. Im Endeffekt geht es doch darum, das Kommende zu feiern. Also packt die „Roofies“ wieder aus dem Handgepäck, schaltet einen Gang zurück und spart die Energie. Schließlich gilt es noch eine Hochzeitsfeier mitzugestalten und das wird eine ganz andere Hausnummer.

 

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Bildquelle: Alexander unter CC by 2.0

Offensichtlich fühlen sich Mitmenschen durch mich oftmals an Monk erinnert. Pedanterie lasse ich mir allerdings nur im Umgang mit Büchern und Musik unterstellen. Ansonsten führe ich ein Leben ohne Zwangsneurosen und verbringe dieses bevorzugt in Konzerthallen, Stadien und Theatersälen. Kochen und lügen kann ich überhaupt nicht, reden und abhotten dafür umso besser.